LIFE
16/10/2018 18:48 CEST | Aktualisiert 17/10/2018 16:33 CEST

"Winterpenis": Millionen Männer rätseln über Phänomen

Auch Männer besitzen offenbar einen Zyklus.

grinvalds via Getty Images

Der Cousin eines Freundes eines entfernten Bekannten fragte mich neulich, ob ich ihm sagen könne, warum sein Penis in den vergangenen Wochen geschrumpft sei. Auch seine Freundin habe das schon beobachtet, meinte er.

Wer sich nun über eine solche Anfrage eines entfernten Bekannten wundert, hat vollkommen recht: Die Frage ist natürlich vollkommen unangemessen und ich weigere mich normalerweise, über die Größe fremder Penisse zu spekulieren. 

Doch der Mann hatte Argumente, mich umzustimmen. Schließlich sei ich doch bei der Zeitung und Recherchen mein Job. Ein guter Weg, das Vertrauen der Bevölkerung in den Journalismus wiederherzustellen, dachte ich, und machte mich an die Arbeit.

Männer klagen über schrumpfenden Penis

Im Internet erfuhr ich, dass der Cousin des Freundes meines entfernten Bekannten scheinbar nicht der einzige Mensch mit diesem Problem ist: In den sozialen Netzwerken beklagen sich hunderte verzweifelte Männer derzeit über ihren schrumpfenden Stolz. Dabei meinen einige, das Phänomen ereigne sich jährlich auf die gleiche Weise:

Während ihr Glied im Sommer größer werde, schrumpfe es ärgerlicherweise wieder pünktlich zum Winter hin. Alles deutet darauf hin, dass es sich um eine sensationelle Entdeckung handelt, die bald als “Zyklus des Mannes” in aller Munde sein könnte.

Tracy Moore ist Autorin beim US-amerikanischen “Melmagazine”. Sie schrieb bereits vor Monaten einen der ersten Artikel zu dem Thema, sammelte darin Beobachtungen zahlreicher Betroffener und zeigte erste Ansätze einer medizinischen Erklärung des bis dahin völlig unbekannten Phänomens:

Urologen bestätigen medizinisches Phänomen

Als “Sommerpenis”(HuffPost berichtete darüber) bezeichnete sie die sichtbare Vergrößerung des männlichen Glieds während der Sommermonate, und zitierte den Urologen Dudley Danoff. Der Experte ist sich sicher, die Beobachtungen seien korrekt und Grund dafür sei die “Vasolidation”:

“Je wärmer das Umfeld, desto mehr weiten sich die Blutgefäße, was den Blutdurchfluss verbessert.” Dadurch erscheine der Penis größer.

Auch deutsche Medien nahmen sich damals des Themas an. Wie “Bild der Frau” mit Verweis auf Urologenkreise berichtete, seien Gefäße durch die Hitze im Sommer nicht mehr so elastisch und würden durchlässiger. Auf diese Weise könne Flüssigkeit in umliegendes Gewebe laufen.

Der Effekt sei also derselbe, der oft im Sommer bei Beinen und Händen wirke. Durch die Hitze schwellen die Körperteile an. Dicke Finger, dicke Dinger – der Zusammenhang liegt auf der Hand.

“Winterpenis” – Zeitumstellung mit unangenehmen Folgen

Der “Sommerpenis” ist Experten zufolge vollkommen harmlos und habe nur einige leichte Nebenwirkungen. So seien beispielsweise längere Aufenthaltszeiten in Badezimmern und vor Spiegeln beobachtet worden. 

Schlimmer ist, dass sich der Effekt offenbar wieder umkehrt, sobald die Außentemperaturen wieder sinken. Und während ganz Europa vor einigen Wochen über die negativen Auswirkungen der Zeitumstellung diskutierte, spielt sich im Schatten des Wechsels der Jahreszeiten ein noch viel brisanteres Drama ab: In ganz Deutschland bekommen Männer einen “Winterpenis”.

Wieder ist es der investigativen Arbeit von Tracy Moore zu verdanken, dass wir überhaupt Kenntnis von dem Phänomen haben. In einem neuerlichen Artikel, der vergangene Woche im “Melmagazine” erschien, zitiert Moore die britische Sex- und Beziehungsexpertin Annabelle Knight:

Der Körper sei darauf programmiert, Energie zu sparen und so würde der Blutfluss bei Kälte eher in der Körpermitte zentriert, wo die lebenswichtigen Organe liegen. Knights These wird in Wissenschaftskreisen heiß diskutiert, denn es ist strittig, ob der Penis als solches Organ angesehen werden kann. 

Experten: Auf Sex im Freien verzichten

Dass Penisse im Winter jedoch schrumpfen, scheint durch intensive Feldforschungen eine gesicherte Tatsache, die sich direkt auf die männliche Funktionalität auswirkt: “Es kann härter sein, hart zu werden”, sagt Knight und betont: “Männer brauchen länger, um zum Orgasmus zu kommen, wenn ihnen kalt ist.”

Für den Cousin des Freundes meines Bekannten sind das erschreckende Nachrichten. Einziger Trost: Der Zuwachs im Frühling trifft wohl nur auf schlaffe Dinger zu, schreibt “Bild der Frau”. Und die muss es hoffentlich wissen. Umgekehrt hat auch die Schrumpfung eher theoretische Auswirkungen. Anders gesagt: Im erigierten Zustand ist also immer Sommer.

Und wem beim Sex kalt wird, sollte vielleicht den Partner wechseln – oder zumindest im Winter auf Sex im Freien verzichten.