POLITIK
10/06/2018 23:21 CEST | Aktualisiert 11/06/2018 10:11 CEST

Als Anne Will nach Özil und Gündogan fragt, fordert Merkel vom Publikum Applaus

Die Kanzlerin erwägt eine Reise zur Fußball-WM in Russland.

  • Kanzlerin Merkel hat sich im Erdogan-Skandal hinter die Fußballnationalspieler Özil und Gündogan gestellt.
  • Die Kanzlerin bat das Publikum der Talkshow von Anne Will um Applaus für die Sportler, wir ihr oben im Video sehen könnt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Sonntagabend in der Talkshow “Anne Will” Mesut Özil Ilkay Gündogan in Schutz genommen. “Ich glaube, die beiden Spieler haben nicht bedacht, was das Foto auslöst mit dem Präsidenten Erdogan”, sagte sie in der ARD.

Die Fußballnationalspieler hatten sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ablichten lassen, Gündogan hatte ihm außerdem ein signiertes Trikot überreicht, in dem er Erdogan “meinen Präsidenten” nannte und “hochachtungsvoll” grüßte.

Die Spieler hatten dafür heftige Kritik geerntet. Bei einem WM-Testspiel am Freitag gegen Saudi-Arabien hatten Zuschauer Gündogan bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen.

Merkel sagte, sie habe es als sehr berührend empfunden, dass Gündogan danach gesagt habe, er spiele dennoch gern für Deutschland

Merkel: “Wir brauchen die jetzt alle”

Nicht nur Teammanager Oliver Bierhoff, Bundestrainer Joachim Löw und Spieler Mats Hummels hatten sich enttäuscht oder wütend über die andauernde Diskussion gezeigt.

Viele finden die feindselige Stimmung sei nicht nur den Betroffenen gegenüber übertrieben, sie schade der Motivation der ganzen Mannschaft.

Merkel sagte: “Ich finde, wir brauchen die jetzt alle, damit wir gut abschneiden.“ Gündogan und Özil gehörten zur Nationalmannschaft, “und deshalb würde ich mich freuen, wenn mancher Fan auch klatschen könnte”.

Da fühlte sich auch das Studiopublikum bei Anne Will angesprochen und applaudierte. Die Moderatorin unterbrach den Beifall allerdings mit der Bemerkung, sie tue das ja nur ungern, aber die Sendung sei vorbei.

Merkel schließt Reise zur WM nicht aus

Möglich wäre, dass Merkel selbst der deutschen Mannschaft von der Zuschauertribüne zujubelt. 

Auf die Frage, ob sie trotz ihrer Kritik am russischen Präsidenten Wladimir Putin zu Spielen der deutschen Mannschaft reisen werde, sagte Merkel, dies könne gut sein. Solche Reisen verstießen nicht gegen ihre Prinzipien.

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Falls sie nach Russland fahre, könne sie dies vielleicht sogar zu politischen Gesprächen nutzen – ohne Sprechen werde man in Konflikten überhaupt keine Lösung finden.

Mit Material von dpa