POLITIK
21/04/2018 17:39 CEST | Aktualisiert 22/04/2018 11:18 CEST

Wie die SPD-Spitze mit Nahles' Konkurrentin Lange umgeht, ist unklug

Die HuffPost-These.

WOLFGANG KUMM via Getty Images
SPD-Bundestagsfraktionschefin Andrea Nahles

Am morgigen Sonntag steht bei der SPD ein historisches Ereignis an. Nach diversen geschichtsträchtigen Pleiten soll es diesmal ein zukunftsweisender Tag werden. 

Die SPD wählt auf dem Parteitag in Wiesbaden einen neuen Parteichef. Genauer: eine neue Parteichefin.

Es treten an: Andrea Nahles, Chefin der Bundestagsfraktion, und Simone Lange, Oberbürgermeisterin von Flensburg. Es wird also bald eine Frau an der SPD-Spitze stehen. Das ist eine historische Premiere.

Doch, dass sich die beiden Frauen noch nicht getroffen haben, sagt viel aus über die Führung der SPD.

Es gäbe viele gute Gründe für ein Gespräch

Die neue Parteichefin muss die Sozialdemokraten aus dem größten Wahl- und Umfrage-Schlamassel seit dem Zweiten Weltkrieg führen.

Sie sollte also historisch gute Ideen mitbringen. Und ein historisch gutes Händchen dafür, die zuletzt schwer gespaltene Partei wieder zusammenzubringen und die Ideen, die in ihr noch schlummern, auszugraben.

Niemand, der ernst zu nehmen ist, zweifelt daran, dass Nahles das Rennen machen wird, die gut vernetzte Bundespolitikerin – und nicht die bis zur Kandidatur in Deutschland völlig unbekannte Bürgermeisterin und ehemaligen Kriminalpolizistin, Simone Lange.

dpa
Nahles' Konkurrentin: Simone Lange.

Beobachter gingen und gehen dennoch davon aus, dass die chancenlose Lange Nahles nützen wird.

► Weil ihre Kandidatur Kritiker besänftigen könnte, von denen Nahles auch einige hat – schließlich besteht jetzt zumindest theoretisch eine Wahlmöglichkeit.

► Weil Nahles es auf Lange schieben kann, wenn sie nicht allzu hohe Prozentzahlen einfährt. 

Es gibt also viele gute Gründe, warum sich die Damen über all das, was da war und was da kommt, einmal austauschen sollten. Zumal beide für sich in Anspruch nehmen, ihre Partei voranbringen zu wollen.

Und nicht nur Nahles sollte Interesse an einem Austausch haben – die ganze SPD-Spitze sollte das.

Mehr zum Thema: Wie ihr den SPD-Sonderparteitag im Live-Stream sehen könnt

Doch passiert ist nichts

Tatsächlich aber haben sich die beiden Damen nie kennengelernt, wie Lange der “Welt” vom Samstag sagte. Nahles habe ihr eine SMS geschrieben, ob man nicht zusammen einen Kaffee trinken wolle. Doch leider habe Nahles dann noch keine Zeit mehr gehabt.

Im “Deutschlandfunk Kultur” sagte Lange am Samstag, “natürlich wurmt mich das, weil ich glaube, dass die SPD viel souveräner damit umgehen kann, dass es eben mehrere Kandidaten auf solche Positionen geben” könne.

Keine Zeit, keine Priorität

Wie auch immer die Nicht-Verabredung im Detail gelaufen ist – die Tatsache, dass Frauen seit Langes Kandidatur-Ankündigung Mitte Februar offenbar kann eigentlich nur bedeuten, dass Nahles Lange für nicht wichtig genug hält. 

Und nicht nur Nahles, auch der Parteivorstand, der sich noch vor Langes Kandidatur für Nahles ausgesprochen hatte, hat Lange offenbar nicht unbedingt treffen wollen.

“Es gibt eigentlich gar keine Reaktion darauf”, sagte Lange dem ARD-“Morgenmagazin” am Freitag über die Antwort des Parteivorstands auf ihre Kandidatur. Anders der Bundesvorstand, der Lange demnach für Samstag eingeladen hat.

Ignorieren ist keine gute Idee

Dieses Ignorieren der Parteispitze wirkt wenig souverän. Schließlich gibt es keinen Grund, Angst vor Lange zu haben.

Und eine Partei, die die Rolle der Basis so betont wie die SPD, kann es einer Kandidatin aus dem Off schlecht übelnehmen, wenn sie antritt.

► Wenn jemand so ignoriert wird, ist das kein ermutigendes Signal für Mitglieder, die sich engagieren wollen.

Vielleicht will der Parteivorstand auch Geschlossenheit demonstrieren. Gegenseitige Demontage hat es schließlich viel gegeben.

Aber zur Geschlossenheit würde auch beitragen, wenn Nahles einmal ihrer Konkurrentin gegenüber Respekt in der Öffentlichkeit gezollt hätte.

Fest steht: Das hätte die SPD besser hinbekommen können.

(ll)