POLITIK
07/12/2018 22:48 CET | Aktualisiert 08/12/2018 00:56 CET

Wie zwei Frauen die alten, grauen Männer in der CDU geschlagen haben

Auf den Punkt.

Carsten Koall via Getty Images
AKK und Merkel, Arm in Arm. 

Am Ende, das der Anfang von etwas Neuem sein soll, waren sie sich ganz nah. Angela Merkel war eine der Ersten, die Annegret Kramp-Karrenbauer am Freitag zu ihrem Sieg im Rennen um den CDU-Sitz gratulierte. 

Kurz lagen sich die beiden Frauen in den Armen. Merkel strahlte. AKK galt als ihre Wunsch-Nachfolgerin, AKK gewann. 

“Mit Annegret Kramp-Karrenbauer folgt erstmals in einem großen europäischen Land eine Frau auf eine Frau an der Spitze einer Regierungspartei. Davon können andere nur träumen”, kommentiert die “Welt” den Ausgang des CDU-Parteitags in Hamburg. 

Kramp-Karrenbauers Sieg ist auch ein Sieg über die alten Herren in der CDU, deren Hoffnungsträger Friedrich Merz war. Wie AKK und Merkel die Männer-Netzwerke besiegten – auf den Punkt gebracht. 

Die antiquierten Männer-Netzwerke der CDU

In den vergangenen Tagen vor dem Parteitag war häufig ein informelles Netzwerk in der CDU im Gespräch, das mittlerweile als legendär gilt: der Andenpakt. 

Schon seit den 1970er Jahren soll den Pakt geben. Aufmerksamkeit erlangte die Gruppe erst 2003, als der “Spiegel” berichtete: Dieser Pakt von CDU-Männern habe 2002 die Kanzlerkandidatur von Angela Merkel verhindern wollen. 

Im März diesen Jahres nun sollen sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (76) und einige Mitglieder des Andenpakts getroffen haben. Das Ziel: Friedrich Merz (63) an die Spitze der Partei zu hieven. 

Zwar widersprach Roland Koch, Ex-Ministerpräsident von Hessen, kürzlich im “Spiegel”, dass es den Andenpakt noch gebe. “Die­se Zei­ten sind für alle vor­bei. Das ist ein Jour­na­lis­ten­my­thos.”

Dennoch galt gerade Schäuble als Strippenzieher, der im Hintergrund Merz in Stellung brachte. Womöglich, wie einige behaupteten, um selbst Merkel abzusägen und bis zu nächsten Wahl als Interimskanzler zu regieren.

Fest steht: Die Männer um Schäuble und Merz sind gescheitert, Annegret Kramp-Karrenbauer setzte sich knapp durch. 

Die Netzwerke der Frauen 

Auch Kramp-Karrenbauer konnte auf die Unterstützung bestimmter Gruppen in der CDU hoffen. Die Frauenunion stellte sich schon unmittelbar nach Verkündung ihrer Kandidatur hinter AKK. Etwa ein Drittel der Delegierten in Hamburg sind auch Frauen und damit Mitglieder der Frauenunion.

In der ARD-Dokumentation “Der Machtkampf” fragten die Journalisten Kramp-Karrenbauer kürzlich: Gibt es ein Pendant für den Andenpakt für Frauen in der Union?

► AKKs Antwort: “Es gibt ein sehr gutes Netzwerk in der Frauenunion, das wir uns über viele Jahre aufgebaut haben.”

► Die Vorsitzende der Frauenunion, Annette Widmann-Mauz, antwortete auf diese Frage nur vielsagend: “Wenn es ein gutes Netzwerk ist, spricht man nicht darüber.”

Aber Kramp-Karrenbauer gewann nicht nur wegen der Frauen in ihrer Partei. Schon die Diskussion um den Andenpakt zuletzt zeigte: Die Zeiten der Männerbünde in der CDU sind vorbei. 

Die neue Union – auf den Punkt gebracht

Bezeichnend war die Kritik von Mitbewerber Jens Spahn. Im Gespräch mit den Zeitungen des “Redaktionsnetzwerks Deutschland” nannte er den sogenannten Andenpakt eine “Reisegruppe”. 

Die Positionen in der CDU sind vielschichtiger als noch vor 18 Jahren, als Merkel sich den Parteivorsitz holte. Der homosexuelle Spahn etwa ist für die Ehe für alle, die in dieser Frage konservativere Kramp-Karrenbauer war dagegen. Gruppen, in denen ältere Männer die Macht von anderen Männern absichern wollen, erscheinen da überholt. 

Mit AKKs Sieg jedenfalls scheint das Ende der Männerbünde besiegelt zu sein. Es sei denn, es gelingt ihr nicht, sich die Kanzlerkandidatur zu sichern.

Merkels Plan für ihren politischen Abschied jedenfalls ging – bis jetzt  auf. Sie installierte AKK im Februar als Generalsekretärin. Während Schäuble hinter den Kulissen an seinem Merz-Plan arbeitete, begab sich Kramp-Karrenbauer auf eine große Zuhör-Tour. Bei rund 50 Veranstaltungen in der ganzen Bundesrepublik konnte sie Vertrauen sammeln und ein Gespür dafür bekommen, was die CDU-Mitglieder von ihrer Partei erwarten. 

Die große Aufgabe für Kramp-Karrenbauer wird es nun sein, die verschiedenen Gruppen in der CDU zusammenzuführen und das Profil der Partei für die anstehenden Landtagswahlen und die Europawahl im nächsten Jahr zu schärfen. 

In ihrem Weg werden dabei wieder einige Männer stehen: Denn welche Rollen wird Merz, welche Rolle wird Spahn im Umbruch, in dem sich die CDU befindet, spielen?