POLITIK
25/12/2017 13:46 CET | Aktualisiert 25/12/2017 13:57 CET

Warum Kim Jong-un einer der Gewinner des Jahres ist

"Kim hat seine Macht gefestigt."

dpa
Kim Jong-un.
  • Raketen- und Bombentests: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un konnte 2017 einige Erfolge feiern
  • Mehrere Jahresrückblicke zählen ihn daher zu den politischen Gewinnern in diesem Jahr

Der Diktator hatte es angekündigt. Bei seiner Neujahrsansprache für dieses Jahr teilte Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un mit, sein Land befinde sich in der Endphase für den Test einer Interkontinentalrakete.

Seit Jahren hatte sich Kim damit gebrüstet, über die nötige Technologie zu verfügen. Nordkoreas Nachbarn zweifelten daran.

Im Juli allerdings war es dann soweit: Erstmals testete das Regime eine Interkontinental-Rakete. 

► Der Konflikt mit Nordkorea und seinen Nachbarn sowie den USA eskalierte. Nie schien Kim Jong-un gefährlicher, nie war die Gefahr eines Krieges auf der koreanischen Halbinsel näher.

Und dennoch: 2017 war ein gutes Jahr für den Diktator.

“Der junge Diktator behielt stets die Oberhand”

In mehreren Jahresrückblicken zählt Kim Jong-un zu den politischen Gewinnern des Jahres.

► Während es für Angela Merkel laut dem US-Sender CNN in diesem Jahr eher abwärts ging, habe Kim Erfolge gefeiert.

“Wenn 2017 ein Willensschlacht war, bei der sich US-Präsident Donald Trump und Kim gegenseitig mit Beschimpfungen und Drohungen überzogen, behielt der junge Diktator die Oberhand”, heißt es in dem Rückblick.

► Auch “Spiegel Online” attestiert dem Machthaber, in diesem Jahr die Welt in Atem gehalten zu haben – und Trump die Stirn geboten zu haben. 

“Er titulierte den US-Präsidenten als ‘dementen Greis’. Auch wegen der Impulsivität der beiden Staatschefs fürchten manche einen Krieg, der möglicherweise mit Atomwaffen ausgetragen werden könnte”, schreibt “Spiegel Online”.

► 2017 sei ein “sehr gutes Jahr” für Kim gewesen, kommentiert die US-Tageszeitung “Washington Post”. Der Diktator habe seine eigenen Ziele erreichen und seine Macht nach innen absichern können, lautet die Begründung.

Kim erwies sich als ebenso skrupellos wie seine Vorgänger

Seit 2013 führt Kim Jong-un Nordkorea an. Er übernahm die Kontrolle nach dem Tod seines Vaters. Den meisten Beobachtern habe er als zu jung und unerfahren gegolten, berichtet die “Washington Post”. “Er wurde als comichafter Schurke gesehen.”

Doch Kim hat gerade auch in diesem Jahr bewiesen, dass er ebenso skrupellos wie seine Vorgänger ist.

Im Februar starb sein Halbbruder Kim Jong-nam unter mysteriösen Umständen – dass Kim Jong-un dahinter steckt, gilt als wahrscheinlich, auch wenn Pjöngjang das bisher abstreitet. Kim Jong-nam galt als Rivale Kim Jong-uns. 

Erst Anfang des Monats verschwanden zwei nordkoreanische Militärs. Hat Kim sie beseitigen lassen?

“Kim hat seine Macht nach innen konsolidiert, er ist zu 90 bis 95 Prozent mit seinem Nuklearprogramm fertig und es gibt keine Anzeichen, dass es ernsthafte Dissidenten gibt”, sagt die Korea-Expertin Sue Mi Terry der “Washington Post”. Sie arbeitete früher für den Geheimdienst CIA. 

Reis und Raketen für das Volk

Bereits 2013 ließ sich nachlesen, was Kim mit seinem Land vorhatte. In der sogenannten Byingjin Doktrin setzte der Diktator zwei Prioritäten: erstens Nuklearwaffen zu entwickeln und zweitens die Wirtschaft zu stärken.

Sein Volk sollte nicht mehr hungern. Und fürchten müssen, von Südkorea und den USA erobert zu werden, so das Kalkül hinter der Strategie.

“Nordkoreas Machthaber ist sich seiner Herrschaft sicher und fühlt sich durch keinerlei äußere Bedrohung eingeschüchtert”, schrieb der Nordkorea-Experte David Kang in einem Beitrag für das Magazin “Foreign Affairs” im August, als der Konflikt um das nordkoreanischen Atomprogramm wieder einmal die Schlagzeilen beherrschte.

Mehr zum Thema: Die Welt hält Kim Jong-un für einen irren Diktator - ein Nordkorea-Experte erklärt, warum das ein schwerer Fehler ist

Auch die Wirtschaft habe unter dem neuen Machthaber Fortschritte gemacht. 

Glaubt man den Zahlen der Zentralbanks von Südkorea, der “Bank of Korea” - die mit Vorsicht zu genießen sind -, dann konnte Nordkorea 2016 ein Wirtschaftswachstum von 3,9 Prozent verzeichnen - das größte seit 1999.

Was bringt 2018 für Nordkorea?

Fraglich aber ist, ob diese Entwicklung anhält. Erst am Freitag hat der UN-Sicherheitsrat einstimmig die Sanktionen gegen Nordkorea verschärft. 

Lieferungen von Mineralölerzeugnissen wie Benzin, Diesel und Schweröl an das Land werden auf ein Viertel der erlaubten Menge begrenzt.

Das UN-Gremium hatte erstmals 2006 Sanktionen gegen Nordkorea verhängt, Wirkung zeigten die Strafmaßnahmen bisher nicht. In diesem Jahr beteuerte aber auch China – der wichtigste Verbündete des Regimes – die Sanktionen durchsetzen zu wollen.

Kims Zukunft ist daher ungewiss. Womöglich droht ihm 2018 ein schweres Jahr – mit Niederlagen und Rückschlägen.

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