POLITIK
07/11/2018 10:34 CET | Aktualisiert 07/11/2018 11:07 CET

Was der historische Midterms-Erfolg von Frauen für die Zukunft der USA bedeutet

Auf den Punkt.

Im Video oben seht ihr, welche Frauen bei den Midterms in den USA Geschichte geschrieben haben.

Am 8. November 2016 erlebt die USA einen Tiefpunkt im Kampf für die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau: Donald Trump wird zum Präsidenten gewählt. 

Ein Mann, der im Wahlkampf Frauen wegen ihres Aussehens beleidigte. Von dem ein Tape veröffentlicht wurde, auf dem er damit prahlt, Frauen ungefragt an die Genitalien zu fassen. Gegen den mehrere Frauen Vorwürfe der sexuellen Gewalt erhoben haben. 

Fast auf den Tag genau zwei Jahre später folgte bei den Midterms nun die Reaktion auf Trumps Wahlsieg – eine Reaktion, die vor allem von Frauen ausging

JOSEPH PREZIOSO via Getty Images
Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein feiert mit ihren Anhängern.  

Denn Wählerinnen und Kandidatinnen haben maßgeblich dafür gesorgt, dass das Repräsentantenhaus wieder an die Demokraten fällt – und Trump nun unter parlamentarischer Kontrolle steht. 

Die wichtigsten Fakten zum “Year of the Women” in den USA auf den Punkt gebracht. 

Noch nie wurden so viele Frauen ins US-Parlament gewählt: 

► Noch sind nicht alle Stimmen in den USA ausgezählt, doch schon jetzt ist klar: Im neuen Kongress werden mehr Frauen sitzen, als jemals zuvor. Die meisten gehören zur Partei der Demokraten. 

► Laut einer Prognose des Senders CNN werden 96 Frauen allein in das Repräsentantenhaus einziehen – 65 verteidigten ihre Sitze, 31 wurden neu gewählt. Im Senat wird sich der Frauenanteil derweil nicht stark verändern. 

► Ein Rekord: Zuvor war die höchste Zahl an ins Repräsentantenhaus entsandten Frauen 85 gewesen. Zusammen mit den bisher 23 Senatorinnen machte das einen Frauenanteil von nur 20 Prozent im US-Kongress aus. 

Mehr zum Thema: Wie es ist, als Frau und Ureinwohnerin Wahlkampf in Trumps USA zu machen

Mehrere Kandidatinnen erreichen historische Wahlsiege: 

► Mit Alexandria Ocasio-Cortez zieht die jüngste jemals gewählte Frau in das Repräsentantenhaus der USA ein. Die Demokratin ist erst 29 Jahre alt. 

► Ebenfalls Geschichte schrieben Rashida Tlaib und Ilhan Omar: Die beiden Demokratinnen sind die ersten Muslima, die in das Repräsentantenhaus gewählt wurden. 

► Mit den Demokratinnen Sharice Davids und Deb Haaland ziehen zudem die ersten von Nordamerikas Ureinwohnern abstammenden Frauen in das Repräsentantenhaus ein. 

► Ein weiterer Meilenstein könnte in Georgia errungen werden, wo das Gouverneursrennen so knapp ist, dass womöglich eine Neuauszählung nötig ist. Gewinnt hier die Demokratin Stacey Abrams, wäre sie die erste schwarze Gouverneurin der USA. 

Frauen sind die wichtigste Wählergruppe der Demokraten: 

► Die Mehrheit der Wähler in den USA ist weiblich: Frauen machen 52 Prozent der Wahlberechtigten in dem Land aus. Dementsprechend entscheidend sind Frauen für den Ausgang von Wahlen in den USA. 

► Bei diesen Midterms zeigt sich, dass dies in Zukunft vor allem zum Vorteil für die Demokraten gereichen wird. Schon in Umfragen vor der Wahl kündigten knapp 60 Prozent der befragten Frauen an, für die Partei zu stimmen. Bei den Männern waren es nur 47 Prozent. 

► Bei weißen Frauen entscheiden sich noch immer genauso viele für die Demokraten (49 Prozent) wie die Republikaner (49 Prozent). Schwarze Frauen gaben sehr viel häufiger ihre Präferenz für die Demokraten an (92 Prozent), bei Frauen mit lateinamerikanischen Wurzeln lag sie bei 73 Prozent. 

Welche Folgen die Mobilisierung der Frauen in den USA hat: 

► Noch nie hat es eine so flächendeckende Organisierung weiblicher Wähler und Kandidatinnen in den USA gegeben. Noch nie waren Frauen bei einer Wahl so aktiv und so wichtig. 

► Sicher: Noch immer bestimmen vor allem Männer die US-Politik, mehr als zwei Drittel der Abgeordneten sind männlich. Doch Frauen stellen den Großteil der Wählerschaft – und gehen laut Studien auch häufiger zur Wahl als Männer.  

► Diese Umstände und die Rekordzahl an nun gewählten Frauen wird die USA sozialer machen – wenn Frauen besonders wichtige Themen, wie etwa eine bessere Gesundheitsversorgung, auf die politische Agenda setzen. 

Das “Year of the Women” in den USA auf den Punkt gebracht: 

Frauen stellen die Mehrheit der Wählerschaft in den USA. Eine Mehrheit dieser Wählerinnen identifiziert sich mit den Demokraten – besonders jüngere und Minderheiten angehörige Frauen wählen die Partei. 

Bei diesen Midterms hat eine Rekordzahl an gewählten Kandidatinnen gezeigt, dass die Zukunft in den USA mehr und mehr von Frauen bestimmt werden wird. 

Studien zeigen: Die Vereinigten Staaten werden dadurch vor allem im Bereich Gesundheitsversorgung, aber auch bei Themen wie Migration und Gerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt sozialer werden. 

(lp)