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12/03/2018 19:06 CET | Aktualisiert 12/03/2018 19:06 CET

Weltfrauentag: Laut werden für Geschlechtergerechtigkeit

Photo by Morgan Basham on Unsplash
Laut werden am Weltfrauentag – denn von wahrer Geschlechtergerechtigkeit sind wir noch weit entfernt.

Ärmer, hungriger, kränker und schlechter gebildet – so in etwa lässt sich der kürzlich erschienene Bericht von UN Women zur weltweiten Geschlechtergerechtigkeit zusammenfassen. Zum Weltfrauentag am 8. März 2018 liegt in Sachen Gleichberechtigung noch einiges im Argen. Eigentlich unglaublich, wenn man sich anschaut, wie oft die Weltgemeinschaft in der Vergangenheit die Gleichstellung von Frau und Mann beteuert hat. Zuletzt 2015 in den nachhaltigen Entwicklungszielen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Ziel 5 lautet: Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen.

Die Zielerreichung wird aber schwierig, wenn weiterhin hauptsächlich Männer in den entscheidenden Positionen sitzen. 2017 waren nicht einmal ein Viertel (23,7 Prozent) der Abgeordneten in Parlamenten weltweit Frauen. Auch Deutschland ist kein glänzendes Beispiel: Im aktuellen 19. Bundestag sind gerade einmal 31 Prozent Frauen vertreten.

Gewalt gegen Frauen – leider Alltag

Dramatisch zeigt sich die Situation beim Thema Gewalt: Mindestens jede dritte Frau hat körperliche, sexualisierte oder psychische Gewalt erfahren –jede Fünfte durch ihren Partner. Da fragt man sich, wie es sein kann, dass es in 49 Ländern kein Gesetzt gibt, das häusliche Gewalt verbietet. 2,2 Milliarden Frauen fehlt der gesetzliche Schutz vor sexueller Belästigung in der Öffentlichkeit. Zahlreiche Berichte in jüngster Zeit zeigen, dass Belästigungen, Übergriffe und Gewalt weltweit und in allen Lebensbereichen von Showgeschäft bis Politik offenbar alltäglich sind. Hätten mehr Frauen eine Stimme bei politischen Entscheidungen und eine stärkere Position in der Gesellschaft, ließen sich vermutlich viele Fälle von Gewalt gegen Frauen verhindern.

Mädchen in der Armuts- und Abhängigkeitsfalle

Laut UN Women stehen Frauen in nahezu allen Lebensbereichen im Schatten der Männer. Insbesondere in den weniger entwickelten Ländern. Meist deshalb, weil sich mit der Armut eine Kettenreaktion von Nachteilen in Gang setzt: Ein Mädchen aus einer armen Familie beispielsweise wird häufig noch als Kind verheiratet. Dadurch ist sie eher gefährdet, vorzeitig die Schule abzubrechen, (zu) früh ein Kind zu bekommen und dabei Komplikationen zu erleiden, die möglicherweise ihr Leben gefährden. Das bedeutet letzten Endes: Mädchen mit schlechten finanziellen Startbedingungen haben kaum eine Chance, der Armutsfalle zu entkommen.

Das macht sie auch anfälliger für eine finanzielle Abhängigkeit von Männern und weniger Mitspracherecht bei Entscheidungen. Gesetze, die Frauen benachteiligen, tun ihr Übriges: So können in 18 Ländern Männer weiterhin ihren Frauen verbieten zu arbeiten (Übrigens: In Deutschland wurde ein ähnliches Gesetz erst 1977 geändert). Wohlgemerkt: bezahlt zu arbeiten. Denn untätig sind Frauen keinesfalls: Sie machen 2,6-mal mehr unbezahlte Pflege- und Hausarbeit als Männer. Doch es gilt die Regel „Wer zahlt, bestimmt die Musik“ – sehr zum Nachteil der Mädchen und Frauen. Beispielsweise kann nur jede zweite der verheirateten oder in einer Partnerschaft lebenden Frauen weltweit frei über ihre sexuellen Beziehungen, Verhütung und Gesundheitsversorgung entscheiden.

Es beginnt mit gesellschaftlicher Gleichstellung und Bildung

Es bringt nichts, Frauen lediglich auf dem Papier den Männern gleichzustellen. Die Veränderung muss in der Gesellschaft, in unseren Köpfen, beginnen. Wenn die große Mehrheit der Bevölkerung Frauen und Männer als gleichberechtigt und gleichwertig anerkennt, steigen auch die Chancen auf bessere Lebensbedingungen für Mädchen und Frauen.

Mädchen und Frauen brauchen eine bessere Bildung. Einerseits schulische Bildung, damit sie später eine gut bezahlte Arbeit finden können. Andererseits brauchen sie auch Wissen über ihre Rechte, damit sie diese einfordern können und so ihre Situation nachhaltig verbessern können.

Wie auch immer die oder der Einzelne zum Weltfrauentag stehen mag – es ist die Chance, um gemeinsam laut zu werden für Geschlechtergerechtigkeit. Für gleiche Rechte und Chancen von allen derzeit lebenden Mädchen und Frauen und für alle, die nach uns kommen!

Photo by Loren Joseph on Unsplash