POLITIK
05/06/2018 15:21 CEST | Aktualisiert 05/06/2018 15:21 CEST

Wie rechte Hardliner in den USA die Führungskräfte der Zukunft ködern

Die Konservativen haben vor allem einen Vorteil: Geld.

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Bezahlt, um Trump zu helfen: Konservative Denkfabriken binden in den USA die Führungskräfte der jungen Generation an sich. 

Nach dem Uniabschluss dauerte es knapp zwei Jahre, bis Nathan seinen ersten Job im US-Politikbetrieb fand. Nach drei unbezahlten Praktika und sechs Aushilfsjobs in Restaurants und Supermärkten fand er endlich eine feste Stelle bei einer kleinen Nichtregierungsorganisation. Es war ein sogenanntes Outreach-Projekt, das sich an die junge Generation der Millenials wandte. 

Nathan sollte dort ein Team von vier jüngeren Praktikanten beaufsichtigen, die in dem für die Zeit nach dem College typischen Teufelskreis aus 80-Stunden-Arbeitswochen und der nicht enden wollenden Jobsuche gefangen waren. 

Ein Leben, aus dem Nathan selbst gerade erst ausgebrochen war.

Aus Mitgefühl bat Nathan seinen Vorgesetzten um Bezahlung für seine Praktikanten. “Zahlungen auf Höhe des Mindestlohns habe ich dabei noch nicht einmal erwartet. Mindestlohn gibt es in Washington so oder so fast nie. Aber zumindest eine kleine Aufwandsentschädigung hätten wir ihnen zahlen können”, sagt er. 

Nathans Vorgesetzter verneinte ohne weitere Erklärungen. “Da war nichts zu machen. Aufgrund meiner niedrigen Stellung in der Firma konnte ich auch kaum Druck auf ihn ausüben.“

Die Republikaner ködern die Jugend - die Demokraten bleiben zurück

Nathan fühlte sich schuldig, einige Monate später reichte er die Kündigung ein.

Inzwischen ist er zurück an der Uni und bereitet sich auf eine akademische Laufbahn vor.

“Ich hatte zu Anfang gehofft, dass gerade Chefs, die den Demokraten nahe stehen, ihre Angestellten bei Gehaltsfragen nicht hintergehen würden”, erinnert er sich. “Doch dieser Job war wirklich schlimm.“

Nathans Geschichte steht sinnbildlich für einen wachsenden Trend innerhalb der amerikanischen Linken: Die Demokraten, die vor allem junge Menschen, Niedriglohnarbeiter, Farbige und Migranten erreichen möchten, bieten mit ihren Organisationen erschreckend wenige ausreichend bezahlte Arbeitsplätze.

“Gerade auch die prekäre Lage der Praktikanten trägt zur fortschreitenden Zermürbung der linksliberalen Bewegung bei”, sagt Maggie Thompson, Vorsitzende der Organisation Generation Progress.

Jahrzehntelang fungierten Praktikumsplätze, Stipendien und geförderte Konferenzfahrten als Karrieresprungbrett für politikinteressierte junge Menschen.

Förderprogramme banden junge Menschen auf viele Jahre an bestimmte politische Bewegungen, bis diese sich dann letztendlich selbst zur Wahl stellen oder als Forscher und Politstrategen tätig machen konnten.

► Doch die finanzielle Unterstützung für solche Programme reicht heute kaum mehr aus, um auch weiterhin talentierte junge Amerikaner in die Politik zu locken. Und besonders die Demokraten leiden darunter. 

“Im Vergleich zu vorherigen Generationen haben es die jungen Leute heute sehr viel schwieriger, ihre Universitätsausbildung abzuschließen, dann die daraus resultierenden Schuldenberge abzubezahlen und gleichzeitig auch noch politisch aktiv zu bleiben”, erklärt Thompson.

In Trumps Amerika besonders wichtig: Die Demokraten bleiben bei der Rekrutierung junger Mitglieder nicht nur hinter den eigenen Erwartungen zurück, sondern hinken auch weit hinter den Republikanern hinterher.

Eine Studie befand 2017, dass konservative Geldgeber zwischen 2008 und 2014 mehr als das Dreifache für an junge Wähler gerichtete Outreach-Projekte überwiesen, als die Großspender auf Seite der Demokraten. Einige dieser Mittel flossen in Stipendienprogramme, Reisekostenzuschüsse und Studienplatzfinanzierungen.

Diese Förderprogramme führen aktuell dazu, dass immer mehr junge Menschen, bei republikanischen Wahlkampfbüros oder konservativen Denkfabriken arbeiten. 

Die Rechten rekrutieren eine Söldnerarmee

“Die Republikaner rekrutieren sich eine Söldnerarmee, während die Demokraten ihren Jungen noch immer eintrichtern, sie benötigten als Weltverbesserer ja wohl keine Bezahlung,“ beschwert sich Carlos Vera, Direktor der Organisation Pay Our Interns. Vera setzt sich dafür ein, dass Praktikanten ausreichend entlohnt werden. 

“Manchmal kriege ich von Älteren zu hören, sie hätten zu Unizeiten auch unbezahlte Praktika gemacht, und das hätte ihnen wohl kaum geschadet. Dann frage ich sie nach dem genauen Zeitraum ihres Praktikums, und bekomme meistens so etwas wie ’1972′ zur Antwort. Sorry, aber damals war es auch noch möglich, sich die gesamte Ausbildung durch Nebenjobs selbst zu finanzieren. Das ist heute schlicht nicht mehr machbar.”

Vera telefoniert seit mehr als einem Jahr regelmäßig mit Kongressabgeordneten und befragt diese zur Bezahlung ihrer Praktikanten.

► Ein von Veras Organisation herausgegebenes Gutachten zeigt jetzt, dass mehr als die Hälfte der republikanischen Senatoren bezahlte Praktikumsplätze anbieten.

► Auf Seite der Demokraten sind weniger als ein Drittel der Praktikumsplätze bezahlt.

► Im Abgeordnetenhaus bot sich ein noch viel schlimmeres Bild: Dort kamen auf jeden unbezahlten republikanischen Praktikanten mehr als zwei Unbezahlte bei den Demokraten.

Die Moneymachine der Rechten

Bei Denkfabriken und gemeinnützigen Organisationen ergibt sich ein ähnliches Bild:

► Während Fox News, das Cato Institute oder die konservative Organisation Americans for Prosperity sämtliche ihrer Praktikanten bezahlen, erhalten die Nachwuchskräfte bei den Organisationen Progressive Policy Institute, Let America Vote oder bei der Human Rights Campaign kaum oder gar keine Entlohnung.

Das Ziel der Republikaner scheint klar: Die Partei errichtet ein hocheffizientes System zur Anwerbung und Ausbildung junger Menschen, das jede vergleichbare Struktur auf Seiten der Demokraten in den Schatten stellen soll.

Das konservative Charles Koch Institute beispielsweise unterhält ein Förderprogramm, das junge Uniabsolventen in republikanische Denkfabriken schleust und ihnen einen Jahreslohn von durchschnittlich mehr als 41.000 Dollar zahlt – und damit mehr als vergleichbare Organisationen der Demokraten. 

Das Leadership Institute, eine konservative Jugendorganisation, bietet seinen Praktikanten kostenfreie Unterkunft und Verpflegung, 825 Dollar Entlohnung und zusätzlich 200 Dollar “Büchergeld” im Monat.

Thompson lässt sich auch die E-Mail-Newsletter der großen republikanischen Jugendorganisationen schicken. Dort, sagt er, würden täglich neue “Reisekostenzuschüsse, Studienstipendien und andere Fördermöglichkeiten” ausgeschrieben. Die Organisationen der Demokraten böten nicht annähernd so viel. 

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Ein T-Shirt der Republikaner auf der Conservative Political Action Conference in National Harbor, Maryland, 23. Februar 2018.

Auf dem Uni-Campus sind die Republikaner effizienter

Einer der Hauptgründe für die ungleiche finanzielle Ausstattung von republikanischen und demokratischen Organisationen liegt darin, dass die Republikaner über einen größeren und besser ausgestatteten politischen Apparat verfügen.

Sowohl die republikanische Heritage Foundation als auch das American Enterprise Institute versteuerten im Jahre 2016 Einkommen von mehr als 75 Millionen Dollar. Die größte demokratische Denkfabrik, das Center for American Progress, meldete im selben Zeitraum hingegen nur Einkommen in Höhe von 40,9 Millionen Dollar an.

Auch an den Universitäten des Landes werben die Republikaner effizienter um neue Rekruten.

► Dem letzten Steuerbericht des Leadership Institute zufolge bot die Organisation im Jahre 2017 insgesamt 355 Seminare und Workshops für konservative Studenten an.

► Im Jahre 2015 zahlte die rechte Young America’s Foundation mehr als 13 Millionen US-Dollar für Vorlesungen, Konferenzen, Seminare und Outreach-Programme – mehr als das Doppelte des Gesamtbudgets ihres Pendants auf der Linken, der Organisation Young Invincibles.

► Turning Point USA, ein republikanischer Verband, der dabei helfen will, konservative Studenten zu “identifizieren, auszubilden und zu organisieren”, konnte sein jährliches Budget innerhalb von nur drei Jahren von 79,000 auf 4,3 Millionen Dollar steigern.

Ebenfalls kräftig investierten die Republikaner in Medienprojekte für junge Menschen und Studenten.

Darunter sind beispielsweise die Nachrichtenorganisation Campus Reform, die berichtete, dass “Wohlfahrtsgelder für illegale Einwanderer den US-Bundesstaat New Jersey jährlich mehr als 5 Millionen Dollar” gekostet hätten. Dazu gehört auch der Blog Red Alert Politics, der Artikel wie “1,0 nur für linke Hausarbeiten: Erfahrungsbericht eines konservativen Studenten” bringt.

Sie alle berichten fast ausschließlich negativ über Political Correctness oder lassen sich über die angebliche Gefährdung der Redefreiheit an US-amerikanischen Colleges aus.

“Die Rechten investieren viel Zeit und Geld in die Langzeitbetreuung ihrer Studenten”, sagt Stephen Kent, Sprecher der Young Voice Advocates, einer Nichtregierungsorganisation, die konservative Studenten dabei unterstützt, ihre Artikel und Kommentare in studentischen Zeitungen unterzubringen.

“Demokratische Gruppen konzentrieren sich meist nur auf die unmittelbar bevorstehenden Wahlen. Neu geknüpfte Kontakte werden nach dem Wahlkampf dann aber meist vernachlässigt.”

Nur eine Minderheit der jungen Menschen würden Republikaner wählen

Aber auch mit den stets wachsenden Geldern der Republikaner lassen sich die politischen Meinungen der jungen Amerikaner nicht ohne Weiteres erkaufen.

► Nur etwa 12 Prozent der Millenials bezeichneten sich 2017 in einer Umfrage als Konservative, das sind 4 Prozentpunkte weniger als noch bei der letzten Umfrage vor sechs Jahren.

Die Rechte zieht sich eine Legion von potenziellen Führungskräften heran

Linksliberale politische Organisationen sind an den Universitäten noch immer sehr viel stärker vertreten als die konservativen Bündnisse.

Die Republikaner machen aus der Not eine Tugend. Sie wollen nicht die Masse der Studenten erreichen, sondern die Führungskräfte der Zukunft. 

Amy Binder, Forscherin an der University of California in San Diego und Co-Autorin des Buches Becoming Right: How Campuses Shape Young Conservatives, führte im letzten Jahr zahlreiche Interviews mit Studenten an vier großen staatlichen Universitäten.

Dort beobachtete sie eine ähnliche Entwicklung.

“Die Rechte zieht sich eine ganze Legion potentieller Führungskräfte heran”, erklärt Binder.

“Konservative Studenten halten sich zwar nicht immer an die Vorgaben ihrer großen Geberorganisationen, knüpfen auf ihrem Campus aber belastbare Netzwerke. Die Rekrutierung neuer Mitglieder hat die Rechte bereits vollständig professionalisiert. Auf Seite der Demokraten lässt sich keine ähnliche Entwicklung feststellen.”

Verlorenes Talent, verpasste Gelegenheiten

Die Demokraten haben Probleme damit, ihre begrenzten Ressourcen zum Aufbau einer breiteren Bewegung zu nutzen. Dies macht es zunehmend schwieriger, junge Menschen vom Wahlkampfmodus in die politische Karriere zu überführen.

Ein langjähriger Wahlkampfkoordinator der Demokraten, der ungenannt bleiben möchte, erklärt der HuffPost, dass das Gewinnen von Wahlen nur einen kleinen Teil des politischen Erfolges ausmacht.

“Wer nach dem Wahlkampf nicht schnellstens neue Finanzierungsmöglichkeiten ausfindig macht, wird auch nach einer gewonnenen Wahl noch sehr viele Ressourcen in das Fundraising investieren müssen.

Dabei geht natürlich viel Zeit verloren, denn zu diesem Zeitpunkt befinden sich beide Kammern des Parlamentes bereits in der Sitzungsperiode. Wir sollten uns dann eigentlich darauf konzentrieren, Gesetzesvorhaben durchzusetzen und unsere Politiker zur Rechenschaft zu ziehen.”

Zeitverschwendung ist dabei nicht das einzige Problem.

Viele Interviewpartner weisen darauf hin, dass die gegenwärtige Situation nicht nur eine Generationenlücke innerhalb des linken Spektrums aufgerissen hat.

Auch die Rassendiskriminierung, gegen die sich Demokraten doch eigentlich einsetzen sollten, hat sich innerhalb des Parteiumfeldes durch die Finanzierungslücke nur verschlimmert.

► Eine Studie zeigte 2013, dass 88 Prozent der Angestellten von Nichtregierungsorganisationen weiß waren. Bei den Vorgesetzten waren es sogar 92 Prozent.

► Eine weitere Studie ergab im 2016, dass nur elf Prozent der Angestellten der großen Nichtregierungsorganisationen jünger als 30 Jahre alt waren.

“Wir reden viel über die Förderung junger Menschen, lassen auf unsere Worte dann aber keine Taten folgen”, meint Maxwell Love, der ehemalige Präsident des US-amerikanischen Studentenverbandes.

Als Student nahm Love an zahlreichen politischen Workshops der Linken teil, fand nach seinem Abschluss aber kaum bezahlte Anstellungen.

“Es macht mich fertig, dass so viele meiner Kommilitonen, die zu Studienzeiten noch in der linken Politik aktiv werden wollten, inzwischen bei Softwaregiganten oder als Unternehmensberater tätig sind. Ich möchte ihnen das natürlich nicht vorhalten. Es ist aber eine Tatsache, dass wir Progressiven uns schwer damit tun, Talente an uns zu binden. Insbesondere gilt das für junge Menschen aus der Arbeiterschicht und ethnische Minderheiten.”

Die Langzeitauswirkungen der Finanzierungslücke machen sich bereits bemerkbar

Der Durchschnittsdemokrat ist 59,6 Jahre alt, und damit im Schnitt fast vier Jahre älter als der durchschnittliche Republikaner. Dreiundzwanzig republikanische Senatoren sind jünger als 60, im Vergleich mit nur dreizehn der demokratischen Abgeordneten.

Love selbst ist 27 Jahre alt und arbeitet heute in Wisconsin bei Our Revolution, der Nachfolgeorganisation der Wahlkampagne des sozialdemokratisch orientierten Bernie Sanders.

Love sagt, dass wir die demokratischen Neigungen der Jungen nicht als selbstverständlich betrachten sollten – er treffe in seinem Arbeitsalltag immer mehr junge Konservative. “Diese Gruppe haben wir bisher wohl nicht richtig erfasst”, sagt er.

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Studenten auf der CPAC-Konferenz, 23. Februar 2018.

Die Geldgeber sind schuld

Den Mangel an bezahlten Stellen in progressiven Think-Tanks haben aber nicht nur die Demokraten oder liberale Organisationen zu verantworten. Alexander Hertel-Fernandez, Politikwissenschaftler an der Columbia University in New York, behauptet, die Schuld liege in Wahrheit bei den demokratischen Geldgebern.

Hertel-Fernandez arbeitet an einem Vergleich der zwei größten Spendernetzwerke der USA, der pro-demokratischen Democracy Alliance und des pro-republikanischen sogenannten Koch-Netzwerkes.

Beide Organisationen sind sich im Prinzip ähnlich, denn beide verfügen über große Mengen an Spendengeldern, testen geeignete Kandidaten auf ihre Kompatibilität mit ideologischen Prinzipien und beeinflussen Politiker durch die Finanzierung von Wahlkampfkampagnen.

Der Hauptunterschied zwischen den beiden Organisationen liegt in ihrer Struktur – und der Effektivität ihrer Arbeit.

Hertel-Fernandez weist darauf hin, dass das Koch-Netzwerk sich seit 2012 zunehmend zentralisiert hat und insgesamt hierarchischer organisiert ist, obwohl es der Organisation bis heute an einer formalen Struktur fehlt.

Ein Großteil der Spenden fließt an Kampagnen, die sich für die Interessen der Netzwerkgründer, der texanischen Ölmogule Charles und David Koch, einsetzen. Zunehmend gehen die Spenden aber auch an Organisationen, die unter der direkten Kontrolle der Koch-Brüder stehen.

Freedom Partners, eine der größten Organisationen der Kochs, verteilt den Großteil seiner politischen Spenden an nur acht Organisationen.

Spenden mit der Gießkanne

Die Democracy Alliance entwickelte sich zuletzt zunehmend in die entgegengesetzte Richtung und verteilte Gelder an zunehmend kleinere und breiter angesiedelte Wohltätigkeitsorganisationen und unabhängige Politiker.

Zudem liegt laut den Forschungsergebnissen von Alexander Hertel-Fernandez bei demokratischen Organisationen ein Großteil der Kontrolle über Spendengelder in den Händen der Mitglieder.

Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme erhielten wir von der Democracy Alliance allerdings keine Antwort.

“Die linksliberalen Geldgeber lassen sich nur schwer in eine gemeinsame Richtung steuern”, sagt Hertel-Fernandez.

“Bei den Demokraten hat jeder seine eigenen Anliegen und Lieblingsthemen, und jeder gibt Geld an diejenigen Organisationen, denen er sich persönlich verpflichtet fühlt. Im Falle des Koch-Netzwerkes verpflichten sich Geldgeber nur einem: Der Agenda der Koch-Brüder.”

In der Praxis wirkt sich dieser Unterschied dadurch aus, dass Republikaner eine flächendeckendere und besser koordinierte Finanzierung erhalten, während die Spenden an Demokraten sich eher auf projektbezogene, spezifische Förderung spezialisiert haben.

Hertel-Fernandez meint, dass es gerade die Großstrategie der konservativen Geldgeber ist, die es konservativen Aktivistengruppen wie Americans for Prosperity möglich macht, in kürzester Zeit Kampagnen gegen die Erweiterung des Gesundheitssystems, gegen die Anhebung des Mindestlohns in Großstädten und für die Beschneidung von Gewerkschaftsrechten zu organisieren.

“Die Rechten investieren strategisch”, sagt der Politikwissenschaftler.

“Americans for Prosperity hat Zweigstellen auf lokaler, bundesstaatlicher und nationaler Ebene. Wer in den Vereinigten Staaten erfolgreich Politik machen will, muss auf all diesen Ebenen präsent sein. Geldgeber haben die Republikaner schneller und effektiver nach rechts abgedrängt, als die Demokraten nach links ausweichen konnten.”

JONATHAN ERNST / REUTERS
Charlie Kirk, Gründer von Turning Point USA, auf einem Treffen im Weißen Haus am 22. März 2018. 

Millenials denken progressiv

Katie Kirchner ist Direktorin des Roosevelt Network, der universitären Zweigstelle des Roosevelt Institute, eines progressiven Think-Tanks. Sie sagt, dass es schon immer besonders schwierig war, progressive Interessengruppen zu organisieren.

“Konservative wollen existierende Machtstrukturen erhalten, während wir uns darum bemühen, diese Strukturen abzuschaffen oder zu verändern”, sagt Kirchner.

“Aus finanzieller Sicht haben die Republikaner den Vorteil, aber auf die Dauer verlieren sie das Wettrennen. Die Millenials denken im Durchschnitt progressiv.”

Glaubt man Kirchner kauft Geld keine politische Überzeugung. Gewonnen haben die Demokraten damit aber noch nichts. 

Wenn linksliberale Organisationen eine Bewegung errichten wollen, die gerade die junge Altersgruppe anspricht und einbindet, werden sie sich dafür allerdings noch einiges einfallen lassen müssen.

80-Stunden-Wochen, dreistellige Aufwandsentschädigungen und Nebenjobs in der Bar sind für die Millenials schlicht keine attraktive Aussicht.

Thompson erinnert sich an ihren ersten Job in der Politik: Damals lief sie im Auftrag einer Kampagne für den Mindestlohn im Bundesstaat Minnesota von Haustür zu Haustür. Ein Studienstipendium zahlte ihr eine kleine Aufwandsentschädigung, und mit einem kleinen Toyota, den sie sich von ihren Eltern borgte, konnte Thompson sich einfacher im Bundesstaat bewegen.

“Letztendlich bekam ich einen Job bei der Kampagne von Barack Obama”, erinnert sich Thompson. “Aber alles, was es anfangs dazu brauchte, war eine Aufwandsentschädigung von 1.800 Dollar - und einen alten Toyota.”

Klar ist: Um das Rennen mit den Republikanern zu gewinnen, bekommen diese finanzielle Unterstützung heute viel zu wenige junge Menschen.

Dieser Text erschien zuerst in der US-Ausgabe der HuffPost und wurde von Lukas Wahden übersetzt. 

(jg)