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15/02/2019 11:47 CET | Aktualisiert 15/02/2019 13:39 CET

Wie der Klimawandel schon heute unsere Gesundheit belastet

Der Klimawandel hat nicht erst in Zukunft Auswirkungen, sondern belastet schon heute unsere psychische und physische Gesundheit.

Roy Scott/ Getty

Dr. Sonja Ayeb-Karlsson forscht am Institute of Development Studies an der University of Sussex. Ihr Schwerpunkt sind Mobilität, Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden im Kontext von Umweltbelastungen und Klimawandel. Sie ist außerdem Senior Researcher am Institute for Environment and Human Security an der United Nations University (UNU) in Bonn und arbeitet dem Projekt Lancet Countdown mit, das die Verbindung zwischen Klimawandel und öffentlicher Gesundheit bis 2030 dokumentiert.

In diesem Blog schreibt sie über die Auswirkungen, die der Klimawandel schon heute für unsere Gesundheit hat.

Als ich im Jahr 2015 mit der Arbeit am Forschungsprojekt Lancet Countdown begann, diskutierten nur wenige Menschen über die Zusammenhänge zwischen Gesundheit und Klimawandel.

Seitdem ist das Bewusstsein für die gesundheitlichen Auswirkungen, die wir weltweit beobachten, gewachsen. In den Medien und der Öffentlichkeit generell ist das Interesse gestiegen, auf den jährlichen Klimakonferenzen der Vereinten Nationen liegt immer mehr Aufmerksamkeit. 

Aber es ist noch ein weiter Weg zu gehen. Wir müssen die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels auf globaler Ebene angehen, bevor er verheerende Spuren hinterlässt.

Oder wie mein Hausarzt sagen würde: Vorbeugen ist besser ist als Heilen.

► Gesundheit kann vom Klimawandel nicht getrennt werden, weder kurz- noch langfristig.   

Der Klimawandel gilt als Thema, das in Zukunft angegangen werden muss. Aber die gesundheitlichen Folgen durch Klima-Schocks und Umwelt-Stressoren sind bereits heute zu beobachten. Wir haben keine Zeit zu verlieren – der Klimawandel findet mit all seinen tödlichen Auswirkungen bereits statt.

Extremwetter nehmen zu – und das hat verheerende Auswirkungen auf die Gesundheit

Wie aus unserem Bericht aus dem Jahr 2018 hervorgeht, litten im Jahr 2017 157 Millionen Menschen mehr unter Hitzewellen als noch im Jahr 2000. Am meisten zu schaffen macht die steigende Anzahl an Hitzewellen älteren Menschen und jenen, die im Freien arbeiten, insbesondere Landarbeitern.

2017 gingen durch Hitzewellen 3,2 Milliarden Arbeitswochen verloren, 80 Prozent dieser Verluste entfallen auf den Agrarsektor. Dabei dürfen wir nicht die Schwächsten vergessen, die zu arm sind, um zu Hause zu bleiben. Die trotz der Hitze auf den Feldern bleiben, um ihre Familien zu ernähren.

► Die politischen Entscheidungsträger stehen hier in der Verantwortung, eine nachhaltige Beschäftigungspolitik zu schaffen, die diese Menschen finanziell stützt und ihre Gesundheit und Sicherheit gewährleistet.

Der Klimawandel beeinträchtigt unsere psychische Gesundheit und unser Wohlbefinden

Hitzestress ist der Oberbegriff für Krankheiten, bei denen die Abwehrmechanismen des Körpers nicht mehr in der Lage sind, einen Anstieg der Körpertemperatur zu verhindern. Die schwerste Form von Hitzestress ist der Hitzschlag. Er tritt in der Regel ab einer Körpertemperatur von mehr als 40 Grad Celsius ein und hat den Ausfall mehrerer Organe zur Folge, der zu Krämpfen, Koma und schließlich zum Tod führen kann.

Extreme Hitze kann die psychische Gesundheit beeinträchtigen. Studien zufolge treten verstärkt bipolare Störungen und Schizophrenie auf, Demenzsymptome verschlimmern sich und es das Selbstmordrisiko steigt.

► Der Klimawandel beeinträchtigt die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden, wenn sich Häufigkeit, Dauer, Intensität und Unvorhersehbarkeit von wetterbedingten Gefahren ändern und eine erhöhte Zahl an Menschen Extremwetter-Ereignissen ausgesetzt ist.

Der aktuelle IPCC-Sonderbericht über die Auswirkungen der globalen Erwärmung kommt hier zu beunruhigenden Ergebnissen.

Psychische Gesundheit und Wohlbefinden sind ein Schlüsselbereich, in dem dringend mehr Forschung erforderlich ist, um die Auswirkungen des Klimawandels besser zu verstehen.

Umweltstress und Klimaveränderungen beeinflussen die Gesundheit

Indirekte Auswirkungen des Klimawandels können beispielsweise einer Reihe an Kausalitäten entstehen – und das ist besonders schwer abzuschätzen. Die Auswirkungen können kurz- und langfristig, direkt oder indirekt sein; manchmal beeinträchtigen sie die Gesundheit ein Leben lang.

So kann es zu psychischen Erkrankungen nach Katastrophen, Vertreibung, Migration und Identitätsverlust kommen.

Was die Forscher beispielsweise nach dem Hurrikan Katrina erstaunte: Die Hälfte der Menschen, bei denen eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) diagnostiziert worden war, hatte weder direkt Vermögen noch Familienmitglieder verloren. Das tiefe Verlustgefühl hing mit dem Sicherheitsverlust in den eigenen vier Wänden zusammen. 

Nach einem verheerenden Wirbelsturm erforschte ich in Bangladesch, wie Umweltstress und Klimaveränderungen das Leben der Menschen beeinflussen. Ein Interviewpartner, den ich fragte, ob er nach der Katastrophe beim Arzt war, sagte: “Ich ging in die Klinik und sagte dem Arzt, dass hier, in mir, etwas gebrochen ist (er zeigte auf seine Brust). Er schickte mich mit Paracetamol nach Hause und sagte mir, das lindere den Schmerz.”

Die Heilung von Traumata ist weltweit Teil humanitärer Hilfe, wenn Menschen Krieg und Konflikte erlebt haben. Aber wenn es um Umweltkatastrophen geht, fehlt diese Hilfe oft. 

Dieser Artikel ist zuerst in der HuffPost UK erschienen, wurde von Sandra Tjong aus dem Englischen übersetzt und dem Verständnis angepasst. 

(ujo)