POLITIK
16/05/2018 17:28 CEST | Aktualisiert 17/05/2018 08:58 CEST

Weidels Wut-Rede im Bundestag: Jetzt meldet sich Dunja Hayali zu Wort

“Es ist Zeit für echte Nachrichten mit Inhalt und nicht für den nächsten ‘Aufreger der Nation’.”

  • Moderatorin Dunja Hayali hat die hetzerische Rede von AfD-Frau Weidel im Bundestag mit nachdenklichen Worten kommentiert.
  • Für sie ist die Rede nur ein Symptom eines tiefersitzenden Problems in der deutschen Spitzenpolitik.
  • Im Video oben seht ihr Weidels Hetz-Rede im Bundestag.

Mit Anstand hatte Alice Weidels Auftritt am Mittwoch im Bundestag nichts zu tun. Und auch mit Politik nur wenig. 

Die AfD-Fraktionschefin nutzte ihre Zeit am Podium vielmehr für polemische Attacken auf Muslime. 

“Burkas, Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse werden unseren Wohlstand und den Sozialstaat nicht sichern”, wütete die AfD-Politikerin.

Sie bezeichnete Flüchtlinge in Anspielung auf die Hoffnung, die

se könnten in die Rentenkasse einzahlen, sarkastisch als “eingewanderte Goldstücke”. 

Und rief zum Abschluss ihrer Rede: “Dieses Land wird von Idioten regiert.” 

Ein unwürdiger Auftritt, zu dem sich nun auch die Moderatorin Dunja Hayali geäußert hat – und das mit nachdenklichen Worten. 

Hayali: “Weidel will ganz bewusst Empörung auslösen” 

“Man wird langsam mehr als skeptisch”, schreibt Hayali auf Facebook. Viele Politiker aller Richtungen würden von einer Spaltung der Gesellschaft reden, von Untergang und Zerfall. 

“Aber dieser Theaterdonner hat schlicht keinerlei Nutzen. Man reizt sich gegenseitig bis aufs Blut, um dann mit großem Getöse aus der Haut zu fahren”, klagt Hayali. 

dpa
Dunja Hayali bei der Internetkonferenz re:publica.

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Ein Problem dabei: Die Empörung über dieses Schauspiel à la Weidel nutze sich ab. Noch schlimmer sei aber, dass für die Bürger bei diesem überhaupt nichts herauskomme – “keine Lösungen, nichts konstruktives, erhellendes, sinnstiftendes, sondern nur noch mehr Irritation für alle.”

Hayali vermisst die Sachlichkeit im politischen Diskurs 

Niemand müsse in der Politik in Watte gepackt werden, schreibt die Moderatorin. Der politische Diskurs lebe auch von Klarheit und Kritik, manchmal auch überspitzter und emotionaler. 

Doch Hayali vermisst die Sachlichkeit in den Aussagen vieler Politiker. “Zurzeit kann man aber den Eindruck bekommen, unser politisches Spitzenpersonal denkt nicht mehr über die möglichen Folgen seiner/ihrer Äußerung nach.”

► Anders könne man sich Christian Lindners Auslassungen über schlecht Deutsch sprechende Kunden beim Bäckereibesuch nicht erklären.

► Oder die grundlose Annahme des Tübinger Bürgermeisters Boris Palmer, ein ihm gefährlich nahe kommender Radfahrer sei sicher ein Asylbewerber gewesen.

► Oder den Kreuzzug gegen “Abschiebe-Saboteure” in Bayern. 

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Ein Kampf Feuer gegen Feuer – oder eine neue Fahrlässigkeit? 

“Es wird Zeit für ein neues Verantwortungsgefühl”, schreibt Hayali. Derzeit habe es den Anschein, als wollten viele Politiker im Umgang mit der AfD “Feuer mit Feuer bekämpfen”. 

Hayali deutet an, dass sie glaubt, dass dieser Kampf politisch gewollt sei. Sie fragt sich, ob die aufbrausenden Reaktionen auf die Provokationen der AfD nur Ausdruck einer neuen Fahrlässigkeit seien. Und antwortet: “Das kann man kaum glauben, angesichts der langjährigen Erfahrung in politischen Spitzenämtern.”

Politiker sollten ihre Aussagen besser zweimal prüfen, bevor sie diese tätigen.  

“Es ist Zeit, Wahrheiten zu benennen, ohne andere gleichzeitig zu diffamieren”, schließt Hayali ihren Beitrag. “Es ist Zeit für echte Nachrichten mit Inhalt und nicht für den nächsten ‘Aufreger der Nation’.”