POLITIK
08/03/2018 18:20 CET | Aktualisiert 08/03/2018 20:10 CET

Warum wir keinen Weltfrauentag brauchen

Dieser Tag setzt kein Zeichen. Er ist zynisch.

xavierarnau via Getty Images
Gleichberechtigung statt Duftkerzen im Sonderangebot – das wäre mal was.

Als ich heute morgen zur Arbeit gekommen bin, lag keine Blume auf meinem Schreibtisch, nicht einmal ein Rasierer von Rossfrau. Niemand hat mir gesagt, dass ich toll aussehe oder mir gratuliert, weil doch Weltfrauentag ist.

Zum Glück. 

Es gibt viele ernsthafte Probleme in der Gesellschaft, mit denen wir Frauen konfrontiert sind. Dass wir am Weltfrauentag zu wenige Blumen und keinen Rasierer geschenkt bekommen, gehört nicht dazu. 

Und doch scheinen genau das viele Unternehmen zu denken – die Frauen am heutigen Tag ein Blümchen auf den Schreibtisch legen oder Duftkerzen in ihrer Supermarktkette billiger anbieten, zum Beispiel. 

 

 

Die Drogeriemarktkette Rossmann hat sich anlässlich des Weltfrauentages sogar in Rossfrau umbenannt. 

Und auf Twitter fühlen sich nicht wenige Männer dazu berufen, unter dem Hashtag Weltfrauentag zu verkünden, dass Frauen und Frauenrechte und so echt ganz, ganz wichtig für die Gesellschaft sind. 

Klar, das und dieser Weltfrauentag mag gut gemeint sein. Aber gut gemeint ist eben oft schlecht gemacht. 

Der Weltfrauentag hilft Frauen nicht mehr als der Tag der Blockflöte

Die Vereinten Nationen riefen den achten März als Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau und den Weltfrieden aus. 

Doch in Wahrheit hilft der Welttag uns Frauen genauso wenig dabei, unsere Rechte zu stärken wie “Der Tag der Mandarine”, “Der Tag der Blockflöte”, oder “Der Waldmännchentag”. (Ja, diese Tage gibt es in Deutschland leider tatsächlich.) 

Was wir in Deutschland dringend brauchen, sind keine schwachsinnigen Welttage. Was wir dringend brauchen, sind die gleichen Rechte wie Männer, die gleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit, das Recht auf unseren eigenen Körper. Wir wollen sexuelle Selbstbestimmung. 

 

 

► Stattdessen haben wir einen Paragraphen, der es Ärzten erschwert, über Schwangerschaftsabbrüche auf ihrer Website zu informieren. Wenn sie es doch tun, können sie sogar Anzeigen bekommen.  

Wenn junge Frauen sich öffentlich zu sexueller Belästigung äußern, müssen sie  mit hämischen und beleidigenden Kommentaren rechnen, wie die #MeToo-Debatte zeigt. 

Frauen verdienen 21 Prozent weniger als Männer

► 43 Prozent der deutschen Frauen wurden schon einmal sexuell bedrängt oder belästigt. Das ergab eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur vom Oktober.

► Laut einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2004 haben 40 Prozent der Frauen schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt. Bei 25 Prozent der Frauen geschah das in einer Beziehung.

► Frauen verdienen im Schnitt unbereinigt immer noch 21 Prozent weniger als Männer – und übernehmen weit seltener Führungspositionen.

 

Einen Weltfrauentag zu feiern, wenn es in Deutschland in Wahrheit so traurig um unsere Frauenrechte steht, setzt kein Zeichen. Es ist zynisch. 

Die einzigen, die tatsächlich etwas von diesem Tag haben, sind Unternehmen, die daraus Profit schlagen. 

Unternehmen, die nicht verstehen, dass Duftkerzen nicht gegen Diskriminierung von Männern helfen, Frauen sich eine ungerechte Bezahlung nicht wegrasieren können und ein GigaPass für 30 Tage keine Entschädigung für Millionen sexistische und frauenfeindliche Troll-Kommentare im Netz ist. 

 

 

Und an alle Männer, die jetzt “Boah-scheiß-Feminismus-was-wollt-ihr-eigentlich-bist-du-lesbisch-oder-warum-schreibst-du-sowas” – Sprüche unter diesen Text schreiben wollen: Beruhigt euch.

Vom neunten bis zum siebten März ist ja wieder Weltmännertag.