POLITIK
11/02/2018 22:37 CET | Aktualisiert 12/02/2018 17:42 CET

Was Erdogan in Syrien vorhat, zeigt ein einfacher Blick auf die Karte

Es war eine tödliche Woche.

  • Die türkische Armee weitet ihre Offensive im Nordwesten Syriens aus
  • Sie will zwei Einflusszonen in dem Land durch einen Korridor verbinden
  • Im Video oben: Erdogan schickt erste Truppen nach Idlib

60 schwer gepanzerte Fahrzeuge sollen es gewesen sein, die sich in der Nacht zum Sonntag auf den Weg gemacht haben – an die türkisch-syrische Grenze.

Die Türkei weitet ihre Offensive gegen die Kurden im Nordwesten Syriens weiter aus. Mehr als ein Dutzend türkische Soldaten waren im Kampf gegen die Miliz YPG in der vergangenen Woche gefallen. 31 Tote zählt Ankara seit Beginn der Operation Olivenzweig. 

Immer wieder steigen türkische Jets auf, bombardieren kurdische Stellungen und Dörfer, auch Zivillisten kommen zu Schaden. Familien suchen in Kellern Schutz, trotzdem gab es wohl auch in den vergangenen Tagen wieder rund ein Dutzend Tote.

► Für was das alles? Wer sich die Truppenbewegungen und Angriffe der vergangenen Tage genauer ansieht, beginnt zu verstehen, was der Schlachtplan der Regierung unter Präsident Recep Tayyip Erdogan ist.

Die Türkei will einen Korridor nach Idlib

Ankara will den Einfluss der Miliz YPG an der Grenze zum eigenen Land beenden. Die Türkei sieht die YPG als verlängerten Arm der kurdischen Arbeiterpartei PKK, den Norden Syriens somit als “Rückzugsort für Terroristen”.

Bereits mit der Operation Euphrat-Schutzschild hat die Türkei im August 2016 begonnen, Teile Nordsyriens unter die Kontrolle verbündeter Sunni-Rebellen zu bringen. In Idlib verwaltet die Türkei zudem eine der international ausgehandelten Schutzzonen.

Nun, so scheint es, sollen türkische Truppen die beiden Gebiete verbinden.

Abdulla Hawez, Journalist und Syrien-Analyst, erklärt der HuffPost: “Sie wollen die Gebiete zu einer Art verbundenen Oppositionsregion machen.”

Einem Gebiet, das die von der Türkei unterstützte Freie Syrische Armee kontrolliert. Eine heterogene Gruppe von Anti-Assad-Rebellen, in Teilen islamistisch, in Teilen dschihadistisch geprägt.

Die türkische Armee arbeitet daran, einen dünnen Gürtel Land um das YPG-kontrollierte Gebiet der Region Afrin (gelb) zu ziehen, der die Euphrat-Schutzschild-Eroberungen (grün)  mit der Region Idlib verbindet.

Mehr zum Thema: Erdogan beginnt große Offensive im syrischen Idlib

Das zeigt auch diese Karte, die die letzten Zusammenstöße von türkisch geführten Truppen und YPG-Kämpfern sowie türkische Luftangriffe zeigt.

Liveuamap
Quelle: https://syria.liveuamap.com/

Türkei könnte Flüchtlinge umsiedeln

Eine solche Verbindung hätte für Ankara mehrere Vorteile.

► Bislang führt der einzige Weg, Truppen und Material zu verschieben, über die Türkei. Nicht nur müssen FSA und türkische Soldaten hier riesige Umwege in Kauf nehmen. Auch besteht ein enormes Sicherheitsrisiko für die Türkei.

Ein Verbindungskorridor könnte die Mobilität der türkisch geführten Rebellen in Syrien enorm erhöhen.

► Zum anderen würde eine Eroberung der letzten Grenzgebiete im Nordwesten des Landes die Türkei ihrem Ziel deutlich näher bringen, eine Pufferzone zur eigenen Grenze zu errichten.

► Und, auch das hält Experte Hawez für möglich, die Türkei könnte planen, syrische Flüchtlinge aus der Türkei wieder in das Gebiet Idlib umzusiedeln.

Über dreieinhalb Millionen Syrer sollen sich derzeit noch in der Türkei aufhalten.

Hamza-Division schließt sich Operation an

Bis es so weit ist, werden noch viele Magazine verschossen werden. Darauf deutet derzeit vieles hin.

Am Sonntag sollen Teile der Hamza-Brigade, einer Unter-Division der FSA, sich von Osten türkischen Kämpfern angeschlossen haben, die weiter in die Region Afrin vordringen.

(sk)