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12/03/2018 19:42 CET | Aktualisiert 12/03/2018 19:42 CET

Weshalb empfängt der österreichische Justizminister die erfolgreichen Olympiasportler: Imagepflege für das Justizministerium

Bundesministerium für Justiz: Pressefoto

Das Foto zeigt Josef Moser im Interview mit dem ORF

  • Justizminister Moser empfängt die österreichischen Olympiasportler.
  • Moser repräsentierte die österreichische Bundesregierung.
  • Anfrage über Verletzungen der Grundrechte blieb inzwischen unbeantwortet.

Höhepunkte im Leben eines österreichischen Politikers. Justizminister Josef Moser eröffnete am Faschingssamstag den Juristenball. Der nächste große Auftritt erfolgte am 27. Februar. Der Justizminister darf den österreichischen Medaillengewinnern gratulieren, die von den Winterspielen aus Südkorea zurückkehren. Moser kam als Repräsentant der österreichischen Bundesregierung.

Die Medaillenfeier fand in Salzburg statt. Moser konnte bei dieser Gelegenheit im öffentlich-rechtlichen Fernsehsender ORF auftreten und ein Interview geben. „Unsere Sportlerinnen und Sportler verdienen es, dass wir heute hier sind und ihnen zeigen, wie stark wir hinter ihnen stehen“, so Moser in der Presseaussendung des Justizministeriums vom 27. Februar:

Bundesminister Moser bei offizieller ÖOC-Medaillenfeier in Salzburg (Presseaussendung des Bundesministeriums für Verfassung, Reform, Deregulierung und Justiz, 27. 2. 2018)

Wieso ist in Österreich der Justizminister zuständig für den Empfang der österreichischen Olympiasportler? Bundeskanzler Sebastian Kurz hatte an diesem Tag einen Termin in Moskau vereinbart. Aber sollte auch Sportminister Strache gerade über keine Zeit für die Medaillengewinner verfügen, so wäre es nachvollziehbar, dass Gesundheitsministerin Hartinger-Klein, Tourismusministerin Elisabeth Köstinger, Jugendministerin Juliane Bogner-Strauß, Medienminister Gernot Blümel, Verteidigungsminister Mario Kunasek oder auch Innenminister Herbert Kickl mit der Aufgabe betraut werden, die österreichischen Sportler zu empfangen.

Image für Justizministerium

Bei all diesen Ressorts lässt sich ein Bezug zum Thema Sport herstellen. Die Zuständigkeit des Justizministers wäre nur erklärbar, wenn man betonen möchte, dass in Österreich Doping streng bestraft wird.

So bekommt der Justizminister die Chance zu einem populären Politiker im Land zu werden, der gemeinsam mit den erfolgreichen Sportlern fotografiert wird.

Die Tagesarbeit bleibt bei solchen Aufgaben unerledigt. Den Brief vom Aschermittwoch hatte Josef Moser zwei Wochen später noch nicht beantwortet. Aschermittwoch war am 14. Februar. Am 28. Februar erhielt die Pressesprecherin von Josef Moser zum dritten Mal die Aufforderung, eine Stellungnahme des Justizministers zu vermitteln.

Justizminister Moser darf gerne „hinter den österreichischen Sportlern stehen“, wenn er fotografiert wird. Aber er sollte auch hinter den Betroffenen stehen, die durch Amtsmissbrauch der österreichischen Justiz ihre gesamten Vermögenswerte verlieren. Jährlich werden hunderte Fälle von solchen willkürlichen Verletzungen des Eigentumsrechts in Österreich dokumentiert, ohne dass ein Justizminister eingreift.

Die österreichischen Wintersportler sind beliebte Werbeträger. Sie werden gerne für Markenwerbung eingesetzt. Jetzt soll auch dem Justizministerium durch Fotos mit den österreichischen Wintersportlern ein Image gebaut werden.

Doch ein wesentlicher Grundsatz der Imagewerbung lautet: Das Image muss glaubhaft sein. Ansonsten kann die Kampagne rasch das Gegenteil bewirken und negative Effekte auslösen. Man wird jedenfalls weiterhin hinter die Kulissen der Werbefotos blicken.

Links:

Brief am Aschermittwoch: An den österreichischen Justizminister (Huffington, 14. 2. 2018)

Krisen-PR muss schnell sein: Erste Hinweise zur Öffentlichkeitsarbeit im österreichischen Justizskandal (Huffington, 22. 2. 2018)

© Autor: Johannes Schütz, 2018

www.huffingtonpost.de/author/johannes-schuetz

Johannes Schütz ist Medienwissenschafter und ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Wien.

Email: info (at) communitytv.eu