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16/06/2018 17:31 CEST | Aktualisiert 16/06/2018 17:47 CEST

WM-Video: Russisches Fernsehen lässt britische Botschaft verschwinden

Die russische Führung hatte eigentlich betont, die Fußball-WM müsse aus der Politik herausgehalten werden.

  • In einem WM-Werbevideo über Moskau hat das russische Fernsehen  die britische Botschaft wegretuschiert.
  • In den sozialen Netzwerken wird das Vorgehen auch als Spitze gegen Großbritannien verstanden.

Künstlerische Freiheit oder politisches Signal? Das russische Staatsfernsehen hat in einem WM-Video über Moskau das Gebäude der britischen Botschaft wegretuschiert.

Der Sender Perwy Kanal platzierte an seiner Stelle kurzerhand die prunkvolle Kathedrale aus der WM-Stadt Saransk, wie russische Medien am Samstag berichteten. 

Das russische Fernsehen retuschiert die britische Botschaft weg 

Das Video war vor dem Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft am Donnerstag ausgestrahlt worden und zeigte Impressionen aus Moskau.

Die Aufnahme des russischen Fernsehens findet sich zwar auf Youtube, ist jedoch von Deutschland aus nicht abrufbar. Die mehr schlecht als recht ins Bild retuschierte Kirche mit der goldenen Kuppel könnt ihr aber in folgendem Screenshot sehen:

Perwy Kanal/dpa
Der Screenshot eines WM-Videos des russischen Senders "Sender Perwy Kanal" (Erster Kanal) über Moskau zeigt an der Stelle, an der sich die britische Botschaft befindet, die prunkvolle Kathedrale aus der WM-Stadt Saransk. 

Hier ist eine Aufnahme der britischen Botschaft, die tatsächlich an der Stelle steht, in die die Kathedrale von Saransk hinein retuschiert wurde:

Alexander Zemlianichenko/AP/dpa
Das russische Staatsfernsehen hatte die britische Botschaft am Ufer der Moskwa in einem WM-Video über Moskau einfach wegretuschiert. 

Mehr zum Thema: Was Russlands bekanntester Homosexueller über die WM sagt

Die russisch-britischen Beziehungen sind verhärtet

Dabei gab es nicht nur für die britische Botschaft, die im Jahr 2000 am Ufer der Moskwa eröffnet wurde, Veränderungen: Auch ein überdimensional großes Denkmal aus der WM-Stadt Rostow am Don wurde einfach ins Moskauer Stadtbild versetzt.

In den sozialen Netzwerken wird das Vorgehen auch als Spitze gegen Großbritannien verstanden.

Die Beziehungen zwischen Moskau und London sind unter anderem wegen des Streits um den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripalund dessen Tochter Julia verhärtet.

Im Frühjahr wiesen beide Länder gegenseitig zahlreiche Diplomaten aus. Moskau untersagte auch die Arbeit des britischen Kulturinstituts British Council in Russland.

Die russische Führung um Präsident Wladimir Putin hatte zum Auftakt des Turniers ausdrücklich betont, die Fußball-WM müsse aus der Politik herausgehalten werden.

(mf)