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06/12/2018 11:59 CET | Aktualisiert 06/12/2018 11:59 CET

Wer plant die Digitalisierung?

Caiaimage/Robert Daly via Getty Images

Mittlerweile ist es doch ein, sehr schneller, Selbstläufer geworden. Die digitale Entwicklung schreitet voran, unglaublich schnell und unglaublich planlos. Jede digitale Technologie von 3D Druck, über Speicherkapazitäten und Prozessorgeschwindigkeiten, bis hin zu KI wird imer schneller weiter entwickelt. In exponentieller Geschwindigkeit, wobei die wenigsten eine Vorstellung davon haben, was das wirklich bedeutet.

Aber wäre es nicht vernünftig, eine finale Idee zu haben, worauf diese Entwicklung zulaufen soll?

Stellen Sie sich vor, Sie haben so etwas wie einen aktuell handelsüblichen Kran, ganz offensichtlich zu dem Zweck geschaffen, (Wohn-)Häuser zu bauen. Nun entwickeln Sie Ihren Kran immer weiter. Er soll immer schwerere Lasten bewegen können, immer höher hinauf reichen, immer stabiler stehen. Natürlich bekommt er auch eine digitale Ausstattung. Kameras und Sensoren, unterstützende künstliche Intelligenz usw. Nun haben Sie einen Mega-Kran geschaffen, der weit mehr kann, also einfach nur Häuschen zu bauen. Nun denken darüber nach, was Sie mit diesem überdimensionierten Giga-Ding eigentlich noch bauen/ machen können und suchen nach neuen Anwendungsmöglichkeiten. Die Entwicklung des Tools, hat die Entwicklung der Planung, nun weit überholt. Vor einem ähnlichen Szenario stehen wir, zum Teil jetzt schon, mit der Digitalisierung.

Ich bin Zukunfts-, Technik- und Digitalisierungsfan, aber trotzdem denke ich, dass wir nicht einfach planlos alles Machbare voran treiben sollten, bloss weil wir es können. Die Digitalisierung und alles was damit zusammen hängt, ist doch eigentlich die Chance überhaupt, eine Welt zu kreieren, wie wir sie noch nie hatten.

Um noch einmal auf die, zugegeben rustikale, Baustellen-Metapher zurück zu kommen. Wenn ich die nächsten Jahre ein Haus bauen will und gebe Ihnen den Auftrag es zu bauen, dann fangen sie vielleicht an eine Liste zu schreiben, was Sie alles dafür brauchen werden, um es auch erfolgreich tun zu können. Ihre Liste ändert sich aber schlagartig, wenn ich Ihnen mitteile, das ich eigentlich mein Haus gerne energieunabängig hätte, pur auf Sonnenergie ausgerichtet. Jetzt schreiben Sie Solarzellen auf Ihre Liste, eventuell müssen leistungsfähige Zellen und Stromspeicher erst entwickelt werden, um das Haus wirklich komplett unabhängig zu machen. Sie sind nun ganz zufrieden mit Ihrer neuen Liste, bis ich Ihnen eröffne, dass ich mein Haus außerdem gerne aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen, wie zum Beispiel Holz, gebaut hätte. Sie überarbeiten wieder Ihrer Liste. Vielleicht planen wir ein gedrucktes Haus, aus einem riesigen 3D Drucker. Mit neuen Kartuschen, die so etwas wie Sägemehl + Kleber enthalten. Ein 3D gedrucktes Holzhaus sozusagen. Wieder passen Sie Ihre Liste an. Neue Materialien kommen hinzu, neue Technologien müssen entwickelt werden. usw. usw. Sie verstehen bestimmt die Idee hinter dieser Metapher. Das wäre eine zielgerichtete Entwicklung auf ein finales Ziel (Mein Traumhaus) hin.

Dummerweise haben wir weder einen solchen Plan, wie wir unserer Welt zukünftig haben wollen, noch eine Liste mit Dingen, Techologien, Knowhow usw. welche wir dafür dann wirklich brauchen. Wir agieren eher wie in dem Kran-Beispiel. Wir entwickeln einfach alles weiter, ohne wirklich zu wissen wo das hin führen soll.

Die Frage, wie wir zum Beispiel im Jahr 2050 leben wollen, hat viele offensichtliche Komponenten, denen wohl die meisten Menschen zustimmen würden. Essen, Wohnraum und ein vernünftiges Auskommen für alle. Ein vernünftiges, bezahlbares Gesundheitssystem. Altersabsicherung für alle. Klimaschutz, Bildung, Umweltschutz usw. Viele Eckpfeiler einer solchen denkbaren Utopie (im besten Sinne) sind offensichtlich.

Die gute Frage ist nur, von wem soll ein derartiger Masterplan kommen? Von der Politik? von den Philosophen? von den CEOs der digitalen Großunternehmen? von der Börse? von uns allen?

Wer sorgt für seine Durchführung?

Viel Stoff zum Nachdenken.

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