POLITIK
08/01/2019 15:29 CET | Aktualisiert 08/01/2019 16:40 CET

“Wie ein 108-Jähriger”: Seehofer erntet Kritik nach Pressekonferenz zum Daten-Leak

Seehofer: “Wir wollen Sie nicht weiter mit Fakten zumüllen.”

Reuters
Bundesinnenminister Horst Seehofer ist auch für den Bereich Digitale Sicherheit verantwortlich. 
  • Horst Seehofer hat Konsequenzen nach dem großen Politiker-Daten-Diebstahl angekündigt.
  • Viele seiner Aussagen auf einer Pressekonferenz in Berlin sorgten allerdings für Spott.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat bei einer Pressekonferenz in Berlin angekündigt, welche Konsequenzen sein Ministerium aus dem großen Politiker-Daten-Leak ziehen wird.

Ende der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass teils persönliche Informationen von hunderten deutschen Bundespolitikern ins Netz gelangt waren. Am Dienstag hat sich ein 20-Jähriger aus Hessen des Datendiebstahls schuldig bekannt. Er wurde danach aber wieder freigelassen.

Nach Seehofers Pressekonferenz entlud sich viel Spott in den sozialen Medien.

Kommentare zum Seehofer-Auftritt: “Wie ein 108-Jähriger”

Zunächst war es ein Versprecher des CSU-Chefs, der für Belustigung sorgte. Die Webanwendung Pastebin, mithilfe derer der Täter seine Leaks verbreitet hatte, sprach Seehofer deutsch aus: “Pahstebin”.

Eigentlich handelt es sich um eine englische Komposition aus “to paste”, einfügen, und “bin”, Abfalleimer.

“Zeit”-Redakteur Martin Eimermacher twitterte: “Seehofer: Von wegen wir von der CSU sind ein Haufen alter Männer. Auch Seehofer: Spricht ‘Pastebin’ aus wie ein 108-Jähriger, der noch nie etwas von der neumodischen Fremdsprache Englisch gehört hat oder diesem Internet.”

ZDF-Journalist Casren Behrendt spottete: “Man muss dieses ‘Paste Bin’ oder Bin-Paste nur doll genug drücken. Dann kommen bestimmt noch ein paar E-Mails, Passwörter und Chatverläufe raus.”

Neue Kennzeichnung für “sichere” Geräte 

Doch auch inhaltlich äußerten viele Nutzer Skepsis über die vom Innenminister vorgeschlagenen Maßnahmen.

So plant das Innenministerium, in Zukunft eine “Zertifizierung” einzuführen, mit denen sichere Router und andere Geräte gekennzeichnet werden sollen. So soll der Verbraucher schnell erkennen, welche Geräte den höchsten Sicherheitsstandards entsprächen.

Ob ein neues Verbraucher-Siegel wirklich gegen die Arbeit von professionellen Hackern helfen wird, ist äußerst fraglich.

Ebenso, wie sich Seehofer die versprochene Neu-Organisation des Cyber-Abwehrzentrums vorstellt. Ein Twitter-Nutzer bemerkte kritisch: “All das wird uns auch in Zukunft nicht vor einem jugendlichen Hacker schützen! Wie wäre es zur Abwechslung mal mit wirksamer Gesetzgebung in Sachen Datenschutz?”

Ein “Frühwarnsystem” – aber wie?

Seehofers Vorschlag, ein Frühwarnsystem für Fälle des Datendiebstahls einzuführen, blieb zudem äußerst unkonkret. Auch auf Nachfrage blieb der Innenminister nebulös, was er sich darunter eigentlich vorstellt.

Und so zog der CSU-Mann mit einer anderen Aussage unbeabsichtigt das treffende Fazit seiner Pressekonferenz: “Wir wollen Sie nicht weiter mit Fakten zumüllen.”  

(jg)