WIRTSCHAFT
02/08/2018 06:14 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 07:22 CEST

Wirtschaftsforscher kritisiert Abschiebepraxis als "völlig unsinnig"

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dpa
Michael Hüther warnt vor den Folgen einer verfehlten Einwanderungspolitik.

► Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, kritisiert die Abschiebepraxis in Deutschland scharf. 

► “Gut ausgebildete und integrierte Beschäftigte abzuschieben, ist völlig unsinnig“, sagte der Wirtschaftsforscher der “Bild”-Zeitung vom Donnerstag. Er fordert, dass bereits in Deutschland lebende Flüchtlinge und Migranten “aus dem Asyl-System ins System der Einwanderung von Fachkräften wechseln können”. 

► Und weiter: “Bisher verhindert das Gesetz diesen Spurwechsel. Ist der Krieg im Herkunftsland vorbei, droht, dass ein oft gut integrierter, geschätzter Kollege mit sicherem Einkommen das Land verlassen muss. Das überzeugt nicht, es ist volkswirtschaftlicher Unsinn!

Darum diskutiert Deutschland über ein Einwanderungsgesetz: 

Union und SPD haben sich darauf verständigt, noch in diesem Jahr ein Einwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen, um gezielt Fachkräfte anzuwerben.  

Die Abschiebung von 69 Afghanen Anfang Juli hatte Kritik ausgelöst, weil unter den Abgeschobenen neben Straftätern auch Personen waren, die gerade eine Ausbildung machten. 

Eine Studie der Beratungsgesellschaft Korn Ferry zeigte jüngst: Bis Ende des nächsten Jahrzehnts könnten Deutschland 4,9 Millionen Fachkräfte fehlen, wie die “Welt” berichtete. Die Einnahmeausfälle bezifferten die Experten bis 2030 auf rund 525 Milliarden Euro.

Was Hüther noch sagte:

Hüther geht davon aus, dass eine solche Regelung das deutsche Asylsystem entlasten würde, weil manche Menschen konsequenter abgeschoben werden könnten, manche gar nicht erst abgeschoben werden müssten.

(sk)