POLITIK
31/12/2017 11:37 CET | Aktualisiert 31/12/2017 13:17 CET

Wie eine Frau mit wehenden Haaren zum Symbol der Iran-Proteste wurde

Bemerkenswert: Die zugrundeliegende Aufnahme entstand bereits einen Tag vor Beginn der Demonstrationen.

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Das Symboldbild der Iran-Proteste: Eine Frau reckt ihre Kopfbedeckung in die Höhe
  • Eine Frau, die ihre Kopfbedeckung wie eine Fahne nach oben streckt, ist zum Symbolbild der aktuellen Proteste im Iran geworden
  • Das Bild entstand schon vorher - und passt trotzdem zu den derzeitigen Ereignissen 

Neben Videos und Fotos von demonstrierenden Menschen und teils brutal vorgehenden Sicherheitskräften wird derzeit vor allem ein Bild in den sozialen Netzwerken zu den Protesten im Iran geteilt: Es zeigt eine junge Frau, die sich ihrer Kopfbedeckung entledigt hat und diese wie eine Fahne nach oben streckt.

Das Bild könnte zu einem Symbol werden - wie der Tod von Neda Agha-Soltan im Jahr 2009. Damals wurde die Philosophiestudentin von Sicherheitskräften erschossen. 

Mehr zum Thema: Unruhen oder Revolution? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Iran-Protesten

Die Frau auf dem Bild demonstriert gegen die strengen Kleidungsvorschriften in der Islamischen Republik. Dort müssen alle Frauen und Mädchen ab neun Jahren gemäß islamischen Vorschriften in der Öffentlichkeit ein Kopftuch und einen langen, weiten Mantel tragen, um Haare und Körperkonturen zu verbergen.

“Sünderinnen” droht die Festnahme durch die Sittenpolizei, in manchen Fällen auch ein Strafverfahren und eine saftige Geldstrafe.

Befreiungskampf der iranischen Frauen

Um sich mit dem “Demokratiestreben des iranischen Volkes und besonders mit dem Befreiungskampf der Frauen” solidarisch zu zeigen, twitterte deshalb auch der Grünen-Politiker Volker Beck das Bild am Samstag.

Die Graphik verbreitet sich seit Freitag in den sozialen Netzwerken. Allerdings entstand die zugrunde liegende Szene bereits einen Tag vor den Protesten, am Mittwoch. 

An dem Tag hatte die Polizei die Kleidervorschriften etwas gelockert. Die Beamten wollen nun Frauen, die sich auf den Straßen “unislamisch” kleiden oder benehmen, belehren statt bestrafen.

“Frauen, die (in der Öffentlichkeit) die islamischen Vorschriften nicht beachten, werden seit einiger Zeit nicht mehr auf die Wache gebracht”, erklärte Teherans Polizeichef Hussein Rahimi.

Vielmehr würden sie gebeten, an Lehrklassen teilzunehmen, “um ihre Sichtweise und ihr Benehmen zu korrigieren”, sagte Rahimi laut der iranischen Nachrichtenagentur “Tasnim”.

Am “Weißen Mittwoch” ohne Zwangsschleier

Die Frau nutzte die zaghafte Liberalisierung, um öffentlichkeitswirksam auf die Kampagne “Weißer Mittwoch” zu verweisen, an dem Iranerinnen gegen die Zwangsverschleierung protestieren.

Laut der persischen Ausgabe der Deutschen Welle entledigte sich die Aktivistin ihrer Kopfbedeckung auf dem belebten Revolutionsplatz (Meydan-e-Enqelab) inmitten von Teheran. Allerdings soll die bisher nicht identifizierte Frau noch vor Ort verhaftet worden sein.

Die rigiden Gesetze und Strafmaßnahmen gibt es schon seit fast 40 Jahren, haben aber nicht viel gebracht. Die Kopftücher wurden und werden immer kleiner und die Mäntel immer kürzer und enger - gerade in den Großstädten.

Die iranische Jugend rebelliert zunehmend gegen Vorschriften. In der Hauptstadt Teheran werden besonders abends immer mehr Frauen ohne Kopftuch in Autos, Cafés und Restaurants gesehen.

Spätestens seit Beginn der landesweiten Proteste sind auch tagsüber und in der Provinz wehende Frauenhaare ein Zeichen des Protests - online wie offline

(Mit Material der dpa)

(lm)