POLITIK
05/03/2019 11:38 CET | Aktualisiert 05/03/2019 11:44 CET

Studie: Warum das Homeoffice für Mütter zur Belastung werden kann

Auf den Punkt.

Johner Images via Getty Images
Das Homeoffice hat auch seine Schattenseiten.

Für viele Arbeitnehmer scheint die Aussicht auf die Arbeit im Homeoffice erstrebenswert. Gerade Eltern versprechen sich von der Arbeit in den eigenen vier Wänden, Kind und Karriere besser in Einklang bringen zu können.

Auch viele Politiker sind davon überzeugt, dass das Homeoffice die passende Antwort auf die modernen Anforderungen der Arbeitswelt darstellt. Die SPD fordert daher sogar ein Recht auf Homeoffice.

Doch eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung lässt nun Zweifel an den Versprechungen aufkommen, die sich Eltern und Politiker vom Homeoffice machen.

Warum die Heimarbeit zu mehr Überstunden und der Zementierung alter Rollenbilder führen kann – auf den Punkt gebracht. 

Wer will das Recht auf Homeoffice einführen? 

Orban droht der Ausschluss aus der EVP:

Zuletzt hatte sich Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) für ein Recht auf Homeoffice ausgesprochen. Denn: Heimarbeit sei heute schon bei Millionen von Arbeitsplätzen prinzipiell möglich.

► “Ich werde ein Recht auf Homeoffice auf den Weg bringen, das die Balance von Sicherheit und Flexibilität wahrt”, sagte Heil der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. 

Zuvor hatte sich SPD-Chefin Andrea Nahles in dem Bereich für neue gesetzliche Grundlagen ausgesprochen. Der Staatssekretär im Arbeitsressort, Björn Böhning, hatte daraufhin “unbürokratische Lösungen” für ein Recht auf Homeoffice angekündigt.

Laut einer DIW-Studie könnten 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland von zu Hause aus arbeiten. Böhning sagte: “Nur zwölf Prozent tun das. Wir sind also noch weit entfernt von dem, was tatsächlich möglich ist.”

► Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Peter Weiß (CDU), hatte sich gegen einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice gestellt.

Heil begegnete diesen Einwänden jedoch mit Vereinbarungen von Union und SPD: “Im Koalitionsvertrag haben wir vereinbart, mehr Spielraum für Familienzeit zu schaffen”, sagte er. “Das werde ich einlösen.” 

 

Auswirkungen des Homeoffice auf die Arbeitszeit:

Orban droht der Ausschluss aus der EVP:

Ist das Homeoffice also ein Lösungsansatz für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf? 

Laut einer aktuellen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung könnte die Heimarbeit genau das Gegenteil bewirken. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass Mütter und Väter mit flexiblen Arbeitszeiten oder Homeoffice letztlich sogar länger arbeiten als Eltern mit fester Anwesenheit im Betrieb.

► Väter würden demnach generell bei völlig freier Arbeitszeitgestaltung durchschnittlich vier Überstunden in der Woche machen. Bei Homeoffice seien es zwei Überstunden. 

► Mütter arbeiteten der Studie zufolge eine knappe Stunde länger. 

Das erläutert die Arbeitszeitforscherin Yvonne Lott in ihrer am Dienstag vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Stiftung veröffentlichten Untersuchung. Die Forscherin hat dazu Daten einer repräsentativen Befragung von rund 30.000 Bundesbürgern ausgewertet.  

Mehr zum Thema: Arbeiten 4.0: Wie wir den Anforderungen an eine digitalisierte Arbeitswelt gerecht werden

Auswirkungen der Heimarbeit auf die Kindererziehung:

Orban droht der Ausschluss aus der EVP:

Wie die Forscherin weiter erklärt, würden Mütter – ungeachtet der insgesamt längeren Arbeitszeit – die hinzugewonnene Flexibilität ihrer Arbeitszeit vor allem dafür einsetzen, um ihre Kinder länger betreuen zu können.

► Mütter, die von Zuhause aus arbeiten, bringen demnach pro Woche drei Stunden mehr für die Kinderbetreuung auf als jene Mütter, die im Betrieb arbeiten. Zugleich machten sie eine zusätzliche Überstunde pro Woche. 

► Bei Vätern spiele dies hingegen kaum eine Rolle. Sie würden im Homeoffice pro Woche zwei Überstunden mehr als Väter ohne Heimarbeit machen – nähmen sich aber nicht mehr Zeit für die Kinder.

Wie sich zeigt, könnte das Homeoffice also zu einer Zementierung alter Rollenbilder von Mann und Frau führen. “Flexibles Arbeiten, das als wichtige Hilfe bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf gilt, hat Schattenseiten”, zitiert die “Süddeutsche Zeitung” Arbeitsforscherin Lott. Sie hielt weiter fest:

“Frauen übernehmen nach wie vor mehr Hausarbeit und Betreuung. Paare haben zwar den Anspruch, sich das aufzuteilen. So einen Wandel gibt es aber nur vereinzelt.” 

Die Homeoffice-Studie – auf den Punkt gebracht:

Orban droht der Ausschluss aus der EVP:

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stellt für zahlreiche Menschen eine große Herausforderungen dar. Der Umstand, dass heute vermehrt beide Elternteile neben der Kindererziehung ihre berufliche Karriere weiter verfolgen, verschärft den Konflikt. 

Viele Politiker halten das Homeoffice für ein geeignetes Mittel, hier Abhilfe zu schaffen. Es soll Müttern ermöglichen trotz Kindern, berufstätig zu bleiben. 

Doch wie die Studie zeigt, könnte sich die Hoffnung auf einen Zeitgewinn durch Heimarbeit als Wunschvorstellung erweisen. Ohnehin besteht die Gefahr, dass sich durch die Heimarbeit Beruf und Privatleben miteinander vermischen. Gerade für Mütter kann die Arbeit in den eigenen vier Wänden so zu einer umso größeren Belastung werden. 

Mit Material der dpa.