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22/05/2018 10:13 CEST

Wegen Erdogan-Treffen: Kolumnist nennt Özil und Gündogan dumm

Der Autor ist für seine harmlos daherkommenden Provokationen bekannt.

Anadolu Agency via Getty Images
Geschenk für einen Despoten: Nationalspieler Mesut Özil überreichte dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am 13. Mai in London sein Trikot. 
  • Der Kolumnist Harald Martenstein hat sich in einem Artikel für den “Tagesspiegel” über Mesut Özil und Ilkay Gündogan ausgelassen. 
  • Der bekannte Autor nannte die die beiden Nationalspieler wegen ihres Erdogan-Treffens dumm – aber nahm sie auch in Schutz. 

Harald Martenstein hat der Welt viel zu sagen. Über die Belanglosigkeiten des Alltags, wie das Reisen oder die Mode oder Saftschorlen. Über das Elternsein und andere Komplikationen. Und eben auch über die Politik

Martensteins Ton ist dabei stets einer, der zwischen dem Nachdenklichen und dem Zerstreuten mäandert. Man könnte den Stil des Kolumnisten als harmlos provokant bezeichnen, als pantoffelig weltumfassend. 

Martenstein kann so sehr unangenehm sein. Wenn er etwa das Öffentlich-Rechtliche als DDR-Fernsehen diffamiert. Oder wenn er nicht versteht, warum man für Transsexuelle seine öffentlichen Toiletten umbauen will, obwohl das niemand so richtig will. 

► Manchmal fühlt Martenstein Wahrheiten mehr, als dass er sie erkennt. 

Das lässt sich auch in einem neuen Text des Autors für den “Tagesspiegel” bemerken. Er handelt von Mesut Özil, Ilkay Gündogan und Integration. Martenstein findet: Die beiden Kicker sind dumm. 

Aber: Alles halb so schlimm, findet Martenstein. 

Martenstein: Auch Özil und Gündogan müssen sich an die Regeln halten

Denn er hat von Özil und Gündogan offenbar nicht viel anderes erwartet, als sich mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zu treffen. 

″Özil und Gündogan sind durchaus gut integriert”, schreibt Martenstein. “Mit ihrer Dummheit integrieren sie sich bestens in eine lange Liste deutscher Nationalspieler, die ebenfalls dummes Zeug geredet haben.”

Für Martenstein sind Özil und Gündogan Regelbrecher. Integration bedeute nicht, dass sich jeder in einen hundertprozentigen Einheimischen verwandeln müsse.

► Es bedeute: Sprache lernen, sich etwas aufbauen und die Regeln und Sitten der Einheimischen respektieren. 

Durch ihr Treffen mit Erdogan hätten die beiden Fußballspieler eben das jedoch nicht getan – sie hätten stattdessen die Regeln ihres Geburtslandes, dem sie viel zu verdanken hätten, gebrochen. 

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Zwei Herzen schlagen, ach, in Özils und Gündogans Brust

Aber auch das findet Martenstein eigentlich gar nicht so dramatisch. Er könnte zwar die Fans verstehen, die sich über den Erdogan-Eklat der beiden Nationalspieler empörten. 

“Trotzdem sollte man diese Sache niedriger hängen, sie ist eine Lappalie”, schreibt der Autor. Und zeigt auch Verständnis: “Herz und Hirn sind groß genug, um mehreren Loyalitäten Platz zu bieten.” 

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Für Özil und Gündogan gilt das laut Martenstein sicherlich. Er macht sich eher Sorgen um andere Einwanderer nach Deutschland.

► Die Bundesrepublik wachse jedes Jahr um die Menge der Einwohner einer Großstadt, und in dieser Menge macht sich Martenstein um die Loyalität zur Bundesrepublik dann doch Sorgen. 

Bei der Merkel-Regierung sieht er da auch keine Lösung. Allerdings auch nicht bei Alice Weidel. Mit Aussagen etwa über “Kopftuchmädchen” arbeite die AfD-Politikerin “aktiv gegen Integration und gegen die Leitkultur ihres Landes.” 

Nein, glaubt Martenstein, die Antwort auf Einwanderung müsse immer differenziert ausfallen. 

Stimmt. 

(ll)