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20/02/2019 17:21 CET | Aktualisiert 20/02/2019 17:21 CET

Wie sicher ist eigentlich unser Internet?

Unsere moderne Infrastruktur basiert zum größten Teil auf dem Internet. Mit der Digitalisierung wachsen auch die Vernetzung und damit die verwundbaren Elemente. Doch was passiert, wenn unser Netz tatsächlich einmal ausfällt und wie wahrscheinlich ist dieses Szenario.

Caiaimage/Agnieszka Olek via Getty Images
Ist das Internet eine Gefahr?

Viele werden schon bei dem Gedanken nervös: Das Licht am Router blinkt, die DSL-Leitung ist gestört und auch das Smartphone zeigt kein Netz an. Ein zeitlich begrenztes Leben ohne Netz ist zwar sehr ärgerlich, aber meistens hat man ja doch noch Alternativen in der Hinterhand und der Spuk ist auch schnell wieder vorbei.

Betrifft ein solches Szenario jedoch ein Unternehmen, kann es schon mal zu massiven finanziellen Einbußen führen. Doch wirklich kritisch wird es, wenn Netze großflächig für einen längeren Zeitraum ausfallen sollten. Denn unsere moderne Arbeitswelt und Gesellschaft basieren auf funktionierenden Netzen – mit zunehmender digitaler Transformation wird sich dies potenzieren. Das birgt auch massive Risiken.

Wirtschaft in Gefahr

Wie ein großflächiger Ausfall aussehen kann, zeigte sich im November 2018 in Seoul. Ein Brand in einem unterirdischen Kabelkanal hat dort zu massiven Ausfällen eines großen Anbieters geführt, dessen Nutzer waren anschließend vom Netz abgeschnitten. Dies hatte zur Folge, dass der Notruf in den Stellen vor Ort nicht funktionsfähig war oder Sicherheitssysteme ausfielen. Auch Ladenbesitzer waren betroffen, da beispielsweise keine Kartenzahlungen mehr möglich waren.

Was würde nun passieren, wenn das Internet großflächig und für einen längeren Zeitraum ausfallen würde? Uns ist nicht bewusst, wie abhängig unsere Infrastruktur und das öffentliche Leben vom Datenverkehr als zentrale Kommunikations-Infrastruktur sind. In erster Linie denkt man hier an die weltweit vernetzte Finanzindustrie, deren Geschäftsabläufe gestört werden. Ein Ausfall schadet dann nicht nur dem Handel, sondern kann ein Finanzchaos auslösen.

Aber auch produzierende Unternehmen wären massiv betroffen. Bei der heutigen Just-In-Time Logistik ohne große Lagerbestände würde ein Ausfall in der Kommunikation die komplette Lieferkette lahmlegen. Die Produktion müsste eingestellt werden.

Versorgung wird kritisch

Die oben genannten weltwirtschaftlichen Einbrüche würden wir jedoch erst gar nicht mitbekommen. Ohne das Internet können Informationen von den Medien nicht verbreitet werden bzw. sie erhalten diese erst gar nicht.

Auch können Apotheken oder Supermärkte ihre Bestellsysteme nicht mehr nutzen, der Nachschub würde ausbleiben. Auf das Land flüchten wäre dann aber auch keine Alternative, zumindest wenn man tanken muss – denn Bestell- und Buchungssysteme funktionieren nicht.

Der Staat wäre in dieser Situation größtenteils handlungsunfähig und hätte Schwierigkeiten, die Sicherheit aufrechtzuerhalten. Es gäbe keine E-Mails oder keine Notrufe, da das Telefonnetz immer mehr über das Internet-Protokoll läuft. Die Infrastruktur wie Wasser oder Stromnetze müsste erst aufwendig auf manuelle Handhabung umgestellt werden.

Wie verwundbar ist Infrastruktur?

Das Szenario hört sich sehr dramatisch an, das wäre es auch. Doch wie wahrscheinlich ist ein gezielter Ausfall der Netzinfrastruktur überhaupt? Die gute Nachricht: sehr unwahrscheinlich. Die Infrastruktur, auf der unser Internet basiert, ist auf verschiedene Weisen verwundbar: über die physischen Netze, also Kabel oder Knotenpunkte, über die Software und letztlich noch durch die Stromversorgung.

Aufgrund des dezentralen Aufbaus der Infrastruktur und der hohen technischen Sicherheitsmaßnahmen bei den Anbietern ist nur letzteres wirklich gefährlich. Natürlich gibt es im Internet neuralgische Punkte, Ausfälle können jedoch bis zu einem bestimmten Punkt schnell ausgeglichen werden. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an weit verzweigten Knotenpunkten und Leitungen, die Ausfälle in einem Bereich selbständig erkennen und Daten anderweitig umleiten.

Bleibt der Stromausfall: Bei einem großflächigen, andauernden Stromausfall würde natürlich auch das Internet lahmgelegt. Sollte dieses Szenario eintreffen, wäre der Ausfall des Internets allerdings nur ein Problem von sehr, sehr vielen.

Wir bleiben online

Unser Berufs- und Alltagsleben hängt an am Internet. Eine funktionierende Gesellschaft wäre ohne den Datenverkehr nur schwer vorstellbar und ein längerer Zusammenbruch auch eine große Gefahr. Ein Totalausfall ist jedoch sehr unwahrscheinlich, zu dezentral und zu verzweigt ist heute die genutzte Infrastruktur. Durch ein defektes Kabel wird Deutschland nicht offline gehen.

Und das Problem mit dem Router zu Hause ist häufig auch einfach zu beheben: Aus- und wieder einstecken.