WIRTSCHAFT
09/03/2018 18:12 CET | Aktualisiert 10/03/2018 18:25 CET

Was Trumps Strafzölle für Deutschland bedeuten

Auf den Punkt gebracht.

Jonathan Ernst / Reuters
Trump wirbt mit dem neuen Protektionismus. 

Das Klatschen im Oval-Office war noch nicht verhallt, da machte sich in Europa bereits Hysterie breit. US-Präsident Donald Trump erhebt Strafzölle. Von einem “gefährlichen Irrweg” spricht Ifo-Chef Clemens Fuest – und gehört damit noch zu den weniger aufgeregten Mahnern. 

Trump droht mit einem Handelskrieg gegen Europa – und feiert sich für seinen mutmaßlichen Einsatz für die heimische Wirtschaft. Die Signatur des Dekrets gerät zur Inszenierung für die Weltgemeinschaft.

America First ist jetzt Programm. Und in Deutschland wächst die Angst vor den Folgen für die Exportwirtschaft. Doch wie genau werden sich die Zölle überhaupt auswirken? Wir haben es auf den Punkt gebracht.

Was ändert sich durch Trumps Proklamation?

► Die USA erheben auf Stahl einen Zoll von 25 Prozent.

► Auf Aluminium fällt künftig eine Abgabe von 10 Prozent an.

Was sind die Gründe für die Entscheidung?

Der US-Präsident lässt zwei Motivationen durchblicken, wieso er gegen die Handelsschranken hochfährt.

► 1. Donald Trump will die US-Handelsbilanz zu Europa ausgleichen.

Die Defizite der US-Wirtschaft liegen bei rund 150 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Trump hat in der Vergangenheit mehrfach angekündigt, gegen die europäischen Überschüsse vorzugehen – und auch Deutschland in diesem Zusammenhang explizit als “böse” bezeichnet.

► 2. Er will Europa in Nato-Fragen zur Verantwortung ziehen.

Auch politisch versucht Trump, den Schritt zu erklären. “Wenn man sich die Nato anschaut, wo Deutschland ein Prozent zahlt, und wir zahlen 4,2 Prozent von einem viel größeren Bruttoinlandsprodukt, das ist nicht fair”, sagte Trump.

Offenbar glaubt der Republikaner, Deutschland und Europa durch wirtschaftlichen Druck zu mehr Engagement bewegen zu können.

Wie schwer trifft das die deutsche Wirtschaft?

Zunächst treffen die Importzölle nur die deutsche Stahl- und Leichtmetall-Industrie.

► Von den Waren im Wert von 111,5 Milliarden Euro, die deutsche Firmen im vergangenen Jahr in die USA exportiert haben, machen Stahlexporte nur rund eine Milliarde Euro aus.

► Betroffene Waren aus Aluminium und  Leichtmetall kommen auf rund 576 Millionen Euro.

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-DiBa, sagt der HuffPost: “Der reine konjunkturelle Effekt wird zunächst begrenzt sein.” Aber auch der Mehrwert für Donald Trump sei dementsprechend gering.

Dazu komme, dass deutscher Stahl über hohe Qualität verfüge, die in den USA nur selten erreicht werde. 

Auch der Makroökonom Paul J. J. Welfens von der Universität Wuppertal erklärt der HuffPost: “Deutschlands Stahlfirmen sind wegen der hochgradigen Spezialisierung relativ gut aufgestellt und dürften ihre US-Preise erhöhen - etwa um die Hälfte des Importzollsatzes.”

Warum gibt es dennoch Grund zur Sorge?

1. Der Zeitpunkt ist für Deutschland schwierig

Dennoch gibt es Gründe für die Sorgen der Industrie. 

Welfens warnt: Für Deutschlands Stahlfirmen drohen mit Brexit und Trump gleich zwei Negativimpulse von Gewicht.

“Die USA und Großbritannien sind für den deutschen Stahlexport direkt und indirekt - bei Stahlverarbeitungsprodukten wie Autos und Maschinenbauprodukten - die wichtigsten beiden Auslandsmärkte”, erklärt der Ökonom.

2. Es könnte ein Handelskrieg drohen, wenn die EU antwortet

Die EU spielt mit den Muskeln. Sie könnte als Vergeltung ihrerseits mit Zöllen gegen die USA reagieren.

Dann wiederum – das hat Trump schon jetzt angekündigt – will der US-Präsident auch den Import von Autos besteuern: mit 25 Prozent. “Glaubt mir, dann machen sie es nicht sehr lange”, wütete Trump.

“Wer Trump und seinen Handelsberater Peter Navarro kennt, weiß, dass das erst der Anfang sein könnte. Navarro redet seit fast 15 Jahren von einem Handelskrieg mit China”, erklärt ING-DiBa-Chefsvolkswirt Brzeski.

Das könnte der finale Schritt zu einer weit protektionistischeren Welt sein. “Und dann ist jede Panik gerechtfertigt”, findet der Experte.

Wie ernst wird es jetzt also für die Autohersteller?

25 Prozent Zollabgaben wäre für deutsche Autobauer eine schlimme Nachricht.

► 494.000 deutsche Autos wurden im vergangenen Jahr in die USA exportiert.

Für einzelne Standorte wären die Zölle besonders schlimm: Jeder fünfte Job bei Porsche und BMW Leipzig hängt etwa am US-Export. Für rund 800 Beschäftigte könnte Trump zum Job-Killer werden.

► Porsche gehört ohnehin zu den am stärksten betroffenen Firmen. Wie auch auch Audi betreibt der Luxusauto-Hersteller kein eigenes Werk in den USA.

► Audi wiederum hat wie auch BMW einen Vorteil: Die Unternehmen produzieren auch in Mexiko Autos. Beim Stahldekret ist Mexiko (genau wie Kanada) von den Zöllen ausgenommen. 

Wie sollte Deutschland reagieren?

Experte Welfens sieht die GroKo vor schwierigen Aufgaben.

► Er findet: “Die neue Bundesregierung sollte zusammen mit Frankreich eine neue Initiative starten, um das unter Obama nicht fertig ausgehandelte TTIP-Freihandelsabkommen EU-USA neu anzugehen.” 

Dabei könnte man dies als Ausgangspunkt nehmen, um sich zusammen mit den USA gegenüber China bei Direktinvestitionen besser zu positionieren.

“Mögliche Strafmaßnahmen der EU sollten klüger ausfallen, als ausgerechnet Harley-Davidson-Motorräder einem Strafzoll zu unterwerfen, die wenig EU-Substitute finden werden.”