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17/08/2014 06:34 CEST | Aktualisiert 06/12/2017 23:20 CET

Weingut Steinmetz: Schwarzer Riesling - wilder Wein

Markus Vahlefeld

In der Champagne ist die rote Rebsorte weit verbreitet, in allen anderen Weinbauregionen führt sie ein Schattendasein: der Schwarzriesling oder auch Pinot Meunier. Dass Pinot Meunier in der kühlen Champagne so verbreitet ist, liegt an der Tatsache, dass der Austrieb sehr spät erfolgt, wenn die letzten Fröste bereits vorüber sind. Während die anderen Champagner-Rebsorten wie der Pinot Noir (Spätburgunder) oder Chardonnay durchaus Schäden vom Spätfrost davontragen und die Erntemengen dezimiert werden, kommt der Pinot Meunier unbeschadet davon und liefert stabile Erträge. Auch Winzer brauchen ein wenig Sicherheit.

Pinot Meunier gilt als Ursorte der Burgunderfamilie, steht aber im Schatten seines großen Bruders, des Spätburgunders (oder Pinot Noirs). Letzterer wird in Deutschland auf mehr als 12.000 Hektar Rebfläche angebaut, während der Pinot Meunier gerade mal auf 2.000 Hektar kommt. In Württemberg, das die größte deutsche Anbaufläche vorweisen kann, ergibt der Pinot Meunier einfache Schoppenweine, die eher an Trollinger als an seriöse Rotweine erinnern. Dass Pinot Meunier auch anders kann, beweisen gerade einige junge deutsche Winzer, die den Pinot Meunier im Rebsortenportfiolio ihrer Väter vorfanden und den Ehrgeiz entwickelt haben, zu zeigen, was in ihm steckt. Einer dieser jungen Winzer ist Stefan Steinmetz vom elterlichen Weingut Günther Steinmetz von der Mosel.

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Von der Mosel? Rotwein von der Mosel? Ist das Weinanbaugebiet Mosel nicht berühmt für seine Weißweine vom Riesling? Alles richtig. Aber in den letzten 20 Jahre ist es auch in den Tälern der Mosel, Saar und Ruwer wärmer geworden, so dass auch dort die roten Rebsorten mehr als nur passable Ergebnisse liefern. Kurzum: die roten Burgundersorten sind auch an der Mosel auf dem Vormarsch und wer ein Händchen für Rotweine hat, kitzelt auch aus dem Pinot Meunier wirklich verlockende Weine. Und der junge Stefan Steinmetz hat sogar zwei Händchen für Rotweine. Denn neben dem Pinot Meunier zaubert er auch noch richtig gute Spätburgunder auf die Flasche.

Was die Weine des jungen Stefan Steinmetz verbindet, ist ihr Hang zur Wildheit. Da baut einer seine Weine ganz traditionell aus, mit Spontanvergärung und großen Holzfässern, benutzt keine Schönung und keine Filtration, und schon ist der Gaumen überrascht, ist er doch eher das auf sauber und modern Gemachte gewohnt. Das gilt für die Rotweine vom Weingut Steinmetz wie auch für deren Rieslinge, die natürlich immer noch das Gros des Weinangebots ausmachen.

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Der 2011 Pinot Meunier vom Weingut Günther Steinmetz besitzt ein durchscheinendes Rot und versucht erst gar nicht, im Glas zu funkeln. Das ist sympathisch, weist es doch daraufhin, dass der Wein ohne großartige Filtration abgefüllt wurde. So bleiben einige Trübstoffe im Wein, aber eben auch die ganze Palette an Fruchtaromen. Und die stehen dem Wein außerordentlich gut. Denn Pinot Meunier neigt dazu, rustikale Weine zu ergeben. Und auch der Pinot Meunier von Steinmetz ist kein herausgeputzter Edelmann. Der Wein ist grundehrlich und absolut bodenständig, so dass die Fruchtaromen ihm die nötige Leichtigkeit verleihen. Feine rote Johannisbeeraromen paaren sich mit dem Geruch nach Waldboden, Säure und Körper halten sich gut die Waage und ein dunkler Graphitton verleiht dem Wein spürbare Tiefe. Kein Popstar, eher ein ehrlicher Handwerker ist der Wein, der ein ausgezeichneter Essensbegleiter ist.

Was ich zu dem Wein empfehlen würde? Probieren Sie mit Spinat gefüllte Schlutzkrapfen mit einer Parmesan-Butter-Schmelze und gerösteten Pinienkernen. So geht Genuss!

Dazu: 2011 Pinot Meunier unfiltriert vom Weingut Günther Steinmetz, Mosel. Ab Hof für EUR 9,80, mehr Infos unter: www.weingut-guenther-steinmetz.de/