LIFE
06/11/2018 16:54 CET

Wie künstliche Intelligenz die Zukunft der Schönheit verändert

Als gäbe es noch nicht genug Produkte auf dem Markt, werden die Dinge immer fortgeschrittener. Und persönlicher.

NurPhoto via Getty Images
Könnte künstliche Intelligenz die Kosmetik-Branche revolutionieren? (Symbolbild)

Die Menschen verwenden seit jeher Schönheitsprodukte, um ihre Augen zu straffen, ihre Haut aufzuhellen oder ihr Haar zu glätten. Doch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte ist der Schönheitsmarkt zu einer Boom-Branche mit einem jährlichen Umsatz von rund 309 Billionen Euro geworden. 

Unternehmen konkurrieren darum, uns unterschiedliche Versionen des gleichen Produkts zu verkaufen und uns davon zu überzeugen, dass ihre Formel besser ist als die anderen auf dem Markt. 

Sie versuchen uns glauben zu machen, dass ihr Produkt auf jeden Hauttyp zauberhaft wirkt und jedes Problem löst.

Tatsache ist aber, dass bestimmte Produkte nicht für alle Menschen funktionieren. Wir haben unterschiedliche Haut- und Haartypen oder verfolgen verschiedene Ansätze, wie wir uns pflegen wollen.

Die meisten Marken verkaufen allerdings keine Produkte, die auf einen einzelnen Verbraucher zugeschnitten ist. Stattdessen verkaufen sie das Produkt als Marke oder einen angestrebten Lifestyle.

Trotzdem halten wir an den Markenversprechen fest und denken, dass wir wie jedes Instagram-Model mit tadelloser Haut zu sehen sein werden. (Laut einer Studie aus dem Jahr 2017 gibt eine Amerikanerin im Leben durchschnittlich 263.000 Euro für Gesichtsprodukte aus.)

Dabei gibt es bisher wenig Spielraum, um Kosmetikprodukte zu personalisieren. Doch genau hier kommt Künstliche Intelligenz ins Spiel.

Sie hilft den Unternehmen Produkte zu entwickeln, die passgenau auf die Bedürfnisse ihrer Kunden zugeschnitten sind.

Proven: “Unsere Mission ist es, modernste Technologien einzusetzen, um den Alltag von Frauen zu verbessern”

Eine dieser Unternehmen ist Proven. Wie der Mitbegründer Ming Zhao der HuffPost erklärt, ist Proven eine “Beauty-Marke, die auf Basis einer weltweiten Datenbank personalisierte Hautpflege-Produkte herstellt”.

“Unsere Mission ist es, modernste Technologien einzusetzen, um den Alltag von Frauen zu verbessern”, sagt Zhao.

Zhao und seine Mitgründerin, die Stanford-Wissenschaftlerin Amy Yuan, gründeten Proven vor knapp einem Jahr. Die Datenbank, auf der das Geschäftsmodell basiert, besteht bereits seit zwei Jahren.

“Die Datenbank umfasst mehr als acht Millionen Erfahrungsberichte von Hautpflege-Produkten, davon 1.000.000 Berichte über Beauty-Produkte und über 20.000 über deren Inhaltsstoffe. Dazu kommen mehr als 4000 wissenschaftliche Artikel”, erklärt Zhao der HuffPost.

Das ermögliche es der Firma, genügend Transparenz über Lieferanten, Herkunft und Wirksamkeit der Inhaltsstoffe herzustellen.

Um die für sie perfekte Mischung von Inhaltsstoffen zu finden, füllen die Kunden ein kurzes Quiz aus, in dem sie nach Alter, Hauttyp, Hautzielen, Kultur und geografischen Standort gefragt werden.

Die Ergebnisse werden dann mit den Informationen aus der Datenbank berechnet. Daraus ergibt sich für den Kunden ein individuelles Hautprofil und maßgeschneiderte Produkte entsprechend ihren individuellen Bedürfnissen.

“Aus unseren Daten wissen wir, dass viele Produkte Inhaltsstoffe haben, die bei bestimmten Hauttypen tatsächlich Schaden anrichten können“, sagt Zhao. Und weiter:

“Für uns können wir nicht nur verschiedene nützliche Inhaltsstoffe in hoher Dosierung für Menschen bereitstellen, die sie benötigen, sondern nehmen auch aktiv Zutaten heraus, von denen wir wissen, dass sie nicht gut passen.”

Doch künstliche Intelligenz ist nicht alles, wie Zhao berichtet. Denn es gebe einige Dinge, die eine Maschine nicht könne.

“Eine Maschine kann nicht wissen, was sich gut anfühlt, was sich feuchtigkeitsspendend anfühlt, wie viel Prozent Öl für kaltes Wetter gut ist”, sagt der Gründer. “All diese Dinge erfordern Expertenwissen.” 

Ziel von Curology: Den Kontakt zwischen Patienten und Ärzte untereinander erleichtern

Eine weitere Marke, die den technologischen Fortschritt nutzt, ist Curology. Das Unternehmen bietet personalisierte Hautpflege-Lösungen für Akne-Patienten an.

Das Prinzip hinter Curology: Der Kunde beschreibt in einem Fragebogen den Hauttyp und das Krankheitsbild der Akne. Anschließend werden die Konsumenten an einen Arzt verwiesen, der eine individuelle Formel für sie entwickelt. Mittels Online-Chats und Foto-Uploads können die Benutzer ihre Fortschritte mit ihrem Arzt besprechen.

Das Ziel der Curology-Technologie sei es, den Kontakt zwischen Patienten und Ärzten zu erleichtern.

Der Dermatologe und Gründer David Lortscher beschreibt sein Geschäftsmodell folgendermaßen: “Wir sind ein Technologieunternehmen und helfen den Menschen, sich mit zugelassenen medizinischen Anbietern zu verbinden – sei es ein Krankenpfleger oder ein Dermatologe.”

Zur gleichen Zeit, sagte er, sei Curology eine medizinische Praxis, die über 25 Vollzeit-Mediziner beschäftigt. Außerdem sei es ein Pharmaunternehmen, weil es für seine Patienten individuelle Medikamente herstellt.

Lortscher glaubt ebenso wie Zhao, dass Maschinen allein nicht Lösung jedes Problems sein können.

“Letztendlich braucht man menschliches Urteilsvermögen. Wir setzen keine Technologie ein, um das menschliche Urteilsvermögen zu ersetzen, wir setzen sie jedoch zur Unterstützung ein”, erklärt Lortscher der HuffPost.

Function of Beauty bietet Kunden passgenaue Haarprodukte

In Punkto Haarpflege hat das Unternehmen Function of Beauty den menschlichen Einfluss weitgehend abgeschafft. 

Wie bei Proven und Curology beginnt das Kundenerlebnis bei Function of Beauty mit einem Quiz. Die Kunden geben ihren Haartyp, die Haarstruktur und andere Vorlieben an. Danach filtert ein Algorithmus die Informationen – um damit die besten Inhaltsstoff-Kombinationen zu erhalten. Wie der Mitbegründer Zahir Dossa erklärt, sei der Algorithmus technisch in der Lage, unendlich viele Kombinationen zu entwickeln.

Sobald ein Verbraucher seine Rezeptur bestätigt, wird eine Flasche zu einer Abfülllinie geschickt, in der diese befüllt und mit dem Flaschenlabel bedruckt wird.

Aber was macht den maschinellen Ansatz besser, als in einen Salon zu gehen?

Nach Ansicht von Dossa ist es die Tatsache, dass die Verbraucher ein Produkt erhalten, dass speziell für sie angefertigt wurde – im Gegensatz zu potenziellen persönlichen oder beruflichen Vorlieben eines Stylisten. Darüber hinaus habe der Verbraucher die Möglichkeit, Feedback zu geben und seine Formel nach seinen Wünschen zu optimieren.

Proven, Curology und Function of Beauty sind natürlich nicht die ersten Unternehmen, die fortschrittliche Technologien mit oder ohne menschliche Aspekte in ihre Geschäftsmodelle integrieren, um den Kunden maßgeschneiderte Produkte anzubieten.

Ihr Einsatz von fortschrittlichenTechnologien wie Künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen – die oft als erschreckend, düster und unpersönlich dargestellt werden – haben es den Unternehmen ermöglicht, sich auf das digitale Zeitalter anzupassen.

Dieser Text ist im Original bei der HuffPost USA erschienen und wurde von Nadine Miller ins Deutsche übersetzt.

(ben)