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24/06/2018 23:09 CEST | Aktualisiert 24/06/2018 23:09 CEST

Wohnen 21.0: Grundzüge des Seins von A bis Z

Vom Bauen und Sein leitet sich das Wohnen ab. Wohnen ist die Weise, in der wir uns in der Welt befinden und der Versuch zu leben, ohne sich zu verlieren. Wer wohnt (nicht haust!), der liebt – zumindest sprachgeschichtlich. Im althochdeutschen „wonên“ klingen neben „Liebe“ auch „zufrieden sein“ und „bleiben“ mit. Es gibt kaum Persönlicheres als die eigene Wohnung – viele Menschen verbringen an kaum einem anderen Ort so viel Zeit. Sie gestalten ihre Umgebung und werden umgekehrt von ihr geprägt. „Zeige mir dein Haus. Und ich sage dir, wer du bist“, weiß der Volksmund. Wohn(t)räume sind immer auch ein Spiegel des gesellschaftlichen Lebens.

Im Zuge gesellschaftlicher Umwälzungen sowie veränderter Lebensmodelle und Ansprüche gewinnt die Sehnsucht nach Privatheit, Geborgenheit, Ruhe und Wärme immer mehr an Bedeutung. Die neue Gemütlichkeit ist geprägt durch Materialien wie Holz, Baumwolle, Leder, Filz und Naturstein. Wer der rastlosen Gesellschaft entfliehen will, schließt die Tür hinter sich und zelebriert die eigene Wohnkultur, in der wir uns ganz als uns selbst erfahren und „wirklich“ sind.

Der Landhausstil sein dafür wie geschaffen, schreibt Jana Illhardt. Vor allem Städter verfallen ihm immer mehr. Mit den richtigen Möbeln und Accessoires wird auch die Stadtwohnung des 21. Jahrhunderts „so gemütlich wie das Landhaus aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts.“ Allerdings unterscheidet sich der moderne Landhausstil vom ursprünglichen.

Das wachsende Interesse an Vintage ist auch im Teppichbereich zu verzeichnen. Der Teppich feiert derzeit ein grandioses Comeback, nachdem jahrelang vor allem Parkett, Linoleum oder Estrich in Wohn- und Arbeitsräumen verlegt wurden. Der Vintage-Look steht hier ebenfalls für die Sehnsucht nach Verwurzelung, Einzigartigkeit, Authentizität und Handwerkskunst. Aus entfärbten Versatzstücken alter Teppiche werden neue kombiniert.

Das Erdrückende der Vergangenheit entfällt jedoch – heute ist alles schlichter, in kalkigen Tönen gehalten

In Zukunft werden vor allem Erdtöne (braun bis Ocker) eine größere Rolle spielen. Schwarz hat es dagegen schwer, weil damit Bedrohung und Pessimismus assoziiert werden.

Im Essbereich dominiert der Trend zu ausladenden Tischen und gepolsterten Sitzbänken sowie komfortablen Armlehnstühlen, die Großzügigkeit und behagliche Wärme vermitteln. Die Sehnsucht nach einem gepolsterten Leben zeigt sich auch im Matratzenboom - davon abgeleitet sind Kissen, Polsterstühle oder Sofas. Hier lassen wir uns umso tiefer fallen, wenn uns die Welt draußen buchstäblich nicht mehr hält. Wie kaum ein anderes Möbelstück erleben wir hier unsere Eingesunkenheit zwischen Träumen und Wachen. In den vergangenen Jahren präsentierte die Möbel- und Einrichtungsbranche ein Wolkenmeer aus Stoffen und Drapeterien, aber auch ausladende watteweiche Sitzlandschaften.

Dass in Deutschland der Küchenmarkt ein Milliardengeschäft mit stetig wachsenden Umsätzen ist, hat ebenfalls mit der Lust am Bleiben und am Analogen zu tun. Es geht darum, sich aus der Dauererreichbarkeit auszuklinken, achtsam und in sich ruhend im Hier und Jetzt zu sein und einer Sache seine volle Aufmerksamkeit zu schenken.

Diese Entwicklungen sind die Antwort auf unsere rastlose Gesellschaft - wer zu sich finden und neue Energie tanken möchte, schließt die Tür hinter sich und zelebriert die eigene Wohnkultur.

Das Wohnen ist heute aber auch zu einer sozialen und ökologischen Frage geworden

Laut United Nations werden im Jahr 2050 nur noch ein Drittel aller Menschen in ländlichen Gebieten wohnen und zwei Drittel in Städten. Allerdings können sich immer weniger Menschen den teuren Wohnraum in der Stadt leisten.

Das Buch „Wohnen 21.0“ widmet sich deshalb folgenden Fragen: Welche Rolle spielt der Klimawandel bei der Stadtplanung und beim Bauen? Worauf sollte beim Einrichten einer Wohnung geachtet werden? Was braucht man im Leben, um glücklich zu sein? Wie wird sich das Wohnen in Zukunft verändern? Was sagt das Wohnen über uns und unsere Gesellschaft aus? Was sind die Grundzüge des Seins im 21. Jahrhundert?

Weiterführende Informationen:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Wohnen 21.0: Grundzüge des Seins von A bis Z: global – lokal –nachhaltig. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2018.