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12/07/2018 20:50 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 11:31 CEST

Philipp Lahm rechnet nach WM-Aus mit Joachim Löw ab

"Jogi Löw muss seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern."

  • Weltmeister Philipp Lahm hat den Führungsstil von Nationaltrainer Joachim Löw kritisiert.
  • Der Coach habe nicht erkannt, dass er es bei der WM in Russland mit einer neuen Generation von Spielern zu tun gehabt habe. 
  • Im Video oben: Deshalb glaubt Lahm die DFB-Spitze sei zum Teil auch für die Erdogan-Affäre verantwortlich. 

Auch kurz vor dem Ende der Weltmeisterschaft geht die Analyse des deutschen Scheiterns in Russland weiter. Der neueste Kritiker der deutschen Elf ist ein Weltmeister: Philipp Lahm

► In einem Beitrag auf dem sozialen Netzwerk Linkedin hat der frühere Kapitän der Nationalmannschaft und achtmalige deutsche Meister das WM-Aus der Truppe von Trainer Joachim Löw analysiert. Das Ergebnis: Die Führungsspitze des DFB hat Fehler gemacht – und Löw etwas Entscheidendes versäumt. 

Gleich einer der ersten Sätze von Lahm benennt das Problem: “Eine meiner wichtigsten Erfahrungen”, schreibt er, “besteht darin, dass es praktisch unmöglich ist, zweimal auf dieselbe Weise erfolgreich zu sein.”

Lahm analysiert die neue Spieler-Generation

Das ist dann auch der größte Vorwurf, den Lahm seinem einstigen Coach zum Vorrunden-Aus macht: Seinen Führungsstil nach dem Erfolg 2014 in Brasilien einer neuen Elf nicht angepasst zu haben.

“Ich bin überzeugt davon, dass Jogi Löw seinen kollegialen Führungsstil der letzten Jahre ändern muss, wenn er mit der neuen Generation von Nationalspielern wieder Erfolg haben möchte”, schreibt Lahm. 

In mehreren Absätzen widmet sich Lahm dieser vermeintlich neuen Generation von Spielern und was sie von seiner eigenen Fußballer-Generation unterscheidet. In einem Wort: Egoismus. 

Simon Hofmann via Getty Images
Philipp Lahm bei einer Veranstaltung des DFB 2017.

Weil die Spieler in Jugendleistungszentren ausgebildet werden, würde ihnen der “Blick für das Ganze, die Verantwortung des Einzelnen für die Mannschaft” abgehen. Denn im Vordergrund stehe immer nur das eigene Vorankommen. 

► Lahm stellt aber auch klar: “Das muss nicht unbedingt ein Problem sein.” Aber der Trainer müsse darauf eingehen – was Löw nicht gelungen sei. 

Der falsche Umgang mit der Erdogan-Affäre

► Lahm kritisiert auch noch einmal den Umgang des DFB mit der Erdogan-Affäre um die Fotos von Mesut Özil und Ilkay Gündogan. Auch hier macht Lahm die DFB-Spitze verantwortlich, die den beiden Spielern keine klare Ansage gemacht habe, die Affäre zügig aus der Welt zu schaffen.

Lahm ist nicht der einzige, der die Nachwuchsarbeit des DFB kritisch betrachtet. Noch schärfer hatte Ex-Fußballer Mehmet Scholl, ehemaliger Europameister, sich geäußert. 

“Die Kinder dürfen sich nicht mehr im Dribbling probieren“, sagte Scholl bereits vor einiger Zeit: “Stattdessen können sie 18 Systeme rückwärts laufen und furzen.” Offenbar findet Scholl damit nun Gehör. In der “Sport Bild” kündigte DFB-Chefausbilder Daniel Niedzkowski ein Gespräch mit Scholl an. 

Vielleicht holt sich der DFB ja auch den Rat des Weltmeisters Lahm. 

Lahm jedenfalls ist optimistisch: “Oft braucht es gar nicht viel, um eine Mannschaft nach überraschenden Misserfolgen wieder in die Spur zu bringen.” 

(ben)