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01/10/2018 19:26 CEST | Aktualisiert 01/10/2018 22:09 CEST

Warum ich für die Bayern-Wahl in mein Heimatdorf zurückziehe

Zurück in der "sympathischen Gemeinde im Herzen Europas".

HUFFPOST

In zwei Wochen wird Bayern womöglich einen historischen Tag erleben: Der CSU droht ihr schlechtestes Wahlergebnis bei einer Landtagswahl seit 1950. 

Die Partei war im Frühling unter Ministerpräsident Markus Söder mit dem Ziel gestartet, die absolute Mehrheit zu verteidigen. Nun liegt die CSU in den Umfragen bei 35 Prozent.

Seit Jahrzehnten regiert die CSU in Bayern und ist daher maßgeblich daran beteiligt, dass der Freistaat wirtschaftlich zu den stärksten Bundesländern der Republik zählt. Doch vom Erfolg der Vergangenheit kann die Partei nicht profitieren. Was ist passiert? 

Um das herauszufinden, ziehe ich vor der Landtagswahl am 14. Oktober für zwei Wochen zurück in mein niederbayerisches Heimatdorf. 

Das ur-bayerische Dorf 

Mallersdorf-Pfaffenberg, eine sogenannte Marktgemeinde, mit 6849 Einwohnern, drei Fußballvereinen, zwei Brauereien, einem Kloster und einem singenden Wirt. 

Hier wurde ich geboren, hier ging ich in den Kindergarten und in die Grundschule. Am örtlichen Gymnasium habe ich mein Abitur gemacht.

In meinem Heimatdorf habe ich mit Freunden zum ersten Mal Bier getrunken und geraucht. Ich habe mit meiner Fußballmannschaft gewonnen und noch öfter verloren. 2012 bin ich weggezogen. 

Mallersdorf-Pfaffenberg ist ur-bayerisch. Wer hier hochdeutsch spricht, gilt schnell als verdächtig. Zumindest aber als sonderbar. Das Rathaus ist seit 1984 fest in CSU-Hand. Auf Hochzeiten ist es nicht ungewöhnlich, dass Gäste in Tracht erscheinen.  

Die Gemeinde bietet ideale Voraussetzungen, um in diesem Stück Bayern zu untersuchen: Wieso wenden sich die Menschen von der CSU ab? Und wem wenden sie sich zu?

LEONHARD LANDES

18 Prozent wählten vor einem Jahr die AfD 

Bei der Bundestagswahl 2017 wählten hier 42 Prozent die CSU, ein ordentliches Ergebnis. Aber 18,5 Prozent der Wähler machten ihr Kreuz auch bei der AfD. Zum Vergleich: In ganz Bayern kamen die Rechtspopulisten nur auf 12 Prozent. 

Auch Mallersdorf-Pfaffenberg, die “sympathische Gemeinde im Herzen Europas”, wie es auf der Webseite des Ortes heißt, wird von Dynamiken erfasst, die den Rest der Bundesrepublik beschäftigen.

Seit ich weggezogen bin, hat sich vor allem aber eines geändert: Schon seit Dezember 2012 gibt es hier Unterkünfte für Flüchtlinge.

Aktuell leben etwa 270 Asylbewerber, 25 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und 70 anerkannte Asylbewerber in der Gemeinde. Für die CSU ist die Belastung für den Ort zu viel. Der Vorsitzende des CSU-Ortsverbands schrieb nach der Bundestagswahl einen Brief an Parteichef Horst Seehofer und forderte, die Anzahl der untergebrachten Asylbewerber zu verringern.

Aber ist die Anzahl der Flüchtlinge in Mallersdorf-Pfaffenberg der einzige Grund, warum Menschen die AfD wählen? Oder spielen hier noch andere Faktoren eine Rolle, die weniger offensichtlich sind?

Das ist eine der Fragen, der ich in den nächsten zwei Wochen bis zur Wahl in Gesprächen vor Ort nachgehen werde.

(mf)