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24/02/2018 16:39 CET | Aktualisiert 24/02/2018 16:39 CET

Was bekommt man für eine Olympiamedaille?

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Originalartikel in voller Länge finden sie hier: 

Nach den Skandalspielen von 2014 im russischen Sotschi kämpfen seit dem 8. Februar dieses Jahres insgesamt 2.920 Athleten um Gold, Silber und Bronze im südkoreanischen Pyeongchang (평창). Neben der Anerkennung herausragender Leistungen im Spitzensport bedeutet der Gewinn einer Olympiamedaille auch einen finanziellen Nutzen für die Athleten. Doch wie viel Wert ist nun eine Olympiamedaille und hat ein Olympiasieg automatisch einen Geldsegen in Millionenhöhe zur Folge und somit der Athlet fürs Leben ausgesorgt?

 

Eines vorweg: Nicht alles was glänzt ist Gold! Während Ski-Ass Marcel Hirscher nach dem Gewinn seiner bereits zweiten Goldmedaille dieser Olympischen Spiele Alles und Jeden überstrahlt, wurde er mehr oder weniger mit demselben Edelmetall wie der Zweitplatzierte geehrt. Erstmals 1904, aber nur bis zu den Olympischen Spielen in Stockholm 1912 bekam der Sieger tatsächlich eine Medaille aus echtem Gold umgehangen. Danach wurden die Spiele um weitere Disziplinen und Mannschaftssportarten ausgeweitet und das Edelmetall schlichtweg zu teuer. Beim aktuellen Goldpreis von rund 1.340 Dollar je Unze (oz), würde der reine Materialwert einer Goldmedaille bei etwa 23.600 Dollar liegen und die siegreichen Athleten bei Mannschaftssportarten wie Eishockey rund eine Viertelmillion Dollar um den Hals tragen. Eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang besteht aus demselben Material wie die Silbermedaille – zum überwiegenden Anteil aus Silber. Darüber ist sie mit einer dünnen Goldschicht in der Feinheit von 999,9 überzogen und erfüllt gerade einmal die Mindestanforderungen des Olympischen Komitees. Sie besagt, dass eine Goldmedaille, bei Olympischen Sommer- und Winterspielen mindestens 6 gramm Gold zu enthalten hat. Bei einem Gesamtgewicht von 586 gramm liegt der Silberanteil einer Goldmedaille aus Pyeongchang daher bei 580 gramm. Abgesehen vom vorhin erwähnten Goldanteil besteht die Silbermedaille aus dem identen Material. Und eine Bronzemedaille? Der Dritte am Podest trägt weder Gold noch Silber um den Hals. Seine Medaille glänzt zwar fast so schön wie Gold, besteht aber überwiegend aus Kupfer und Zink. Den Gewinn einer Goldmedaille als rein ideellen Wert anzusehen ist sicherlich zu tief gegriffen, aber mehr als ein paar Hundert Euro würde man dafür sicher nicht bekommen. Vorausgesetzt man bewertet nur den Materialwert und nicht die Bedeutung der Auszeichnung an sich. Auf hochdekorierte Olympiaathleten wartet zwar nicht automatisch ein reich gefülltes Bankkonto, aber mit leeren Händen endet die Reise trotzdem nicht – zumindest für das Gros der Athleten. Dennoch: Während für die Spieler der deutschen Fußballnationalmannschaft im Falle einer erfolgreichen Titelverteidigung bei der kommenden Fußballweltmeisterschaft ein Millionenbetrag als Gewinnsumme winkt, fallen die Preisgelder für Olympiaathleten mehr als bescheiden aus.

Ehre, Ruhm und manchmal Geld für die Athleten

In Österreich gibt es auf einen gebürtigen Empfang in der Heimat noch obendrauf ein Philharmoniker-Silbermünzenset. Für Gold gibt es 17.000€, für Silber 13.000€ und Bronze immerhin noch 11.000€.

Bedeutend höher fällt der Betrag im Heimatland des Veranstalters der aktuellen Winterspiele aus. Hier gibt es für einen Olympiasieg eine Million Won pro Monat. Lebenslang! Trotzdem reicht das wohl kaum für ein Leben im Luxus aus, sind das umgerechnet lediglich 747€. Als Aufbesserung des Monatsgehalts aber trotzdem nicht schlecht!

Schon wesentlich besser sieht die Situation in Italien aus: Ein Olympiasieger bekommt dort stolze 150.000€ sofort und die ersten vier Jahre nach dem Olympiasieg jährlich 30.000€ zusätzlich. Für eine Bronze- und Silbermedaille gibt es eine ähnlich gestaffelte Regelung. Reichlich Geld für die Dolce Vita.

Gestaffelt ist die Regelung ebenfalls, wenn auch etwas anders, in den Niederlanden: Dort bekommt man für eine erkämpfte Goldmedaille von Pyeongchang25.500€. Sollte man aber bei denselben Spielen noch weitere Male das goldene Metall um den Hals gehängt bekommen, fällt die Siegesprämie für jeden weiteren Olympiasieg geringer aus. Würde der Eisschnelllauf-SuperstarSven Kramer zweimal Gold holen, bekäme er für die zweite Medaille nur noch eine Siegesprämie von 16.830€, bei der dritten gar nur mehr 8.415€. Ob das niederländische System eine Abwertung der Leistung darstellt, könnte per se einen Grund zur Diskussion darstellen. Trotzdem werden Sportgrößen wie Kramer wohl nicht so schnell am Hungertuch zu nagen haben.

Im ehemaligen sowjetischen Staat Lettland ist der Gewinn einer Goldmedaille 140.000€ wert.

Auch beim Nachbarn Litauen kann die Siegesprämie zu einem zusätzlichen Motivationsschub verhelfen. Der Sieger bekommt dort nicht nur eine Prämie von umgerechnet etwa 115.800€, sondern einen Neuwagen obendrauf.

In Bulgarien setzt man auf Zählbares. Dort ist man als Olympiagewinner über Nacht um satte 127.000€ reicher.

Ähnlich zu Südkorea haben eine Reihe weiterer Staaten eine Art Rentenmodell vorgesehen. Ein Goldgewinn soll zur Absicherung für den Lebensunterhalt im Alter sorgen. Besonders gut erwischt es hierbei die polnischen Wintersportler. Neben einer einmaligen Siegesprämie von umgerechnet 50.000€ bekommt ein jeder Medaillengewinner eine monatliche Rente ab dem 40. Lebensjahr von 2.600 Zloty zusätzlich – also rund 620€ und dazu noch steuerfrei. Bei einem Durchschnittsverdienst von lediglich 1.000€ brutto im Monat ein fürstliches Preisgeld.

Im Wintersport sicherlich eine der ganz großen Nationen, aber bei Siegesprämien etwas knausrig ist Deutschland. Während Joachim Löws Fußballer um Manuel Neuer und Co. im Falle einer erfolgreichen Titelverteidigung bei der Fußball WM in Russland eine Siegesprämie von 350.000€ pro Spieler bekommen, müssen sich die olympischen Goldmedaillengewinner von Pyeongchang mit einer Siegesprämie von 20.000€ begnügen. Für Silber und Bronze gibt es gar nur 15.000€ beziehungsweise 10.000€. Das ist nur geringfügig über den Prämien im Nachbarland Österreich. Aber hier, wie auch dort wird das geringere Preisgeld niemanden in die Armut stürzen. Zusammen mit allen Nebeneinkünften, die nicht selten die Direkteinnahmen aus dem Sport deutlich übersteigen, lässt es sich sehr gut leben und für die finanzielle Absicherung für ein Leben nach dem Spitzensport ist ebenfalls gesorgt. Trotzdem wird auch hier zurzeit diskutiert, ob man das Preisgeld nicht besser ebenfalls in ein Rentenmodell einfließen lässt.

Mehr ist immer mehr – besonders in den USA. Dank der Abschaffung einer Siegessteuer unter dem ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama von 50% bis zum Gewinn von 37.500€ für eine Goldmedaille, bleibt den Athleten deutlich mehr im Geldbörsel. Trotzdem dürfte diese Summe für Superstars wie Lindsey Vonn kaum mehr als ein Taschengeld bedeuten. 

Und manchmal auch nur Ruhm und Ehre

Und wer bekommt am wenigsten? Gar nichts, zumindest nichts Zählbares am Bankkonto bekommt man für einen Olympiasieg in Schweden und Norwegen. Bei den Olympischen Sommerspielen in Rio verschenkte das schwedische Komitee nur die Olympia-Maskottchen an die Sportler. Das dürfte auch diesmal so sein: Soohorang (수호랑) und Bandabi (반다비). Auch in Norwegen ist kein Geldregen zu erwarten, dafür qualifiziert man sich für ein Sportstipendium in der Höhe von maximal 12.000€ für das darauffolgende Jahr. Dieser Betrag reduziert sich, wenn der Sportler mehr als 50.000€ im Jahr verdient – und das trifft fast auf jeden der norwegischen Stars zu!

Bei den Norwegern zählt der Olympische Gedanke besonders viel. Zumindest augenscheinlich

Auch wenn die russischen Athleten nach dem staatlich angeordneten Dopingskandal von den Olympischen Winterspielen in Sotschi nur unter der neutralen Flagge starten dürfen, haben erfolgreiche russische Wintersportler eine Prämie von der Putin-Regierung zu erwarten. Vier Millionen Rubel (56.700€) gibt es für Gold und dementsprechend weniger für eine Silber- und Bronzemedaille. Zusätzlich gibt es von der jeweiligen Heimatregion oftmals noch weitere Siegesprämien und obendrauf noch ein Luxusauto.

Von Prämien wie in der NBA, NHL oder Formel 1 sind die Wintersportler zwar weit entfernt, trotzdem ist die Höhe des Verdienstes eng mit der Popularität der jeweiligen Sportart verbunden. Dabei können Einkünfte aus Sponsor- und Werbeverträgen die jeweiligen Preisgelder um ein vielfaches übersteigen und sind weit mehr als nur lukrative Nebeneinkünfte. Damit verdienen Stars wie der US-amerikanische Snowboarder Shaun White mehr als zehn Millionen Dollar im Jahr. Während viele Athleten aus den kommerziell eher unbedeutsamen Disziplinen wie Curling aufgrund von fehlenden Werbe- und Sponsorenverträgen trotz Medaillengewinn noch einer Haupttätigkeit im klassischen Sinne nachgehen müssen, wären Weltstars wie Lindsey Vonn, Shaun White oder Marcel Hirscher auch ohne den Gewinn einer Olympiamedaille finanziell mehr als ausreichend abgesichert.