ELTERN
14/11/2018 13:28 CET | Aktualisiert 14/11/2018 14:12 CET

Eltern: Wie ihr mit euren Kindern über den Tod sprechen könnt

Sätze wie “Oma schläft jetzt” sollen sich Eltern lieber verkneifen.

fizkes via Getty Images
Mit Kindern über den Tod zu reden, ist oft nicht einfach. 
  • Oft werden Kinder in jungen Jahren mit dem Tod konfrontiert, wissen aber nicht damit umzugehen. 
  • Wir haben Experten gefragt, wie Eltern mit ihren Kindern am besten über Verluste sprechen.

Gefühle von Kummer und Trauer erleben viele Kinder in den ersten Lebensjahren. Ein Familienmitglied zu verlieren oder dessen Tod sogar mitzubekommen, ist für die Kleinen jedoch etwas ganz anderes als für Erwachsene.

Viele Kinder verstehen nicht, was mit einem sterbenden Menschen passiert oder wie sie mit dem Verlust umgehen sollen. Umso wichtiger ist es, mit ihnen darüber zu sprechen. 

Die HuffPost US hat einige Experten gefragt, wie Eltern ihren Jüngsten den Tod am besten erklären sollten. 

1. Seid ehrlich und nennt die Dinge beim Namen

“Erklärt ihnen die Fakten über den Tod”, empfiehlt Psychologe John Mayer. “Versucht nicht, den Tod zu beschönigen und sprecht mit eurem Kind nicht in Babysprache.” 

► Sätze wie “Oma schläft jetzt” sollen sich Eltern lieber verkneifen und stattdessen die Gelegenheit ergreifen, ihren Kindern etwas über den Tod beizubringen. 

Der Tod ist kein schöner Prozess. Eltern sollten deshalb nicht versuchen, ihn dazu zu machen. 

► Wichtig sei dabei auch die Sprache. 

Mehr zum Thema: Den Tod erklären: Wie Kinder mit Trauer umgehen

“Kinder denken nicht abstrakt – wenn ihr also stark beschönigende Worte verwendet, verwirrt es sie noch mehr oder frustriert sie”, sagt Tammy Lewis Wilborn, Beraterin einer Praxis für mentale Gesundheit und Coaching in New Orleans. 

Wörter wie “Tod”, “gestorben” oder “stirbt gerade” klingen hart, seien aber angemessen, so Wilborn. Es sei wichtig für Kinder, durch diese Ausdrücke die Endgültigkeit des Todes zu verstehen. 

2. Fragt und beantwortet Fragen 

Wie emotional Eltern ihrem Kind den Verlust eines Menschen nahebringen, hängt davon ab, welches Verhältnis es zu dem Verstorbenen hatte. Eines sollten Eltern jedoch in jedem Fall beachten: Alle Fragen geduldig beantworten – und dem Kind selbst Fragen stellen.

“Fragen zu beantworten, kann ein guter Start für das Gespräch sein”, empfiehlt Wilborn. “Da ist es noch gar nicht notwendig, Details über den Tod zu benennen – vor allem, wenn das Kind eine traumatische Erfahrung gemacht hat. Kinder brauchen nicht alle Informationen, müssen aber so viel wissen, um zu verstehen, dass der verstorbene Mensch nie wieder zurückkommt.”

Besonders viele Fragen stellen sich einem Kind wohl, wenn es den Sterbeprozess eines Menschen hautnah miterlebt hat – bei einem Autounfall, im häuslichen Umfeld oder auch am Krankenbett. 

Gerade dann sei wichtig, ihnen dabei zu helfen zu verstehen, was sie gesehen haben, sagt Chandra Ghosh Ippen, Wissenschaftlerin für frühkindliche Traumata an der Universität von Kalifornien, der HuffPost.

“Schafft den Kindern Platz dafür, dass sie sich darüber klar werden können, was die Erfahrung mit ihnen gemacht hat. Helft ihnen, zu verstehen, dass die Ärzte und Rettungshelfer nur versucht haben, ihrem geliebten Menschen zu helfen”, empfiehlt Gosh Ippen weiter. 

3. Seid geduldig

Kinder gehen oft anders mit Trauer um als Erwachsene. “Ein Kind kann einen schlimmen Verlust erleiden und danach spielen gehen. Eltern fragen sich dann: ‘Hat es mein Kind wirklich getroffen?’”, sagt Gosh Ippen. 

Andere Kinder brauchen dagegen viel Zeit, bis sie wieder zur Normalität zurückkehren können, sagt die Expertin. “Kummer ist ein Prozess, den keiner umgehen kann, Eltern müssen sich damit abfinden, dass es manchmal ein längerer Weg ist”, erklärt sie. 

In beiden Fällen sei es wichtig, geduldig zu sein und dem Kind die Zeit zu geben, die es braucht. 

4. Bestärkt euer Kind darin, Gefühle auszudrücken 

Kinder sollten lernen, sich im Fall eines Verlusts über ihre Emotionen klar zu werden und sie auszudrücken. Das können Kinder je nach Alter auf verschiedene Weise lernen. 

► “Schulkinder drücken sich im Spiel aus”, sagt Wilborn. “Deshalb sollten sie versuchen, ihre Emotionen in Beschäftigungen wie Zeichnen, Malen und Spielen zu verarbeiten.” 

► Ältere Kinder solltet ihr dazu ermutigen, Tagebuch zu führen, Lieder oder Gedichte zu schreiben, empfiehlt die Expertin.

5. Lasst Kinder euren Kummer sehen

Kinder orientieren sich in ihrem Verhalten oft an dem ihrer Eltern. Gerade deshalb sei es wichtig, sie euren eigenen Kummer sehen zu lassen, sagt Wilborn.

“Sie müssen sehen, wie ihr trauert, aber sie müssen auch sehen, wie ihr für euch selbst Verantwortung übernehmt”, erklärt sie weiter. Das bedeute beispielsweise, professionelle Hilfe oder die Unterstützung von Angehörigen in Anspruch zu nehmen. Wenn Eltern keine Hilfe annehmen, könne es passieren, dass sich Kinder für ihren Vater oder ihre Mutter verantwortlich fühlen. 

“Es ist okay, vor euren Kindern zu weinen und Gefühle mit der Familie zu teilen. Es ist okay, zu sagen ‘Ich bin sehr traurig, weil mein Vater gestorben ist’ oder ‘Papa ist traurig, weil er seine Mutter vermisst’ ”, versichert Wilborn.

“In unserer Kultur haben wir oft das Gefühl, robust sein zu müssen. Viele Eltern versuchen dann, ihren Kindern zu helfen, indem sie ein Lächeln aufsetzen, aber das kann das Kind noch mehr verwirren”, warnt Traumaexpertin Gosh Ippen. 

Letztendlich gehe es darum, dem Kind zu vermitteln: Mama ist traurig, aber auch stark. 

Mehr zum Thema: Das passiert mit euren Kindern, wenn ihr ihnen jeden Abend vorlest

6. Kinder lernen durch Verluste

Wie bei jeder Erfahrung im Leben, heißt es auch beim Thema Verlust: Wir können nur darüber lernen, wenn wir ihn selbst erleben. 

Und gerade für Kinder könne der richtige Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen sehr lehrreich sein, erklärt Mayer. 

► “Das ist ein Vorteil”, sagt der Experte. “Es hilft ihnen, später im Leben mit Verlusten und Veränderungen, wie einem Schulwechsel oder einer Trennung, klarzukommen.”

Wer sein Kind im Umgang mit dem Tod an die Hand nimmt, kann also dafür sorgen, dass es gestärkt aus der Trauer hinaus geht. 

(ujo)