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26/11/2018 10:49 CET | Aktualisiert 26/11/2018 10:49 CET

Was taugt die neue Amazon-Kreditkarte?

Für Amazon ist die Karte in erster Linie ein Mittel, um die wertvollen Prime-Kunden noch enger an sich zu binden.

Wenn Amazon mit einem neuen Angebot in den Markt drängt, halten ganze Branchen den Atem an. Mit einer Neuauflage seiner schon bekannten Visa-Kreditkarte adressiert der US-Handelsgigant nun ganz gezielt seine Prime-Kunden. Doch wie gut ist die Amazon Prime Visa? Für wen lohnt sich die neue Kreditkarte?

Adobestock/Ivan Kruk
Mit seiner neuen Kreditkarte will Amazon seine wertvollen Prime-Kunden noch enger an sich binden.

 

Kein neues Girokonto nötig

Wie bei seiner bisherigen Kreditkarte arbeitet Amazon auch bei der Prime Visa mit der Landesbank Berlin (LBB) zusammen. Kunden müssen dort aber nicht extra ein neues Konto eröffnen. Jedes Girokonto im europäischen Zahlungsraum (SEPA) kann als Referenzkonto genutzt werden.

Die Amazon Prime Visa bietet eine Teilzahlungsfunktion. Mindestens zehn Prozent des Kreditkartenumsatzes werden monatlich vom Konto abgebucht. Für den Rest fallen monatlich 14,98 Prozent Kreditzinsen an.

Wer das nicht möchte, kann im Kundenkonto die monatliche Abbuchung des vollständigen Betrags einstellen – eine empfehlenswerte Option. Die Amazon Prime Visa ermöglicht kontaktloses Bezahlen via NFC.

Ein Instrument zur Kundenbindung

Für Amazon ist die Karte in erster Linie ein Mittel, um die wertvollen Prime-Kunden noch enger an sich zu binden. Die Prime Visa kommt mit 70 Euro Startguthaben für Amazon-Einkäufe ins Haus. Für Prime-Abonnenten bleibt sie dauerhaft kostenfrei.

Die Prime Mitgliedschaft kostet derzeit 7,99 Euro monatlich oder 69 Euro Jahresbeitrag. Wer seine Mitgliedschaft auslaufen lässt, kann die Kreditkarte zwar weiter nutzen. Doch dann kostet die Prime Visa 19,99 Euro im Jahr.

Wie gut ist die Konkurrenz?

Kostenlos Geld abheben können Verbraucher mit der Amazon Prime Visa nicht. Die Gebühren für Barabhebungen belaufen sich auf drei Prozent der abgehobenen Summe, mindestens jedoch 7,50 Euro.

Im Ausland beträgt die Mindestgebühr nur 5 Euro. Dafür kommt außerhalb der Euro-Zone noch ein sogenanntes Auslandseinsatzentgelt in Höhe von 1,75 Prozent hinzu.

Einige Konkurrenzprodukte ermöglichen weltweit kostenlose Barabhebungen – zum Beispiel die kostenlosen Visa-Karten der ING-DiBa oder den DKB. Für beide wird allerdings ein Konto bei der jeweiligen Bank benötigt.

Wer nicht extra ein neues Girokonto eröffnen will, kommt unter anderem mit der Barclaycard Visa oder der Santander 1plus Visa überall auf dem Globus kostenlos an Bargeld. Beide Kreditkarten kommen ohne Jahresgebühren aus.

Quelle: Amazon/Verivox (Stand: 30.10.2018)

So funktioniert das Bonusprogramm

Dafür bietet die Amazon Prime Visa ein umfassendes Bonusprogramm. Prime-Mitglieder erhalten für ihre Einkäufe beim Online-Händler drei Punkte pro vollem Euro Umsatz. Kunden ohne Prime-Abo erhalten nur zwei Punkte. Die Bonuspunkte können für zukünftige Amazon-Einkäufe eingesetzt werden und haben einen Gegenwert von einem Cent.

Prime-Kunden erhalten somit Bonuspunkte im Wert von drei Prozent des Umsatzes. Auch Kartenzahlungen außerhalb der Amazon-Welt bringen Punkte. Hier gibt es einen Bonuspunkt pro vollen zwei Euro Umsatz. Das entspricht einem Rabatt von 0,05 Prozent.

Die gesammelten Punkte können allerdings nicht für alle Angebote des Versandhändlers genutzt werden: Ausgeschlossen sind Kindle eBooks und Downloads, MP3s, Video-Titel, Games- und Software-Downloads, Appstore Apps, Prime-Mitgliedschaften, Spar-Abo-Artikel, Vorbestellungen sowie Bestellungen bei Prime Now und über 1-Click.

Angebot mit Licht und Schatten

Trotz dieser Einschränkung dürfte das Bonusprogramm manch einem Prime-Kunden attraktiv erscheinen. Wer sehr viel bei Amazon bestellt, kann profitieren. Doch Vorsicht:

Niemand sollte im Punktesammelfieber auf einen ausführlichen Preisvergleich verzichten – insbesondere bei größeren Anschaffungen. Denn der Rabatt durch die Bonuspunkte gleicht den Preisunterschied zum günstigsten Händler in vielen Fällen bei weitem nicht aus.

Ein Nachteil der Prime Visa sind die vergleichsweise hohen Kosten für Barabhebungen. Auch die jährlichen Gebühren für Karteninhaber ohne Prime-Abo stoßen sauer auf.

Wer sich etwas umsieht und die Konditionen mehrerer Angebote vergleicht, findet Kreditkarten, die ohne Wenn und Aber kostenfrei sind und die ohne Gebühren für Bargeldauszahlungen auskommen.