ELTERN
09/11/2018 08:38 CET | Aktualisiert 09/11/2018 09:11 CET

Eltern: Es ist wichtig, mit Kindern über Geld zu sprechen – so schafft ihr es

Gebt ihnen eine Basis, die sie für die Zukunft stärkt.

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Eltern sollten mit ihren Kindern offen über das Thema Geld sprechen (Symbolbild).
  • Viele Eltern finden es schwierig, mit ihren Kindern über Geld und dessen Bedeutung zu sprechen. 
  • Wir haben Finanzexperten gebeten, uns Tipps für solch ein Gespräch zu geben.

In einer Welt von Kreditkarten, Online-Banking, Steuern, Investments und Rentenplänen fällt es vielen Erwachsenen schwer, den richtigen Umgang mit ihrem Geld zu pflegen. Noch schwerer ist es für Kinder, solch komplexe Finanzstrategien nachvollziehen zu können. 

Eltern fragen sich: Wie soll ich meinem Kind wirtschaftliche Ratschläge geben und es auf seine finanzielle Zukunft vorbereiten? Wo soll ich überhaupt anfangen?

Wir haben Finanzexperten gefragt, wie Eltern am besten mit ihren Kindern über Geld sprechen und ihnen die Bedeutung von Finanzen erklären können. 

Mehr zum Thema: Erziehung: Wie Eltern die Kreativität ihrer Kinder fördern können und warum es wichtig ist

Stellt sicher, dass das Geld nicht “unsichtbar” für eure Kinder ist 

Chris Withlow, Geschäftsführer des US-amerikanischen Finanzberatungsunternehmens Edukate, beschreibt Geld als “emotionale Angelegenheit” und als “praktischen Wettbewerb”.

“Als Vergleich: Es ist so, als würdest du dich in einem akademischen Buch über Fußball informieren und danach auf das Spielfeld gehen und spielen”, erklärt Withlow der HuffPost. “Darüber zu lesen und tatsächlich zu spielen sind zwei unterschiedliche Dinge.”

Deshalb ist es so wichtig, dass Familien – wenn möglich – offen über ihre Finanzen sprechen, beispielsweise über ihr Haushalts-Budget. Dadurch ermutigen sie ihre Kinder, Fragen zu stellen und können sie besser auf ihre finanzielle Zukunft vorbereiten.

Das bedeutet auch, dass sich Eltern nach dem Bezahlen mit Kreditkarte eine Minute Zeit nehmen und ihren Kindern erklären, dass dieses Stück Plastik keine endlose Geldzufuhr garantiert.

Withlow betont, dass das Gespräch über Geld eine gute Möglichkeit ist, Kindern den Unterschied zwischen “Was ich brauche, um ein gutes Leben zu führen” und “Was ich gerne hätte” zu erklären. 

Überlegt euch, euren Kindern etwas Geld zum Üben zu geben

Um Kindern den Umgang mit Geld besser beizubringen, könnt ihr es zu Beginn mit etwas Bargeld versuchen.

“Bargeld ist ein greifbarer Gegenstand”, sagt Gwen Tulin. Sie ist die Gründerin und künstlerische Leiterin von Brain Arts Productions, einer Organisation, die Geburtstagsfeiern, Ferienlager und andere Veranstaltungen ausrichtet, bei denen finanzielle Kompetenz mit Kunst verbunden wird.

“Kinder können anhand von Bargeld klar erkennen, dass es an einem Tag da und dann plötzlich wieder verschwunden ist”, sagt Tulin.

Die Gründerin schlägt vor, dass sich Erziehungsberechtigte die Zeit nehmen sollten, Bargeld abzuheben und es gemeinsam mit ihren Kindern in einem Geschäft auszugeben, das sie regelmäßig besuchen. 

“Das hilft, die Vorstellung von Geld in den Köpfen der Kinder zu verfestigen”, erklärt Tulin. “Danach könnt ihr zu abstrakteren Dingen übergehen, aber Bargeld ist der Startpunkt und die Basis.”

Wenn ihr euch dabei unwohl fühlt, euren Kindern richtiges Geld zu geben, dann seid kreativ. Withlow erklärt der HuffPost beispielsweise, dass seine Familie Spielscheine nutze – bedruckt mit dem Gesicht seiner Tochter.

“Sie bekommt die Scheine für verschiedene Dinge, die sie im Haushalt erledigen soll – manche sind auch emotionaler Natur, beispielsweise dafür, wie sie mit ihren Geschwistern umgeht”, erklärt Withlow. “Aber genau dieses Geld hat einen sehr praktischen und greifbaren Nutzen.”

Eltern, die ihren Kindern eine Kreditkarte geben möchten, sollten sich die App BusyKid runterladen. Die ermöglicht es Eltern, die Aufgaben ihrer Kinder zu managen, sie zu bezahlen und das Geld auf eine aufladbare Visa-Karte einzuzahlen.

Die können die Kinder nutzen und dadurch ebenfalls einsehen, wie viel Geld noch vorhanden ist und wie sich das Verhältnis zwischen Arbeiten und Geldausgeben gestaltet. 

Die Plattform ermöglicht es den Kindern auch, kleine Aktienanteile zu kaufen – wenn Eltern auch das ihren Kindern von klein auf erklären möchten.

Lasst euch nicht vom finanziellen Jargon überfordern

Tanya Van Court hat Goalsetter, eine Spar- und Bezahlplattform für Kinder, gegründet. Die Plattform soll Familien ermöglichen, spielerisch über Geld zu sprechen.

Die Gründerin versteht genau, warum sich Eltern eingeschüchtert fühlen, mit ihren Kindern über Geld zu sprechen. “Wir haben Geld in eine Fremdsprache umgewandelt”, sagt Van Court. “Warum sollten wir beispielsweise erwarten, dass der Durchschnittsbürger die Sprache von Steuercodes versteht?”

Van Court hat als Kind nichts über Finanzen gelernt und wollte deshalb, dass ihre eigenen Kinder dieses Wissen beigebracht bekommen. Um anderen Familien unter die Arme zu greifen, bietet Goalsetters ein Finanz-Wörterbuch, das Finanzbegriffe spielerisch erklärt und diese mit Filmen, Fernsehserien oder auch Liedtexten in Verbindung bringt.

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Erklärt euren Kindern, dass Geld ein mächtiges Instrument ist, um anderen zu helfen

Wer mit seinen Kindern über Geld sprecht, sollte ihnen auch, dass manche Menschen privilegierter sind als andere. Auf BusyKid gibt es beispielsweise einige gemeinnützige Organisationen, die Kinder unterstützen können. 

Auf Goalsetters werden drei Kategorien angeboten, in die Kinder ihre Ziele einteilen können: Für die Zukunft sparen, für Dinge und Erfahrungen sparen, mit anderen teilen. Die letzte Kategorie ermutigt Kinder, sich mit ihrem verdienten Geld zu revanchieren. 

“Wir wollen Kindern zeigen, dass sie ihr Geld nicht nur in Dinge investieren, die ihnen wichtig sind”, erklärt Van Court. “Sie sollten auch denjenigen etwas geben, die nicht so viel haben.”

Wie Withlow verdeutlicht, gibt es keinen perfekten Weg, um mit Kindern über Finanzen zu sprechen. Ziel sollte es sein, “eine gewisses Gefühl der Wachsamkeit oder Aufmerksamkeit gegenüber Geld zu wecken”, sagt der Experte. So werden eure Kinder besser auf die Zukunft vorbereitet sein.

Dieser Beitrag erschien ursprünglich bei der HuffPost US und wurde von Nadine Cibu aus dem Englischen übersetzt und angepasst. 

(ujo)