WIRTSCHAFT
13/01/2018 14:52 CET | Aktualisiert 13/01/2018 15:38 CET

Experte Wolfram Seidemann: Darum wird es keine Welt ohne Bargeld geben

"Es ist sicher, simpel, komfortabel"

  • Wolfram Seidemann ist Geschäftsführer des Sicherheitsunternehmens Giesecke+Devrient Currency
  • Im Interview mit der HuffPost erklärt er, warum Bargeld das dominierende Zahlungsmittel bleiben wird
  • Das ganze Gespräch seht ihr im Video oben

Wolfram Seidemann ist CEO bei Giesecke+Devrient Currency, einem Unternehmen, das sich mit der Sicherheit von Bezahlsystemen in 32 Ländern weltweit beschäftigt.

Er sagt, Bargeld werde noch lange Zeit das präferierte Zahlungsmittel auf der ganzen Welt sein – und das aus gutem Grund. 

Bargeld ist das einfachste, effizienteste und sicherste Bezahlsystem, das es gibt”, sagt er im Gespräch mit der HuffPost.

Laut einer aktuellen der Studie der EZB lieben vor allem die Deutschen ihr Bargeld. In keinem anderen Land der Eurozone haben die Verbraucher so viel Bares in ihren Geldbeuteln wie in der Bundesrepublik. 

Demnach hatten die Deutschen im Jahr 2016 im Durchschnitt 103 Euro in bar dabei. Der europäische Durchschnitt liegt bei 65 Euro.

Der Studie zufolge zahlen die Europäer in 79 Prozent der Fälle bar. In Deutschland werden sogar 80 Prozent aller Käufe bar abgewickelt.

Ökonomen forderten Abschaffung des Bargelds

Diverse Top-Ökonomen würden Scheine und Münzen am liebsten abschaffen. Würden alle Zahlungen elektronisch getätigt, lasse sich Steuerhinterziehung leichter aufdecken, argumentieren sie. Deutsche-Bank-Co-Chef John Cryan mutmaßte, dass Bargeld schon in zehn Jahren keine Rolle mehr spielen werde.

Auch Politiker finden Gefallen an der Idee.

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Unbestreitbar existieren viele neue, attraktive Bargeldlos-Systeme. Neben den etablierten Kredit- und EC-Karten nutzen viele Kunden Dienste wie Paypal oder Apps, legitimieren sich per Pin, Unterschrift oder Fingerabdruck. In Skandinavien können Kirchenbesucher mancherorts sogar die Kollekte per Handy übermitteln.

Eine Frage des Datenschutzes

Weltweit allerdings, so sagt Seidemann, sei Bargeld dennoch nicht auf dem Rückzug. Im Gegenteil. Egal ob es um Wertaufbewahrung oder Transaktion gehe – in allen Gesellschaftsschichten werde Bargeld weiterhin gerne genutzt.

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Bargeld habe auch viel mit Freiheit zu tun. “Der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski hat gesagt ‘Bargeld ist geprägte Freiheit’ – und das ist tatsächlich auch noch heute so”, ist Seidemann überzeugt.

Jeder müsse für sich selbst zwischen Bequemlichkeit und Selbstbestimmung abwägen. “Wer ein nicht bares Verfahren verwendet, der muss wissen, dass er entweder eine Gebühr bezahlen muss oder seine Daten verwendet werden.”

Ein Punkt, der auch Verbraucherschützer umtreibt.

(sk)