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08/10/2018 13:12 CEST | Aktualisiert 08/10/2018 13:58 CEST

Schmerzen beim Sex: Ärzte reden den Grund dafür oft klein

Vulvodynie äußere sich in einem scheinbar unerklärlichen, scharfen Schmerz.

irinamunteanu via Getty Images
Laut einer britischen Studie hat eine von zehn Frauen Schmerzen beim Sex – ein Grund dafür ist die Vulvodynie.
  • Viele Frauen haben Schmerzen beim Sex, Gründe dafür gibt es einige. 
  • Einer von ihnen: Vulvodynie – eine Krankheit, mit der auch Depressionen und andere Probleme einhergehen können.

Stellt euch vor, ihr seid gerade leidenschaftlich mit eurem Partner bei der Sache, schafft es gerade noch aufs Bett, helft euch hastig aus der Unterwäsche raus. Gerade als euer Partner dann eindringen möchte, durchzuckt euch ein stechender Schmerz.

► Ein solches Szenario ist für viele Frauen bittere Realität

Laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2017 leidet eine von zehn Frauen an Schmerzen beim Sex. 

Gründe dafür kann es viele geben. Einer davon ist die sogenannte Vulvodynie – eine Krankheit, mit der neben der Schmerzen beim Sex weitere schwere  Beeinträchtigungen einhergehen können. 

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Die Krankheit äußere sich in einem scheinbar unerklärlichen, scharfen Schmerz

“Vulvodynie bezeichnet einen Zustand, in dem Frauen Probleme mit dem Sex haben, weil es am Scheideneingang weh tut”, sagt Frauenärztin Sheila da Liz der HuffPost. Die Krankheit äußere sich in einem scheinbar unerklärlichen, scharfen Schmerz, meist einem Gefühl des Wund-Seins oder Brennens. 

“Zu lokalisieren ist dieser Schmerz dort, wo die feuchten Schleimhäute beginnen, bis hin zu der Stelle, an der das Jungfernhäutchen war”, erklärt die Expertin weiter. 

Vor allem beim Eindringen mit dem Finger oder dem Penis hat die Frau somit starke Schmerzen. Viele Patientinnen können sich nicht einmal einen Tampon einführen. 

Gehen betroffene Frauen mit ihrem Problem zum Arzt, werden sie jedoch oftmals enttäuscht. Häufig scheinen die Schmerzen nämlich selbst für Mediziner unerklärlich. 

Die Patientinnen werden oft in eine Schublade gesteckt

“Ich bin eigentlich kein Freund des Begriffs Vulvodynie”, so Frauenärztin de Liz. “Patienten werden damit oft in eine Schublade gesteckt und es wird nicht mehr weiter nachgeforscht, was die Ursache für die Schmerzen ist. Fakt ist jedoch, dass sie in vielen Fällen schon erklärbar sind.”

Die Expertin weiß genau, was zu tun ist, wenn eine verzweifelte Frau mit Schmerzen ihre Praxis aufsucht – denn mit dem alleinigen Stellen der Diagnose ist das Problem nicht gelöst. 

Die Geschichten, mit denen Frauen zu mir kommen, sind so unterschiedlich wie die Frauen selbst”, so de Liz. Im Einzelfall muss dann nach dem Auslöser der Schmerzen gesucht werden. 

“Wenn eine Patientin mit diesen Symptomen zu mir kommt, dann muss ich zuerst einmal abklären, ob sie unter einer Infektion leidet, beispielsweise Chlamydien”, erklärt sie.

Dies sei jedoch bei weitem nicht der häufigste Grund für eine Vulvodynie.

Meistens ist eine Störung im Hormonhaushalt verantwortlich

“Häufiger liegt der Grund im Hormonhaushalt”, weiß de Liz. “Wenn die Frau in eine Östrogen-Unterversorgung rutscht – beispielsweise in die Wechseljahre kommt oder die falsche Verhütungsmethode anwendet – kann die Scheidenwand ausdünnen. Bei einer Berührung brennt sie dann – und das kann richtig weh tun.”

Sind fehlende Hormone der Grund für die Vulvodynie, sei das sogar relativ leicht zu diagnostizieren. 

“Ein geübtes Frauenarzt-Auge sieht das”, erklärt de Liz der HuffPost. “Betrachtet man die Vulva, ist die Vulvodynie an einer leichten Rötung auf 6 Uhr zu erkennen.” 

► In einem solchen Fall gibt es, laut der Ärztin, mehrere Behandlungsmethoden

► “Die Lösung liegt in einer Korrektur des Hormonhaushalts, auch eine hormonhaltige Salbe kann aufgetragen werden”, so de Liz. Beispielsweise sollten Frauen dann Hormone einnehmen, beziehungsweise die Verhütungsmethode anpassen. 

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“Viele Frauen müssen wieder monatelang lernen, dass Sex Spaß macht”

Doch selbst wenn die Behandlungsmethoden anschlagen, ist für viele Frauen der Albtraum noch nicht vorbei. Sex kann für sie immer noch ein großes Problem darstellen. 

“Selbst nach der erfolgreichen Behandlung leiden viele Frauen noch unter den Folgen der Vulvodynie”, sagt de Liz.

Eine psychische Komponente sei mit den Symptomen der Vulvodynie nämlich stark verflochten.

Die betroffenen Frauen lernen, dass Sex schmerzhaft ist – und diese Konditionierung wieder rückgängig zu machen, kann einige Zeit dauern. Manche Frauen müssen monatelang wieder lernen, dass Sex Spaß macht”, so die Expertin. 

Patientinnen mit Vulvodynie haben oft also einen langen Genesungsweg vor sich. Dennoch ist sicher: Für den Spaß am Sex lohnt es sich, diesen Weg zu gehen. 

(ak)