WIRTSCHAFT
17/04/2018 11:09 CEST

Wieso diese japanische Insel die Weltwirtschaft verändern könnte

16 Millionen Tonnen Schlamm.

Screenshot / Google Maps
Die Insel aus der Vogelperspektive.
  • Wissenschaftler haben den Schlamm vor einer kleinen japanischen Insel untersucht
  • Die seltenen Erden darin könnten den globalen Handel aufwirbeln

Die 16 Millionen Tonnen Schlamm sind eine wissenschaftliche Sensation. Ein Forscher nannte ihre Entdeckung im Gespräch mit dem “Wall Street Journal” gar einen “Game-Changer”, einen Fund, der alles verändern könnte.

Der Schlamm wurde 2013 nahe einer kleinen Insel namens Minamitori Island im Pazifischen Ozean gefunden, etwa 1200 Kilometer vor der Japanischen Küste.

In einem Papier, das in dem Fachmagazin “Nature” erschien, haben Forscher nun die Zusammensetzung des Schlamms analysiert und sprechen von einem “enormen Potential”, der ihn ihm schlummere.

Google Maps
Die Insel liegt weit entfernt von der japanischen Küste – fällt aber noch innerhalb der Landesgrenzen Japans.

Warum der Fund so wichtig ist 

So bedeutend ist der Schlamm deshalb, weil er seltene Erden enthält, die für die Herstellung der modernen Kommunikationstechnologien benötigt werden. 

Eines der Elemente etwa ist Yttrium, eine verwirrend zu lesende Anhäufung von Konsonanten. Es gehört zu den sogenannten Seltenerdmetallen und wird bei der Herstellung von Kameralinsen oder Handy-Bildschirmen verwendet. 

Insgesamt enthalte der gefundene Schlamm laut einer Schätzung der Forscher so viel Yttrium, dass die Welt – laut dem derzeitigen Gebrauch – 780 Jahre mit dem Element versorgt wäre.

David Gray / Reuters
Ein Arbeiter in China erhitzt Töpfer, die das Übergangsmetall Lanthan enthalten.

Was der Fund für die Wirtschaft bedeutet

Sollten die seltenen Metalle vor Minamitori Island gefördert werden, könnte das die globale Wirtschaft gehörig durcheinander rütteln, kommentiert der US-Sender CNN den Fund.

Denn: Derzeit produziere China 95 Prozent der Seltenerdmetallen. Andere Länder sind daher auf die Volksrepublik angewiesen und von ihren Vorgaben zu den Preisen für die Metalle abhängig.

Laut den Forschern könnten die Vorräte im pazifischen Ozean allerdings “in naher Zukunft” abgebaut werden – und somit Japan in die Kontrolle von Seltenerdmetallen kommen.

Für Japan und China wäre das in der Tat eine “Game Changer”. 

(lp)