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01/10/2018 09:55 CEST | Aktualisiert 01/10/2018 09:55 CEST

Warum die Zucht von Orcas so wichtig ist

Die Tierrechtsindustrie verwendet viel Zeit und Geld darauf, die Öffentlichkeit, die Politik und auch die Medien davon zu überzeugen, dass ein Zuchtstopp für Orcas und andere Delfinarten notwendig wäre. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Schauen wir uns mal die Fakten an.

Orca-Populationen in Gefahr

Global gesehen sind Orcas nicht bedroht, allerdings stehen einzelne Populationen vor dem Aussterben. Ob wir nach Schottland schauen, an die Straße von Gibraltar oder vor British Columbia - dort geht es Orcas alles andere als gut. Generell bleibt von der viel beschworenen “Freiheit” im Leben von wilden Orcas ohnehin nicht viel übrig, aber hier steht es den Tieren besonders schlecht.

Die Southern Residents zum Beispiel, die schon an den Küsten von Oregon, Washington, Vancouver Island und British Columbia gesehen wurden, leiden an massiver Belastung durch Umweltverschmutzung. 2017 belegte eine Studie, dass die Population massive Probleme mit der Reproduktion hat.

Die residente Population in Großbritannien, die “west coast community”, hat eine einstellige Mitgliederzahl. Wie die Southern Residents sind sie massiv belastet - so etwa mit Polychlorierte Biphenyle (PCBs). Die Konzentration im Körper eines Tieres war 20 Mal höher als die maximale Dosis, die noch als gesund angesehen wird. Zu hoch konzentriert wirken die PCBs negativ auf das Immunsystem und die Organe, die zur Fortpflanzung benötigt werden.

Diese Probleme werden sich nicht von selbst lösen. Nichts wird dadurch besser, die Hände zu falten und in den Schoss zu legen. Großbritannien ist aktuell nicht fähig seine verblieben Orcas umfassend selbst zu schützen. Es gibt keine Delfinarien dort - also keine Notfalleinrichtungen oder ähnliches. Die Wale, und zwar nicht nur die Orcas, sind auf Hilfe von außen angewiesen.

Die Southern Residents hatten das Glück, dass sich mit SeaWorld eine der ehemals besten Orcahaltungen der Welt in ihren Schutz eingebracht hat. Nun behindert sich aber SeaWorld selbst durch einen generellen Zuchtstopp für Schwertwale in ihrer Obhut. Gerade die Forschung an der Reproduktion aber, ist eines der wichtigsten Themen, bei dem es dringend mehr Forschung geben muss, um zu evaluieren wie man die sinkende Fertilität und die hohe Jungtiersterblichkeit bei wilden Orca-Populationen bekämpfen kann.

Wichtige Forschung nur in Menschenobhut möglich

So brauchen wir einmal ganz direkt die Forschung an der Fortpflanzung, um den bedrohten Orca-Populationen helfen zu können, aber es braucht auch Forschung generell. Zur Forschung aber braucht es natürlich Tiere und auch dafür ist die Zucht von Orcas natürlich wichtig. Ohne eine Zuchtpopulation wird man langfristig keine Forschung mehr machen können.

Vor gar nicht allzu langer Zeit dachte man noch, dass Orcas 12 Monate Tragzeit hätten. Heute weiß man, dass das falsch ist. Warum? Allein aufgrund von den Erfahrungen in Menschenobhut. Aktuell geht man von rund 17,5 Monaten aus - das ist der Durchschnitt. Allerdings muss man dazu noch +/- 2 Monate rechnen, weil es bei manchen Geburten eben genau solche Verzögerungen gab.

In der Natur hat man keine Chance das irgendwie zu beobachten. Einmal kann man wilde Orca-Kühe nicht mit Ultraschall in der Form untersuchen wie man es mit trainierten Orcas kann und man sieht Kälber erst rund sechs Monate nach der Geburt.

"In der Wildbahn findet Feldforschung nicht früher als sechs Monate nach der Kalbesaison statt, was bedeutet, dass, wenn man ein Kalb zuerst sieht, es bereits sechs Monate alt ist, was bedeutet, wenn ein in den ersten sechs Monaten stirbt, sieht man es nie" - Dr. Kelly Jaakkola , eine der weltweit führenden Experten für Delfine

Dadurch gibt es auch keine detaillierten Zahlen zur Kälber-Sterblichkeit aus der Natur - jede Messung beginnt da erst nach sechs Monaten und somit auch jede Vergleichbarkeit. Alles, was wir also über die Entwicklung von der Befruchtung der Eizelle bis zu einem halben Jahr nach der Geburt wissen oder erfahren wollen, bekamen und bekommen wir nur aus Forschung in Menschenobhut.

Genau das ist dann die entscheidende Zeit für sehr viele Forschungsfragen, die noch beantwortet werden müssen. Ohne die Zucht von Orcas in modernen Zoos und Aquarien werden die Frage immer offen bleiben und wir werden den Populationen in Not nicht mehr helfen können. Orcas, wie auch andere Delfine, gehören zu den wichtigsten Botschaftern für den Lebensraum Meerr, weil viele Menschen von dieser Art angezogen werden.

Orca-Schwangerschaft im Loro Parque

Der Loro Parque hält seit Jahren erfolgreich Orcas. Jede seriöse Überprüfung der Haltung bezeugte stets die exzellente Haltungsqualität und ließ keinen Zweifel daran, dass es den Tieren dort gut geht. Zoogegner versuchen zwar aus dem guten Namen Kapital zu schlagen und verbreiten Lügen über die Haltung, aber nie konnten sie auch nur ansatzweise Tierquälerei nachweisen.

Über 80 der renommiertesten Wissenschaftler auf dem Gebiet stehen hinter der tiergerechten Haltung von Meeressäugern in modernen zoologischen Einrichtungen - eben weil deren Haltung für die Forschung, die die Grundlage jedes seriösen Artenschutzes darstellt, so enorm wichtig und regelrecht unersetzbar ist.

Der Loro Parque hat das erkannt und bekennt sich, auch in seinen Fünf Prinzipien, zur Zucht von Tieren im Sinne des Tier-, Arten- und Naturschutzes. Das ist sehr wichtig und auch richtig. Aktuell ist die vor dem Tod gerettete Orca-Dame Morgan schwanger. In diesem Video kommen zwei renommierte Experten zu Wort und sprechen über Morgan, ihre Schwangerschaft und auch über die Zucht von Orcas im Allgemeinen:

Die Schwangerschaft von Morgan, wie auch immer sie ausgeht, wird wichtige, unersetzbare und wertvolle Erkenntnisse liefern. Diese Trächtigkeit wird zu den am besten dokumentierten Schwangerschaften von Schwertwalen gehören, die es je gab. Das ist einmal den Experten vor Ort zu verdanken, denn der Loro Parque hat ein exzellentes Team versammelt, aber auch Morgan, denn sie nimmt offensichtlich liebend gern freiwillig an jeder Session teil.

Sex und alle möglichen Folgen gehören zum Leben von Delfinen dazu. Die Familiengruppe ist das natürliche soziale Milieu von Orcas und ihnen das wegzunehmen, ist mit tiergerechter Haltung nicht vereinbar. Zudem besteht nicht mal die theoretische Möglichkeit, einen generellen Zuchtstopp für diese Art tiergerecht umzusetzen. Das wurde auf diesem Blog auch bereits mehrfach erörtert.

Der Loro Parque setzt sich aber nicht nur ex situ, sondern auch in situ für den Schutz der Orcas ein. So unterstützt er ein Projekt in der Straße von Gibraltar.