POLITIK
17/07/2018 16:23 CEST | Aktualisiert 17/07/2018 17:38 CEST

Weil Pfarrer zu kritisch sind? AfD erklärt Kirchen in Bayern den Krieg

Auf den Punkt.

Anadolu Agency via Getty Images
Mehrere AfD-Spitzenpolitiker bei einer Demonstration in Berlin.

“Wir wollen (...) unsere abendländische christliche Kultur dauerhaft erhalten”, heißt es im Grundsatzprogramm der AfD. Sätze wie “Das Christentum und sein Erbe sind für das europäische Selbstverständnis und seine Identität unverzichtbar” gehören zum Standardrepertoire vieler AfD-Politiker.

Die Rechten kokettieren mit dem Glauben, um sich von fremden kulturellen Einflüssen, mit Vorliebe dem Islam, abzugrenzen. 

► Im krassen Gegensatz dazu steht jedoch schon lange das Verhältnis, das die Partei tatsächlich zu den Kirchen pflegt.

Bereits vor zwei Jahren warf der bayerische AfD-Landesvorsitzende Petr Bystron den Kirchen in einem Gastbeitrag für die HuffPost vor, mit der Flüchtlingshilfe Milliardengeschäfte zu machen.

AfD-Chef Alexander Gauland äußerte sich ähnlich, beschimpfte den EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm als “irre”.

Nun hat die Partei den Kirchen in Bayern auch ganz offiziell den Kampf angesagt: Im Programm für die Landtagswahl, das am Montag veröffentlicht wurde, fordert die Partei, den Kirchen den Geldhahn zuzudrehen. 

► Der Streit zwischen Kirche und AfD – auf den Punkt gebracht.

AfD will Staatskirchenverträge kündigen

Unter anderem heißt es im Bayern-Programm: “Die AfD will keine staatliche Förderung von Religionsgemeinschaften, sondern eine konsequente Trennung von Staat und Religion in Bayern.”

► Dafür müssten auch die Staatskirchenverträge, die das Verhältnis von Staat und Kirche regeln, gekündigt werden. 

► Der Grund: Kirchen seien “Lobbygruppen” – ihre Unterstützung sei dem Steuerzahler “nicht zumutbar”.

► Weiter heißt es sogar: “Kirchenasyl ist zu unterbinden und die für die eventuelle Gewährung von Kirchenasyl Verantwortlichen sind konsequent strafrechtlich zu verfolgen.”

“Kirchen spielen Rolle wie im Dritten Reich”

Hier deutet sich an, was wohl ein Hauptgrund der Aversion der Rechten gegen die Kirche ist: Im Zuge der Flüchtlingskrise engagierten sich viele Geistliche für Geflüchtete und widersprachen dem Rechtspopulismus der AfD.

► Der Berliner Bischof Markus Dröge etwa sagte der HuffPost“Ich finde, Christen haben in der Partei (AfD, d. Red.) nichts verloren.” 

AfD-Fraktiuonschefin Alice Weidel konterte Ende vergangenen Jahres im “Focus”: “Wir wissen mittlerweile, dass die Amtskirchen, egal ob evangelisch oder katholisch, durch und durch politisiert sind.”

Damit würden weite Teile der Kirchen genau die gleiche Rolle spielen, “die sie auch im Dritten Reich gespielt haben“.

“Jeder Dorfpfarrer wettert gegen die AfD”

Zwischen der AfD und den Kirchen herrscht seither Funkstille.

► Ein AfD-Mann erklärt in der “Süddeutschen Zeitung” anonym die Beweggründe für die bislang schärfste Kampfansage im Wahlprogramm: “Es ist der Wind, der uns aus den Kirchen entgegenweht, jeder Dorfpfarrer wettert gegen die AfD.”

Doch selbst im bayerischen Landesverband gibt es kritische Stimmen gegen den neuen radikalen Kurs.

► Die stellvertretende Landesvorsitzende Katrin Ebner-Steiner aus der AfD-Hochburg Deggendorf nennt den Bruch mit den Kirchen “unglücklich”. Sie selbst ist gläubig, aber glaubt: Im Wahlkampf werde das keine Rolle spielen.

Auf den Punkt:

In Bayern setzt sich der zunehmend harsche Kurs der AfD gegen die christlichen Kirchen fort. Hier fordert die Partei nun, den Zahlung aller öffentlicher Gelder einzustellen. Verwunderlich ist diese Eskalation angesichts der unvereinbaren Positionen beider Instanzen nicht.

(mf)