WIRTSCHAFT
06/03/2018 16:09 CET | Aktualisiert 06/03/2018 18:01 CET

Job: So solltet ihr damit umgehen, wenn ihr im Büro weinen müsst

41 Prozent aller Frauen haben schon einmal bei der Arbeit geweint.

kieferpix via Getty Images
Auch am Arbeitsplatz ist es hin und wieder ganz normal, weinen zu müssen. 
  • Viele Menschen haben schon einmal am Arbeitsplatz geweint – sogar die erfolgreiche Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg
  • Experten sagen: Das ist absolut kein Zeichen von Schwäche

Das Büro ist vermutlich der letzte Ort, an dem man gerne in Tränen ausbricht. Angesichts der Tatsache, wie viel Zeit wir im Büro verbringen, kann es jedoch durchaus manchmal vorkommen.

Sogar Sheryl Sandberg, Geschäftsführerin von Facebook, hat zugegeben, dass sie schon einmal in der Arbeit geweint hat. Sie fordert, dass Tränen am Arbeitsplatz nicht mehr als absolutes Tabu betrachtet werden sollten.

Jeder von uns ist eben ein emotionales Wesen

In einem Interview mit der Tageszeitung “India’s Mint” sagte Sandberg: “Ich glaube nicht wirklich, dass wir von Montag bis Freitag zwischen 9 Uhr und 17 Uhr immer die gleiche Person sind. Und dass wir abends und am Wochenende dann anders sind. Ich bin der Meinung, dass jeder von uns ein emotionales Wesen ist und dass es auch in Ordnung ist, diese Emotionen am Arbeitsplatz zu zeigen.”

Doch nicht alle Frauen teilen Sandbergs Meinung. Laut einer Umfrage in Anne Kreamers Buch “It’s Always Personal: Navigating Emotion in the New Workplace” haben 41 Prozent aller Frauen im Laufe ihrer Karriere bereits irgendwann einmal am Arbeitsplatz geweint.

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Bei den befragten Männern waren es lediglich 9 Prozent. Die meisten der befragten Frauen befürchteten jedoch auch, dass sie durch ihre Tränen ihr Ansehen im Büro gefährden könnten.

“Obwohl Tränen sehr reinigend sein können, haben viele Frauen ein schlechtes Gewissen, wenn sie am Arbeitsplatz in Tränen ausbrechen. Als ob sie in einer Feminismus-Prüfung versagt hätten”, schrieb Kreamer.

“[Frauen] fühlen sich schlechter, wenn sie in der Arbeit weinen müssen. Den Männern hingegen geht es danach besser.”

Tränen sind hin und wieder ganz normal

Und dennoch sollte wohl sogar der strengste Chef Verständnis dafür haben, dass Weinen eine natürliche Reaktion auf äußere Stressfaktoren ist.

Wenn du gerade vom Tod deines Großvaters erfahren hast oder schlechte
Neuigkeiten vom Arzt erhalten hast, ist es ganz normal, dass du emotional darauf reagierst. Auch wenn du gerade in einem Besprechungszimmer im Büro sitzt.

“Dass man auf eine emotional geladene Situation oder auf eine Auseinandersetzung mit Tränen reagiert, wird zum Glück von den meisten Kollegen und Chefs akzeptiert und verstanden”, sagte Teresa Marzolph, Gründerin einer Beratungsfirma, im Interview mit der HuffPost.

“Es ist klar, dass die Kollegen wahrscheinlich nicht mehr ganz so sensibel auf die jeweilige Situation reagieren, wenn man regelmäßig in Tränen ausbricht”, fügte Marzolph hinzu. “Wenn du derjenige bist, der in Tränen ausgebrochen ist, solltest du dich fragen, ob dir so etwas öfter passiert oder ob es ungewöhnlich für dich ist.”

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Wenn du jedoch scharf kritisiert wirst, obwohl deine Tränen vollkommen angemessen waren, könnte dies ein Zeichen für eine schlechte Arbeitsatmosphäre sein, sagte S. Chris Edmonds, HR-Experte (Human Ressources-Experte) und Gründer.

“Wenn in deinem Arbeitsumfeld Verständnis dafür herrscht, dass sowohl die Führungskräfte, als auch die anderen Angestellten manchmal stressige Zeiten durchmachen, lässt dies auf eine gesunde Arbeitsatmosphäre schließen”, so Edmonds.

“Dieses Verständnis bedeutet nicht, dass die Mitarbeiter zum Weinen ermuntert
werden. Es heißt jedoch, dass die Mitarbeiter nicht explizit dazu angehalten werden, ihre Tränen zu unterdrücken. Weinen ist kein Zeichen von Schwäche. Es ist einfach nur eine emotionale Reaktion auf die Arbeit und das Leben.” 

Was zu tun ist, wenn dir die Tränen kommen

Im Folgenden verraten dir Edmonds und andere Experten, was du tun solltest, wenn du im Büro weinen musst ― und wie du reagieren solltest, wenn einer deiner Kollegen im Büro in Tränen ausbricht: 

Wenn dir die Tränen kommen:

 Geh von deinem Schreibtisch weg.

► ”Bei unvorhersehbaren Ereignissen beruhige dich mit folgendem Satz: ’Ich bin jetzt aufgebracht und brauche einen Moment, um meine Gedanken zu sortieren”, meint Marzolph.

Sich die Zeit zu nehmen und sich damit auseinanderzusetzen, dass man aufgewühlt ist, ist ein bewährtes Mittel zur Bewältigung von Wutanfällen. Diese
Methode kann jedoch auf alle emotionalen Reaktionen übertragen werden.

Unsere Gefühle auszublenden, ist laut Marzolph für keinen von uns eine hilfreiche Lösung. “Stattdessen solltest du lernen, dir die Zeit zu nehmen und dich an den richtigen Ort zu begeben, damit du deine Gefühle herauslassen kannst. Du solltest dich erst dann in die Situation zurückbegeben und das Gespräch fortsetzen, wenn du wieder effizient kommunizieren kannst.”

Oft ist es sinnvoll, bestimmte Situationen zu meiden

“Wenn du die ganze Zeit mit den Tränen kämpfen musst, hast du nicht genug Kraft, um klare Gedanken fassen und ausdrücken zu können”, so die Gründerin. 

Wenn du gerade eine schwere Zeit durchmachst, solltest du dir immer wieder Auszeiten gönnen.

Das meint auch Lynn Taylor, Arbeitsexpertin und Autorin: “Wenn du gerade in einer Krise steckst, solltest du so gut wie möglich Situationen vermeiden, die dich noch verletzbarer machen. Wenn du gerade eine schwere Trennung oder eine persönliche Krise mit Familienmitgliedern oder Freunden durchmachst, solltest du schauen, ob du deine Meetings oder Telefonkonferenzen verschieben kannst.”

Je nachdem, wie schwer deine momentane Krise ist, solltest du dir überlegen, ob du dir ein paar Stunden oder einen Tag lang freinehmen kannst. Du selbst kennst deine eigenen Grenzen am besten”, so Taylor. 

Bereite dich gedanklich gut vor

“Wenn du ein emotionaler Mensch bist, solltest du dich auf das vorbereiten, was dir vermutlich bevorsteht. Wenn du im Job keine guten Leistungen erbringst und davon ausgehst, dass demnächst ein Feedback-Gespräch ansteht, solltest du dich bereits vor dem Termin auf das Gespräch vorbereiten”, sagt Gründerin Marzolph.

“Wenn man immer sehr emotional reagiert, kann es mitunter sehr frustrierend sein, dass diese Emotionen einen in der Fähigkeit einschränken, seine Gefühle und Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Aufgrund dieser Frustration muss man oft sogar noch mehr weinen.”

“Und das führt zu einem unangenehmen, schwierigen Kreislauf. In dieser Situation kann es hilfreich sein, sich im Vorhinein auf seine eigene Reaktion vorzubereiten”, ergänzt sie. 

Was zu tun ist, wenn einer deiner Kollegen in Tränen ausbricht

So solltest du reagieren, wenn einer deiner Kollegen in Tränen ausbricht:

► Versuche, dich in seine Stimmung hineinzuversetzen.

► “Du solltest nicht sagen: ‘Lach mal wieder.’ Drücke stattdessen mit ruhiger Stimme dein Mitgefühl aus”, empfiehlt Managment-Psychologe David R. Caruso.

► “Zeige deinem Kollegen, dass du Verständnis hast, indem du beispielsweise sagst: ’Ich kann nachvollziehen, wie es dir jetzt geht.’ Danach solltest du ihm deine Hilfe anbieten und ihn fragen: ‘Gibt es irgendetwas, das ich für dich tun kann?’”, schlägt Caruso vor. 

Wenn dein Kollege lieber allein sein möchte, ist es wichtig, dies erst einmal zu erkennen und dann zu akzeptieren. 

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“Wie du am besten mit der Situation umgehst, hängt ganz davon ab, wie nah du deinem Kollegen stehst. Wenn du einen weinenden Kollegen auf der Toilette antriffst, will derjenige vermutlich gerade lieber allein sein, so Arbeitsexpertin Taylor. 

“Wenn du einem Kollegen helfen willst, der dir sehr nahe steht und mit dem du auch befreundet bist, wäre es am besten, wenn du dich mit ihm zum Mittagessen verabredest. Und wenn er dich darum bittet, kannst du ihm dann Lösungsmöglichkeiten für seine momentanen Probleme unterbreiten”, empfiehlt sie. 

So handelst du als Führungskraft

Wenn du selbst Führungskraft bist, solltest du versuchen, ein verständnisvolles Arbeitsumfeld zu erschaffen.

“Wenn du der Chef bist, solltest du deinen Mitarbeitern die Angst davor nehmen, sich einzuschalten und sich mit den Problemen ihrer Kollegen auseinanderzusetzen”, meint HR-Experte Edmonds.

“Vor allem, wenn es dabei um gesundheitliche oder finanzielle Schwierigkeiten deiner Mitarbeiter geht. Wenn einer deiner Mitarbeiter plötzlich emotional reagiert, solltest du dich mitfühlend zeigen und ihm zuhören.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.