POLITIK
22/06/2018 09:45 CEST | Aktualisiert 22/06/2018 16:10 CEST

Erdogan-Sieg sicher? Türkisches TV sendet zu früh Wahlergebnisse

Plötzlich flimmerten die Stimmresultate über die Fernsehgeräte der Nation.

  • Das türkische Fernsehen hat das mutmaßliche Ergebnis der Präsidentschaftswahl ausgestrahlt.
  • Dabei findet die erst am Sonntag statt. Der Sender sprach von einem “Test”.
  • Im Video oben seht ihr die Ausstrahlung des vermeintlichen Wahlergebnisses.

Es wird ein enges Rennen – zumindest da sind sich alle sicher.

Wenn die Türken am Sonntag Präsident und Nationalversammlung wählen, könnte es für den amtierenden Staatschef Recep Tayyip Erdogan eine Zitterpartie geben. 

Umfragen sahen ihn zuletzt unter den für die absolute Mehrheit benötigten 50 Prozent. In diesem Fall würde es Stichwahlen geben, auf die die Opposition – vor allem dank CHP-Kandidat Muharrem Ince – ihre Hoffnungen setzt.

► Nun sorgte der türkische TV-Sender TVNet jedoch für einen Eklat: Vier Tage vor der Wahl veröffentlichte er vermeintliche Ergebnisse.

Demnach würde Erdogan mit 53 Prozent der Stimmen (26.568.993) gewinnen. Muharrem İnce käme auf 26 Prozent, Iyi-Partei-Gründerin Meral Akşener auf 12 Prozent, HDP-Chef Selahattin Demirtaş auf 7 Prozent.

► Die Moderatoren beriefen sich auf Zahlen der Nachrichtenagentur Anadolu Agency, die die offiziellen Ergebnisse der Wahl liefern wird. Die Iyi-Partei nannte die Ausstrahlung bei Twitter einen “Skandal”.

Eine Testsendung, Absicht oder ein verräterischer Fehler?

Später vermeldete TVNet, es habe sich leidlich um eine “Testsendung” gehandelt.

Das Anadolu den Medien auf ihrer Webseite Testergebnisse bereitstellt, ist geläufig. Deren Veröffentlichung allerdings verboten.

Nun spekulieren Beobachter:

► War die Ausstrahlung tatsächlich ein Fehler?

► Versuchen die Erdogan-nahen Medien, durch die Meldung den Willen der Opposition zu brechen?

► Oder deutet das verfrühte Ergebnis gar auf eine Manipulation der Stimmen hin? 

Erdogan-Herausforderin Meral Aksener warf Erdogan vor, das Wahlergebnis zu fälschen: “Hast du deinem Sohn gesagt, er soll Anadolu anrufen und ihnen befehlen, am 24. Juni um 21:30 52 Prozent zu verkünden, oder nicht? Ist das nicht Verletzung des Wählerwillens?”

  • Update, 14: 00 Uhr: Die Agentur Anadolu verwahrt sich vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen am kommenden Sonntag gegen Manipulationsvorwürfe.
  • “Es ist absolut inakzeptabel, dass die Agentur Anadolu, die die stärkste und verlässlichste Nachrichtenquelle der türkischen Medien ist, solchen grundlosen Anschuldigungen ausgesetzt ist”, teilte Anadolu mit.

(mkl)