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12/03/2018 19:58 CET | Aktualisiert 12/03/2018 19:58 CET

“Wir haben unser Geschäftsmodell einer Disruption unterzogen”

Peter Lauterbach, CEO der SPORTTOTAL AG, berichtet im Interview mit Andreas Jamm über die Notwendigkeit, sich auf neue, digitale Spiel- und Geschäftsfelder einzulassen und gibt hilfreiche Tipps, wie Unternehmensentscheider dem digitalen Wandel begegnen sollten.

Sporttotal AG

Die SPORTTOTAL AG ist ein führendes Medien- und Kommunikationshaus im Sport- und Automotive-Umfeld, welches sich durch eine mutige Transformation erfolgreich markt- und zukunftsfähig aufgestellt hat.

Zur Person: Peter Lauterbach, geboren am 30. August 1976 in Darmstadt, ist seit 2011 CEO der SPORTTOTAL AG, ehemals _wige MEDIA AG, mit Sitz in Köln. 2003 machte sich Lauterbach, der über zehn Jahre für den Pay-TV-Sender Sky, ehemals Premiere, als Redakteur und Moderator vor allem in der Formel 1 arbeitete, mit seinem eigenen Unternehmen selbstständig, zunächst P4P Productions GmbH, später ByLauterbach GmbH, jeweils in München. Mit der Übernahme durch die _wige MEDIA AG 2011 wechselte Lauterbach in den Vorstand des Unternehmens, dem er heute vorsitzt. Ende 2016 gründete Lauterbach die sporttotal.tv GmbH als 100-Prozent-Tochter der AG. Sie überträgt mithilfe einer innovativen Kameratechnik vollautomatisch Amateursport im Internet.

Andreas Jamm: Wie bewerten Sie das Thema Disruption für sich persönlich und im Kontext Ihres Unternehmens? Können Sie dem Thema Disruption auch etwas Positives abgewinnen?

Peter Lauterbach: Disruption ist in unserem Fall viel mehr Chance als Gefahr, weil wir ganz grundsätzlich im Produkt noch das Gleiche tun wie zuvor auch: wir übertragen Sport. Wir haben nur den Weg dahin verändert. Das war in einem margenschwachen Markt für uns die einzige Chance, daher ist für uns Disruption absolut heilende Medizin – und ausschließlich Chance. Disruption bedeutet für uns das Ersetzen eines Geschäftsmodells, nämlich der klassischen Medienproduktion inklusive eigener Hardware und Dry-Hire-Geschäft, durch automatisierte Übertragungstechnologien, die in einer eigenen Plattform mündet, mit dem Aufbau eigener Reichweiten und der Vermarktung eben dieser Reichweiten, also der Umwandlung wachsender Dimensionen in Werbegelder.

Andreas Jamm: Disruption als Bedrohung wie auch Lösung wird vielfach als schicksalhaft bzw. unausweichlich dargestellt. Wann muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmer disruptiv mit seinem Geschäftsmodell umgehen? Muss erst eine offensichtliche Krise kommen, bevor man sich bewegt und das Unternehmen neu erfindet?

Peter Lauterbach: Im Falle der _wige Media AG (heute: SPORTTOTAL AG) war sicherlich die Krise mit ausschlaggebend, dass wir uns dem Wandel und dem digitalen Transformationsdruck gnadenlos ehrlich stellen mussten. Auf der Produktionsbranche (TV- & Sportproduktion) lastet derzeit durch neue Marktakteure und neue technische Lösungen (Streaming-Dienste etc.) insgesamt ein hoher Veränderungsdruck. Wir haben insbesondere im Jahr 2016 verstanden, dass unser altes _wige-Modell nicht mehr langfristig erfolgreich sein kann. Als klassischer technischer Dienstleister von Commodity Services hat man einen hohen Kapitalbedarf bei gleichzeitig sehr geringen Margen. Hier haben wir den Hebel angesetzt und unser Geschäftsmodell strategisch komplett überdacht. Heute sind wir ein anderes Unternehmen, das klassischen Infrastrukturausbau mit den Stärken eines digitalen Geschäftsmodells im Sinne einer hohen Skalierbarkeit intelligent miteinander verbindet – wir sprechen intern gerne von einem „hybriden Geschäftsmodell“.

Andreas Jamm: Disruption wird in der Regel mit der Verfügbarkeit und dem Einsatz neuer Technologie in Verbindung gebracht. Welche Technologien (Internet, Mobile, Appifizierung, 3D, …) oder andere fundamental neuen Lösungskonzepte waren oder sind ausschlaggebend für Ihre Unternehmenstransformation und die Transformation Ihrer Branche? Was waren sonst Ihrer Meinung nach relevante Treiber des Wandels?

Peter Lauterbach: Der Ausbau des mobilen Internets ist sicherlich der Transformationstreiber unserer Zeit. Immer mehr B2C-Transaktionen werden heutzutage über das mobile Internet abgewickelt; und zwar in einem Maße, wie es noch vor 10 Jahren gänzlich unmöglich erschien. Die Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle wurde über „Mobile Apps“ dadurch noch einmal exponentiell beschleunigt. Für unser Unternehmen spielten mehrere Treiber des Wandels eine Rolle: Zum einen war es die Entwicklung einer Kamera-Hard-/Software, die zu einer vollautomatisierten Produktion und Erkennung von Schwarmverhalten und Bewegungsmustern fähig ist – wir haben als erstes Unternehmen erkannt, dass diese neue Kameratechnologie im Sportbereich einen großen Mehrwert darstellen kann und nutzen die Technologie nun für die Produktion von Sport-Content, der bis dato nicht professionell visibel gemacht wurde. Vollautomatisierte Produktionsverfahren werden in Zukunft die TV-Branche sicherlich weiter disruptieren – nicht nur im Anwendungsbereich Sport. Ein weiterer Treiber des Wandels ist der bereits beschriebene Wandel im Konsumentenverhalten durch den stetigen Ausbau des mobilen Internets. Konsumenten schauen Sportereignisse bzw. die Highlights von Sportereignissen immer häufiger via Internet; und zwar mobil – auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn, in der 5-Minutenpause auf dem Schulhof oder beim Gespräch mit dem Kollegen während der Mittagspause. Diesen Content den Konsumenten zur Verfügung zu stellen – und zwar als Content-Owner – war die Idee hinter unserer Transformation. Der Amateurfußball, der bis dahin noch nicht medialisiert wurde, war hierbei unser Eintritt in den Markt; weitere Sportarten, wie z. B. Hockey, sind in der Pilotierungsphase.

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