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28/03/2018 19:35 CEST | Aktualisiert 28/03/2018 19:35 CEST

Wer hat an der Uhr gedreht? Wenn der biologische Rhythmus aus dem Takt gerät

Der Frühlingsanfang weckt in den meisten Deutschen die Vorfreude, den Winter endlich hinter sich zu lassen. Für einige Menschen ist er jedoch auch mit einer großen Herausforderung verbunden: Im Zuge der Zeitumstellung am 25. März wurden die Uhren wieder vorgestellt. ´´Nur´´ eine Stunde, die jedoch große Auswirkungen haben kann. Dr. Anabel Ternès, Expertin für mentale Gesundheit und Gründerin der digitalen Service-Plattform Psychologio, die Betroffenen einen vereinfachten Zugang zu einer psychotherapeutischen Behandlung ermöglicht, weiß, was im Körper vorgeht und womit die Leidtragenden zu kämpfen haben. Damit die Zeitumstellung nicht zur Belastung wird, zeigt die Expertin, wie sich die negativen Folgen mindern lassen.

Unsplash/ Tristan Gassert

Was im Körper passiert

Von einen auf den anderen Tag ist es morgens länger dunkel und abends länger hell, eine menschengemachte Veränderung auf die unsere innere Uhr nicht eingestellt ist. Denn: Helligkeit und Dunkelheit spielen eine entscheidende Rolle für unseren Schlafrhythmus. Die Lichtzufuhr hat einen starken Einfluss auf die Steuerung des zentralen Nervensystems, was auch bestimmt, wie wach wir uns fühlen. Durch die Zeitumstellung kommt die lichtabhängige Steuerung der Hormone aus dem Takt und speziell die veränderte Produktion von Stresshormonen, wie Cortisol oder Adrenalin, kann zu einer latent depressiven Verstimmung führen. Die Anpassung verläuft höchst individuell, ist die Umstellung allerdings nach vier Wochen noch nicht abgeschlossen, kann eine langwierige Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden. Mit ernsthaften und langanhaltenden Auswirkungen auf die mentale Gesundheit ist in der Regel allerdings nicht zu rechnen. Sollte es jedoch zu psychischen Veränderungen kommen, dürfen diese nicht verharmlost werden.

Die Folgen der Umstellung

Dass die Auswirkungen der Zeitumstellung eine gesundheitliche Relevanz für die gesamte Gesellschaft haben, beweist auch, dass das EU-Parlament erst letzten Monat mit großer Mehrheit beschlossen hat, dass die Sinnhaftigkeit nochmal geprüft werden muss. Der Prozess der Abschaffung wurde somit eingeleitet, jedoch hilft das den Menschen, die jetzt mit den Folgen zurechtkommen müssen nicht. Mehr als jeder Fünfte hatte schon einmal körperliche oder psychische Probleme aufgrund der Zeitumstellung, wobei sie mehr bei Frauen als bei Männern auftreten. Drei Viertel aller Betroffenen fühlen sich müde und schlapp, 60 Prozent haben Einschlafprobleme und mehr als ein Drittel kann sich schlechter konzentrieren. Bei zwölf Prozent kommt es sogar zu depressiven Verstimmungen. Gerade Personen, die spät abends aktiv sind und morgens länger schlafen, haben größere Anpassungsschwierigkeiten. Die möglichen Schlafstörungen lassen das Risiko für Depressionen und Angststörungen steigen. Dabei ist das große Problem, dass die meisten Betroffenen ihre Beschwerden nicht ernst genug nehmen und lieber versuchen mit dem Zustand zurechtzukommen - Nur knapp jeder zwanzigste Erwerbstätige geht wegen Schlafproblemen in eine Praxis.

Gut ausgeruht trotz Zeitumstellung: Schlafvorsorge

Betrachtet man den Stress, den unserer Körper durch die Zeitumstellung empfindet, ist es nicht verwunderlich, dass zwei Drittel der Deutschen sie ablehnt. Doch die endgültige Abschaffung wird noch auf sich warten lassen. Hier, für alle Geräderten, ein paar einfache Regeln, die den Umgang mit der ´´verlorenen´´ Stunde erleichtert:

· Die Einstellung steht an oberster Stelle: Machen Sie sich nicht verrückt, Ihr Biorhythmus kann kurz aus der Bahn geworfen werden, schafft es aber in den meisten Fällen sich wieder einzupendeln.

· Zeigen Sie es der verlorenen Stunde und stehen extra früh auf. Durch das Tageslicht sichern Sie sich Glückshormone, die Ihre Stimmung heben werden.

· Wie bereits erwähnt, spielt Licht generell eine große Rolle. Versuchen Sie, künstliche Lichtquellen mit hohem Blaulichtanteil (TV, PC, Mobilgerät, Energiesparlampen) zu meiden. Speziell vor dem Zubettgehen sollte eine solche Beleuchtung ausgeschaltet werden.

· Essen Sie keine schweren Mahlzeiten am Abend und gehen Sie auch bei fehlender Müdigkeit zeitig schlafen. Verzichten Sie dabei auf Medikamente, die als Schlafmittel dienen und weichen Sie lieber auf unterstützende Mittel aus der Naturheilkunde, wie Baldrian, Hopfen oder Melisse aus.

· Versuchen Sie mit einem Spaziergang gegen die Tagesmüdigkeit anzukommen, bevor Sie sich zu einem Mittagsschlaf verführen lassen. Dieser würde die Anpassung nur verlängern.

Fazit

Auch in diesem Jahr wird die Zeitumstellung Körper und Geist wieder auf die Probe stellen. Mit der richtigen Einstellung und einfachen Schlaftricks, wird die Anpassung jedoch zum Kinderspiel.