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13/07/2018 16:26 CEST | Aktualisiert 13/07/2018 16:26 CEST

WhatsApp-Profil: Liebe Eltern, nehmt nicht die Bilder eurer Kinder

Bitte verschwindet nicht hinter euren Kindern.

Sally Anscombe via Getty Images
Mit der Geburt des Kindes verschwindet plötzlich das eigene Bild aus dem WhatsApp-Profil. (Symbolbild)

Hingabe und Aufgabe trennen nur drei Buchstaben. Das hat die deutsche Sprache gut hingekriegt. Viel liegt da schließlich auch im Leben nicht dazwischen.

Wer liebt, merkt oft spät, zu spät vielleicht, wann er sich selbst verliert. Und damit auch Menschen, die ihm mal nahestanden, als er noch er selbst war.

Bei Eltern kann man das hören. In Gesprächen, die sich nur darum drehen, was die Kinder tun und nicht tun, fühlen und nicht fühlen. Was solche Diskussionen in der Regel auch noch auf ein recht überschaubares Niveau beschränkt.

Und man kann das Verblassen hinter den Kindern, das sich in den Alltag schleicht, sehen. Ganz plastisch. Symbolisch.

Eltern benutzen ihre Babys, um sich selbst zu charakterisieren

Mit der Geburt des Kindes verschwindet plötzlich das eigene Bild aus dem WhatsApp-Profil. Und dann ist da ein Babyfoto zu sehen. Ein Kinderfoto. Ein Mehrere-Kinder-Foto.

Die Schwester, Freundin, Schwägerin, der Bruder, Freund, Schwager oder was auch immer ist unsichtbar geworden für die, die ihm oder ihr schreiben. Für alle, die ihm oder ihr einmal nahe genug standen, um privat Nachrichten auszutauschen. Wie traurig.

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Dazu kommt noch was:

Wer sein Lebensgefühl, sagen wir mal, in der Freiheit des Überall-Herumfahren-und-überall-Bleiben-Könnens verortet, der verwendet vielleicht ein Foto von seinem verbeulten VW-Bulli. Und keinen stört’s.

Warum sollte das beim Babyfoto anders sein? Wenn das Baby jetzt doch das Lebensgefühl bestimmt, den Tagesrhythmus, die Gedanken?

Weil die Eltern, ohne es zu wollen, das Baby benutzen, um sich selbst zu charakterisieren.

Weil viele ein Bulli-oder-was-auch-immer-Foto nehmen, weil sie keine Lust drauf haben, WhatsApp die Daten zum eigenen Konterfei auf dem (Silber-)Tablet zu liefern.

Weil das Kind zwar für die Optik herhalten muss, aber keinerlei Kontrolle hat, was da an Textchen und Bildchen und Filmchen unter seinem Abbild hin- und hergeschickt werden.

Weil es nicht um einen “Familienanschluss” bei WhatsApp geht, sonst wären ja die Eltern auch mit drauf.

Wie fühlen sich die anderen Familienmitglieder?

Vollends absurd wird es dann, wenn auch noch die Großeltern, Tanten oder Onkeln der Idee verfallen, die Kinderbilder zu verwenden.

Haben sich die Eltern, Großeltern und Onkeln mal gefragt, wie sich das für die Menschen in der Familie anfühlt, die nicht im Bild zu sehen sind, vielleicht nie zu sehen waren, nie zu sehen sein werden?

Die vielleicht daraus ableiten, dass sie nicht so wichtig sind, nicht so geliebt werden wie die anderen? Und die wissen, dass alle WhatsApp-Kontakte diese Botschaft sehen können?

Liebe Eltern, dass ihr so sehr lieben könnt, euch so sehr hingeben, ist wunderbar. Es zeichnet euch aus. Also bitte verschwindet nicht. Nicht hinter euren Kindern. Nicht als Menschen.

(kap)