POLITIK
12/06/2018 22:45 CEST | Aktualisiert 13/06/2018 09:45 CEST

Was die Menschen in Südkorea über Trumps Gipfel-Show denken

“Die Koreaner wollen, dass der Gipfel erfolgreich ist."

Chung Sung-Jun via Getty Images
Südkoreaner in Seoul schauen die Berichterstattung zum Gipfel an.

Es war ein Handschlag für die Geschichtsbücher. 

Die Welt stand kurz still, so schien es, als sich Nordkoreas Diktator Kim Jong-un und US-Präsident Donald Trump auf dem Gipfeltreffen in Singapur die Hand gaben. 

Nach dem Treffen kritisierten Experten und Journalisten die Einigung der beiden schnell als PR-Show. Ohne feste Zusagen aus Pjöngjang sei das Abschlussdokument wenig wert. 

In Japan und Südkorea, den beiden Ländern in Nordkoreas direkter Schusslinie, war der Gipfel aber mehr als nur ein Fernseherlebnis. 

► “Das Treffen erscheint wie Wunder”, sagt Dohoon Kim, Chefredakteur der südkoreanischen Ausgabe der HuffPost.

“Die Koreaner wollen, dass der Gipfel erfolgreich ist” 

Obwohl die Südkoreaner das Treffen auch als PR-Offensive sehen, stellt der Gipfel für sie laut Kim einen echten Fortschritt dar. “Man muss bedenken, dass die Südkoreaner noch vor einigen Monaten Angst vor einem Atomkrieg hatten”, erklärt er. 

Der Journalist ist der Meinung, dass nun klarer geworden sei, wie sehr die Südkoreaner wollen, dass der Deal mit dem Norden gelingt – also irgendwann Frieden auf der nordkoreanischen Halbinsel herrscht.

Das ist laut Dohoon Kim auch bei Trumps Presskonferenz deutlich geworden: “Manche Koreaner in den sozialen Medien fühlten sich von amerikanischen Journalisten beleidigt, die die Menschenrechtslage in Nordkorea während der Pressekonferenz kritisierten. Das zeigt, wie sehr die Koreaner einen erfolgreichen Gipfel wollen.”

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Trump beantwortet Fragen von Journalisten nach dem Treffen mit Kim.

Nicht alle sind begeistert

Die Südkoreaner haben den Gipfel, seitdem er angekündigt wurde, stark befürwortet. Und auch generell sind sie interessierter an dem abgeschotteten Nachbarn im Norden, aus denen sonst nur Raketen oder Drohungen kamen.

Der Verkauf von Büchern über Nordkorea übersteigt in diesem Jahr bereits den Gesamtabsatz der Bücher im Zeitraum von 2015 bis 2017. Der größte südkoreanische Online-Restaurantguide Siksin startete diese Woche auf seiner Website zudem einen eigenen Bereich für Veranstaltungen in Nordkorea.

Ryan Koopmans www.ryankoopmans.com via Getty Images

Aber diese positive Perspektive teilen nicht alle in Seoul. Lee Young-jong von der konservativen Tageszeitung “JoongAng Ilbo” beschrieb den Gipfel als “Reality-TV”. 

“Präsident Trump hat einen großartigen Künstler namens Kim Jong-un auf der Bühne Singapur eingesetzt und die Show ging im Sinne des Moderators aus. Aber Kim Jong-un sollte sich überlegen, ob er die richtige Gage bekommen hat”, schrieb er. 

Auf was sich Trump und Kim geeinigt haben

Die Abschlusserklärung enthält vier Punkte, auf die sich die beiden Staatschefs geeinigt haben. Darunter ist auch das Versprechen von Kim, auf eine “vollständige Denuklearisierung” der koreanischen Halbinsel hinzuarbeiten und eine “andauernde und stabile Friedensordnung” in der Region zu schaffen. 

Doch die Erklärung enthält keine festen Zusagen von Pjöngjang, sein atomares Waffenprogramm aufzugeben. Immerhin öffnet es die Tür für einen Dialog. Im Gegenzug hat sich Washington verpflichtet, Sicherheitsgarantien für Nordkorea abzugeben. 

Mehr zum Thema:  Die vier zentralen Punkte der Abschlusserklärung lest ihr hier

Einem Experten fehlt etwas Entscheidendes

Atomwaffen-Experten in Südkorea weisen darauf hin, dass das Dokument keine Schritte enthalte, die sich überprüfen ließen und unumkehrbar seien. Aber genau darauf komme es an. 

Experten sprechen dabei von dem Akronym: CVID. Dahinter stecken die englischen Wörter:

► complete (vollständig)

► verifiable (verifizierbar)

► irreversible (unumkehrbar)

► denuclearization (Denuklearisierung)

“Eine umfassende Einigung hätte CVID eingeschlossen”, sagt Shin Bul-cheol vom Asian Institute for Policy Studies in Soul. 

Einer seiner Kollegen st anderer Meinung. Lee Joon-han von der Incheon University sagt, die Einigung sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn immerhin habe Trump Kim ein weiteres Treffen angeboten. “Die zwei Staatschefs haben einen beachtlichen Schritt in Richtung Denukleasierung gemacht”, glaubt er. 

In Südkorea gehen die Meinungen der Menschen über diesen historischen Tag auseinander. Klar aber ist allen: Der Gipfel war nur der Beginn. Weitere Handschläge, die in die Geschichtsbücher eingehen können, müssen folgen.

Dieser Artikel wurde für die amerikanische Ausgabe der HuffPost geschrieben und von Leonhard Landes und Marius Klingemann übersetzt, gekürzt und editiert.  

(mkl)