POLITIK
19/07/2018 13:40 CEST | Aktualisiert 19/07/2018 14:14 CEST

Warum Russlands Staats-TV Trump als "Agent des Kremls" bezeichnet

Auf den Punkt.

Chris McGrath via Getty Images
Klopft dem US-Präsidenten auf die Schulter: Russlands Staatschef Wladimir Putin.

Nur eine Woche hat US-Präsident Donald Trump gebraucht, um mehr als 70 Jahre Nachkriegsordnung auf den Kopf zu stellen.

Der hatte zwar schon seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren auf dem internationalen Parkett vieles durcheinander gewirbelt. Aber das, was dann kam, war selbst für den US-Präsidenten eine bemerkenswerte Leistung: 

Nach seiner Europa-Reise sind alte Verbündete in Europa brüskiert und verunsichert, der ewige Kontrahent Russland zeigt sich hochzufrieden. Dort zeigen sich Staatsmedien verwundert, wie sehr der mächtigste Mann der Welt die Agenda des Kreml vorantreibt.

Wie es soweit kommen konnte – auf den Punkt gebracht:

Die Ausgangslage:

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass unter Trump die alten US-Maßstäbe von Freund und Feind nicht mehr gelten.

Trump mischte den Nato-Gipfel so auf, dass sich der Außenpolitik-Experte Robert Kagan vom Institut Brookings zum Vergleich mit einem “Vorschlaghammer” bemüßigt sah. “Das demokratische Bündnis, das die Basis für die amerikanisch-geführte liberale Weltordnung ist, gerät aus den Fugen.”

Vor seiner Weiterreise nach Helsinki zum Gipfel mit Putin nannte Trump die Europäische Union dann in einem Interview mit dem US-Sender CBS einen “Feind”

Das Treffen mit Putin am vergangenen Montag sollte der Höhepunkt der Reise werden. Am Ende war trotz Trumps gewaltigem Eigenlob klar, wer der Gewinner ist: Putin.

Bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Kremlchef in Helsinki fuhr Trump einen Kuschelkurs, der in den USA ein schweres Nachbeben auslösen sollte.

Warum Trump in den USA Empörung entgegenschlägt:

Trump brüskierte auf der Weltbühne seine Geheimdienste: Er zweifelte deren Erkenntnisse an, wonach Russland sich in die US-Präsidentenwahl 2016 eingemischt hat. Für Trump dürfte schwer verdaulich sein, dass eine solche Beeinflussung einen Schatten auf seinen Wahlsieg werfen könnte.

Mehr noch: Bei der Pressekonferenz nannte Trump Putins Dementi “extrem stark und kraftvoll”. Und Trump sagte einen Satz, der ihn noch einholen sollte: “Ich sehe keinen Grund, warum es (Russland) wäre.”

Mehr als 24 Stunden dauerte es, bis Trump kleinlaut – und wenig glaubwürdig – zugab: Eine Verneinung sei ihm durchgerutscht, richtig hätte es heißen müssen: “Ich sehe keinen Grund, warum es nicht Russland wäre.”

Zu spät, Trump-Kritiker hatten den US-Präsident da bereits heftig angegangen:

► “Es war nichts weniger als verräterisch. Trumps Anmerkungen waren nicht nur idiotisch, er ist vollständig in der Tasche Putins”, sagte Ex-CIA-Direktor John Brennan.

Wie Trump auf die Kritik reagiert:

“Ich denke, ich habe das bei der Pressekonferenz großartig gemacht”, sagte Trump in einem am Mittwochabend ausgestrahlten Interview des US-Senders CBS.

Trump warf ihm gegenüber kritisch eingestellten Medien vor, ihn diskreditieren zu wollen. “Es sind Fake News”, sagte er. “Man macht etwas Gutes und sie versuchen, es so schlecht wie möglich zu machen.” 

Wie Russland reagiert:

“Großartig”. Ein Wort reicht aus, um zu zeigen, wie Moskau das Treffen zwischen Trump und Putin bewertet. “Großartig, besser als super”, hatte der russische Außenminister Sergei Lawrow erklärt. 

Putin selbst werte das Zusammenkommen im Großen und Ganzen als Erfolg. “Wir sind auf einem guten Weg”, sagte er am Donnerstag. “Wir werden aber die Entwicklungen genau beobachten, weil bestimmte Kräfte in den USA versuchen, die Ergebnisse kleinzureden und zu leugnen.” 

Das Gipfeltreffen in Helsinki war auch das Hauptthema der Talksendung “60 Minuten” im russischen Staatssender Rossija 1. Das Moderatoren-Duo war insbesondere über die Haltung von Trump bei der anschließenden Pressekonferenz verwundert. “Es ist sehr bizarr, man kann auf sein eigenes Land nicht so einschlagen – besonders wenn man der Präsident ist”, bemerkte Gastgeber Jеwgeni Popow, wie die Medienanalystin Julia Davis twitterte.

► Co-Moderatorin Olga Skabejewa fügte hinzu: “Wenn Trump sagt, dass unsere Beziehungen wegen des amerikanischen Leichtsinns und der amerikanischen Dummheit schlecht sind, riecht er wirklich wie ein Agent des Kremls.”

Auch die russische Tageszeitung “Rossijskaja Gaseta”, das Amtsblatt der russischen Regierung, sieht Trumps Verhalten als vorteilhaft für Moskau. 

Das Blatt schreibt: Das Treffen zwischen dem US- und dem russischen Präsidenten habe gezeigt, dass es die klassische Außenpolitik nicht mehr gibt. “Sie ist zu einer Geisel, einem Instrument oder lediglich einer Komponente der innenpolitischen Agenda geworden.”

Und das nutzt eigentlich nur einem: dem Kreml.

Auf den Punkt:

Dass Trump ohne Rücksicht auf Verluste draufhaut und auf diplomatische Gepflogenheiten pfeift, dafür verachten ihn zwar seine Gegner, dafür schätzen ihn aber seine Fans – zu denen spätestens nach dem Gipfeltreffen in Helsinki auch Russland zählt.

Mit Material von dpa.

(ame)