POLITIK
21/07/2018 23:04 CEST | Aktualisiert 22/07/2018 10:08 CEST

Warum der Streit mit seinem Ex-Anwalt für Trump so gefährlich ist

Auf den Punkt.

getty / dpa
Donald Trump und Michael Cohen. 

Früher hätte sich Michael Cohen laut eigenen Aussagen für seinen wichtigsten Klienten in eine Kugel geworfen. Der Anwalt aus New Yorker betreute jahrelang den heutigen US-Präsidenten Donald Trump

Cohen nannte sich selbst den “Fixer”. Er war der Mann, der für Trump alles ins Reine brachte. Der sich um die Schmutzarbeit kümmerte. 

Doch die Zeiten sind lange vorbei. Das FBI ermittelt gegen Cohen – und Trump selbst wetterte auf Twitter an diesem Samstag gegen seinen früheren Anwalt. Warum der Streit zwischen den beiden ehemaligen Partnern für den US-Präsidenten so gefährlich ist – auf den Punkt gebracht. 

Trump und die Schweigegeld-Affäre: 

► Das US-Justizministerium untersucht derzeit Cohens Beteiligung an Schweigegeldzahlungen, um peinliche Berichte über den damaligen Kandidaten Trump vor der Präsidentenwahl 2016 zu verhindern. 

► Am Freitag berichtete die “New York Times”: Das FBI habe bei einer Razzia im Büro des Anwalts Tonbandaufnahmen festgestellt, die Trump belasten könnten. 

► Denn darauf diskutiere Trump mit Cohen eine mögliche Zahlung von Schweigegeld an das Playmate des Jahres 1998, Karen McDougal. Mit ihr soll Trump 2006 eine Affäre gehabt haben. Der US-Präsident bestreitet das jedoch. Laut Trumps Anwalt Rudy Giuliani sei kein Geld an McDougal geflossen.

► Der Fall McDougal erinnert an mögliche Schweigegeldzahlungen wegen der angeblichen Affäre Trumps mit der US-Pornodarstellerin Stormy Daniels. Cohen hatte zugegeben, ihr kurz vor der Präsidentschaftswahl im November 2016 aus eigener Tasche 130.000 Dollar gezahlt zu haben.

Was den Fall so brisant macht: Sollte Schweigegeld aus Konten von Trumps Wahlkampforganisation bezahlt worden sein, würde das den Straftatbestand der illegalen Wahlkampfunterstützung erfüllen.

Wie Trump am Samstag reagierte: 

► Trump polterte am Samstag auf Twitter gegen die Ermittler, die Cohens Büro untersucht hatten: ”Es ist unvorstellbar, dass die Regierung am frühen Morgen in das Büro eines Anwalts eindringt – geradezu unerhört.”

► Dann kritisierte er Cohen: “Noch unvorstellbarer ist es, dass ein Anwalt seinen Klienten mitschneidet – gänzlich unerhört & wahrscheinlich ungesetzlich. Die gute Nachricht ist, dass der von euch favorisierte Präsident nichts Unrechtes gemacht hat.”

Der Tweet zeigt: Das Vertrauensverhältnis von Cohen und Trump ist zerrüttet. 

Wird Cohen mit den Ermittlern kooperieren?

► Auch ein Bericht des US-Portals “Axios” lässt nur den Schluss zu, dass Trump und Cohen in der Schweigegeld-Affäre zu Rivalen geworden sind. 

► “Axios”-Reporter Jonathan Swan berichtet, Cohen hätte im Gespräch mit Freunden an der Eignung Trumps für das Präsidentenamt gezweifelt. Auf Nachfrage habe Cohen diese Information nicht dementiert. 

► Der Anwalt steht unter massivem juristischen Druck, da gegen ihn wegen mutmaßlich illegaler Geschäftspraktiken ermittelt wird. In der Vergangenheit soll Cohen mehrfach signalisiert haben, mit den Ermittlern und den Behörden zusammenarbeiten zu wollen.

► Die nun entscheidende – und für Trump brisante – Frage ist: Was weiß Cohen über Trump?  

► Klar ist: Cohen hat rund zehn Jahre lang für Trump gearbeitet und verfügt über Kenntnisse aus Trumps Privatleben und seine geschäftlichen wie politischen Aktivitäten.

► Im Raum steht etwa der Vorwurf, Cohen – der als direkte Kontaktperson zu Trump galt – habe ausländischen Regierungsvertretern gegen Geld Treffen mit dem US-Präsidenten versprochen.

Auf den Punkt: 

Eine angebliche Affäre mit einem Playmate holt US-Präsident immer wieder ein. Die Affäre ist noch lange nicht ausgestanden – sondern könnte für Trump erst noch richtig brisant werden. 

(ujo)