POLITIK
27/04/2018 07:47 CEST | Aktualisiert 27/04/2018 10:28 CEST

Merkel bei Trump: Wieso das Treffen den Frieden gefährdet

HuffPost-These: Merkel und Trump könnten das einreißen, was in Korea aufgebaut wird.

Mikhail Metzel via Getty Images

Es ist ein historischer Tag.

Gleich zwei Aufeinandertreffen von immenser politischer Bedeutung stehen an diesem Freitag auf dem Programm.

►  Das eine wird in die Geschichtsbücher eingehen: Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un und Südkoreas Präsident Moon Jae-inhaben sich in der demilitarisierten Zone zwischen beiden Ländern getroffen.

Sie wollen “ein neues Kapitel aufschlagen”, Frieden zwischen den Feinden aus dem Norden und dem Süden suchen – die langfristige Denuklearisierung Nordkoreas scheint wahrscheinlicher denn je.  

► Das andere Treffen ist gewissermaßen die Antithese dieses Momentes: Bundeskanzlerin Angela Merkelist in Washington gelandet, um dort US-Präsident Donald Trump zu treffen.

Ganz ohne Pathos. Ganz ohne symbolische Gesten der Annäherung.

Im Gegenteil könnte Merkels Besuch im Weißen Haus die Bemühungen um den Weltfrieden im fernen Korea gar gefährden.

Macron war gescheitert, jetzt muss Merkel es richten

►  Denn: Südkorea hofft inständig, dass Kim einen Deal zur Denuklearisierung eingeht. Also eine baldige, überprüfbare und nicht umkehrbare Beseitigung der Atomwaffen in Aussicht stellt.

►  Ein solcher Deal, in welcher Form auch immer, wäre historisch.

►  Angela Merkel muss bei Trump einen ganz anderen Deal verteidigen: das Iran-Abkommen, das der Republikaner aufkündigen will, wie er immer wieder betont.

Schon der französische Präsident Emmanuel Macron war in dieser Woche daran gescheitert, Trump von der Dringlichkeit des Abkommens zu überzeugen.

►  Fällt das Atomabkommen mit Teheran, wäre das ein fatales Signal an Kim. Trump würde signalisieren, dass internationale Abkommen wertlos sind. Diktator Kim Jong-un könnte sich nicht mehr sicher sein, dass ein möglicher Atomdeal mit der Staatengemeinschaft auch eingehalten würde.

►  Das Misstrauen würde wachsen. Ein Atomabkommen zwischen Nordkorea und dem Westen – oder gar ein dauerhafter Frieden – wäre auf einmal wieder sehr unwahrscheinlich. 

Wieso das Iran-Abkommen jetzt an Merkel hängt:

►  Auch Deutschland hatte das Abkommen mit dem Iran ausgehandelt.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben sich in den vergangenen Wochen darauf verständigt, bei Trump für einen Erhalt zu werben.

Nachdem Macron zumindest keinen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte, liegt der Ball nun bei Merkel. Die Bundesregierung warnt schon lange vor einem Ende des Deals.

► “Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Nordkorea einem Abrüstungsabkommen zustimmt, wenn der Iran-Deal scheitert”, betonte der damalige Außenminister Sigmar Gabriel bereits vergangenen Oktober in Berlin.

Merkel wird vor allem über etwas anderes reden:

Das Thema kommt für die Kanzlerin allerdings zu einer Unzeit.

Denn eigentlich wollte sie in Washington vor allem um ein anderes deutsches Interesse kämpfen. Darum, dass Trump von seinen beschlossenen Strafzöllen ablässt, die ab 1. Mai auch für Deutschland gelten sollen.

Nicht nur FDP-Chef Christian Lindner hofft, dass Merkel drohende Zahlungen auf Stahl und Aluminium aus der EU verhindern kann. Die America-First-Politik Trumps stelle den Wohlstand Deutschlands als Exportnation aufs Spiel, betonte Lindner.

Ähnlich wird es auch Merkel sehen.

► Es sind somit zwei riesige Aufgaben, die auf sie zukommen. Sie muss einen Handelskrieg verhindern – und einen Frieden sichern, der viele tausend Kilometer entfernt ausgehandelt werden könnte.

(mf)