POLITIK
14/06/2018 16:44 CEST

Russische Abgeordnete warnt Frauen vor Sex mit Ausländern bei der WM

Um Single-Mütter und "Mischlingskinder" zu vermeiden.

Kai Pfaffenbach / Reuters
Junge russische Cheerleaderinnen zum Start der Weltmeisterschaft in Russland.
  • Eine russische Politikerin warnt Russinnen vor Sex mit nicht-weißen Männern bei der WM.

  • Sie fürchtet, die Frauen könnten sonst alleinerziehende Mütter von ethnisch-diversen Kindern werden.

Tamara Pletnyova, die das parlamentarische Komitee für Familien, Frauen und Kinder leitet, warnt russische Frauen vor Sex mit nicht-weißen Ausländern während der WM, weil sie fürchtet, die Frauen könnten alleinerziehende Mütter von ethnisch-gemischten Kindern werden.

Auch sagte sie, dass sogar wenn solche Beziehungen zu einer Ehe führen würden, diese oft schlecht endeten, weil die Menschen im Ausland strandeten. Oder selbst wenn die Menschen in Russland lebten, würden sie nicht zurück zu ihren Kindern kehren.

“Heirat aus Liebe ohne Rücksicht auf Ethnie”

Anton Novoderezhkin via Getty Images
Tamara Pletnyova, russische Politikerin. 

Ihre kontroverse Aussage war eine Antwort auf die Frage eines Radiomoderators nach den sogenannten “Olympia-Kindern” nach den Spielen in Moskau 1980 – eine Zeit, in der Verhütung in Russland noch nicht flächendeckend verfügbar war, berichtete die Nachrichtenagentur “Reuters”. 

Der Begriff wurde zu Zeiten der Sowjetunion verwendet, um die nicht-weißen Kinder von russischen Frauen und Männer aus Afrika, Lateinamerika oder Asien zu beschreiben.

► Viele dieser Kinder werden immer noch diskriminiert.

“Wir müssen unsere eigenen Kinder gebären. Diese (ethnisch-gemischten) Kinder leiden und haben seit Sowjetzeiten gelitten”, sagte Pletnyova dem Radiosender “Govorit Moskva”.

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“Es ist die eine Sache, wenn sie der gleichen Rasse angehören, aber eine andere, wenn sie einer anderen Rasse angehören. Ich bin ja keine Nationalistin, aber trotzdem weiß ich, dass diese Kinder leiden. Sie werden zurückgelassen und das wars. Sie bleiben hier mit ihren Müttern”, sagte sie.

Pletnyova sagte, dass sie möchte, dass die Russen “aus Liebe und ohne Rücksicht auf Ethnie heiraten”.

Warnung vor Krankheiten und illegalen Substanzen

Ein anderer Politiker, Alexander Sherin, unterstützte Pletnyovas These und sagte, ausländische Fußballfans könnten Viren mitbringen und die Russen damit infizieren. 

Im Gespräch mit dem selben Radiosender sagte der stellvertretende Leiter des Verteidigungskomitees des russischen Parlament auch, dass die Russen im Umgang mit Ausländern vorsichtig sein sollten, da diese wohl versuchen könnten, illegale Substanzen beim Wettbewerb in den Umlauf zu bringen.

Tausende Fußballfans aus 31 Ländern reisen zum Turnier, das am heutigen Donnerstag mit einer Eröffnungszeremonie in Moskau startet und mit einem Spiel zwischen dem Gastgeberland und Saudi-Arabien weitergeht.

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Die FIFA und das WM-Organisationskomitee haben bisher noch nicht auf eine Anfrage zu einem Kommentar über Pletnyovas Äußerungen reagiert.

Pletnyova ist Politikerin bei der kommunistischen Partei KPRF, einer Oppositionspartei, die Vladimir Putins Kremel aber in den meisten Themen unterstützt.

Russen sind die größte Volksgruppe in Russland, aber es gibt dutzende Minderheiten sowie eine große Zahl von Arbeitsmigranten aus Zentralasien oder dem Südkaukasus.


Dieser Artikel erschien zuerst in der britischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Moritz Diethelm aus dem Englischen übersetzt.