ELTERN
03/10/2018 15:24 CEST

Wissenschaftler: Erziehung hat kaum Einfluss auf Charakter der Kinder

Der britische Genetiker Robert Plomin vertritt eine provokante These.

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(Symbolbild)
  • Der britische Genetiker Plomin hat ein neues Buch mit provokanter These herausgebracht.
  • Er sagt, mit Erziehung könnten Eltern am Charakter von Kindern wenig ändern.

Der britische Psychologe und Genetiker Robert Plomin vom renommierten King’s College ist überzeugt, dass Eltern kaum Möglichkeiten haben, den Charakter ihrer Kinder durch Erziehung zu prägen. 

Eltern sei es kaum möglich, Persönlichkeitsmerkmale wie Intelligenz, Motivationsfähigkeit oder Selbstkontrolle ihrer Kinder zu formen, schreibt er in der “Zeit” laut einer Vorabmeldung.

Genetiker: DNS macht uns zu dem, was wir sind

Der britische “Guardian” verweist auf Plomins neues Buch “Blueprint: How DNA Makes Us Who We Are”, zu deutsch etwa “Die Blaupause: Wie die Gene uns zu dem machen, was wir sind”. Demnach geht Plomin davon aus, dass die Gene für 50 Prozent der psychologischen Unterschiede zwischen den Menschen verantwortlich sind.

Die anderen 50 Prozent kämen zwar durch Umwelteinflüsse zustande – aber nicht durch geplante Einflüsse, sondern zufällige Ereignisse. “Umwelteinflüsse sind wichtig, aber in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass sie meist zufällig sind (...), was heißt, dass wir da nicht viel dran ändern können”, zitiert die Zeitung.

Die “Forschung hat gezeigt, dass wir im Wesentlichen die gleiche Person wären, wenn wir bei der Geburt adoptiert und in einer anderen Familie aufgewachsen wären“, schreibt Plomin in der “Zeit”.

Laut “Guardian” argumentiert Plomin, in Gesellschaften mit Schulbildung für alle seien die größten Unterschiede im Lernvermögen in den Genen begründet, nicht im häuslichen Umfeld oder der Qualität der Schulen.

Eine provokante These

Die These, die der Forscher nach 30 bis 40 Jahren Arbeit formuliert, klingt provokant.

Bei manchem weckt sie Assoziationen an die menschenverachtenden Theorien der Nazis, die aufgrund einer wissenschaftlich nicht haltbaren “Rassentheorie” Menschen bewerten wollten.

Plomin allerdings argumentiert laut “Guardian” in seinem Buch nicht mit Gruppen von Menschen, sondern mit Individuen.

Dennoch werden Plomins Thesen in der Fachwelt heftig diskutiert.

Was Eltern laut Plomin erreichen können 

All das heißt nach Plomins Interpretation allerdings nicht, dass Eltern ihre Kinder künftig sich selbst übererlassen sollen.