POLITIK
16/12/2018 21:31 CET | Aktualisiert 16/12/2018 22:00 CET

Waldorfschule lehnt Kind von AfD-Politiker ab – SPD-Senatorin kritisiert Entscheidung

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dpa

Eine Berliner Waldorfschule nimmt ein Kind eines AfD-Abgeordneter nicht auf. Die Entscheidung wurde seit Oktober auch unter den Eltern kontrovers diskutiert. Lehrer der Schule hatten in dem Prozess auch den AfD-Abgeordneten und seine Ehefrau zu ihren politischen Ansichten befragt.

► Das Kind habe bereits die dortige Waldorf-Kita besucht, berichtet die “Berliner Zeitung”. Für das kommende Schuljahr habe es 140 Anmeldungen für 30 Plätze gegeben, am Ende wurde das Kind abgelehnt.

► “Um eine einvernehmliche Lösung des Konfliktes wurde gerungen – sie konnte aber nicht erreicht werden“, teilte der Geschäftsführer des Trägervereins laut “Berliner Zeitung” am Freitag mit.

Wie die Schule die Ablehnung des Kindes eines AfD-Politikers begründet:

Von der Bildungsverwaltung hieß es laut “Tagesspiegel”, dass auch freie Schulen die Kinder nicht nach Gesinnung auswählen dürften. Eine öffentliche Schule werde das Kind des AfD-Mannes selbstverständlich aufnehmen. 

Auch die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sieht die Entscheidung ”äußerst kritisch”. Es sei die Privatschulaufsicht eingeschaltet worden, teilte Scheeres’ Sprecherin am Sonntag der “Berliner Zeitung” mit. Es werde auch geprüft, ob die Schule gegen das Antidiskriminierungsgesetz verstoßen habe.

Der Geschäftsführer des Trägervereins der Waldorfschule erklärt die Entscheidung folgendermaßen:

Angesichts dieses Konfliktes sieht die Schule keine Möglichkeit, das Kind mit der nötigen Unvoreingenommenheit und Unbefangenheit aufzunehmen – beides sind Grundvoraussetzungen, um die Entwicklung des Kindes angemessen zu fördern.”

Der Mann erinnerte zudem daran, dass Eltern an Waldorfschulen besonders aktiv seien, Kinder unter anderem auch auf Klassenfahrten begleiten. Deshalb hätten einige Eltern und Lehrer befürchtet, dass der AfD-Politiker zumindest subtil Einfluss nehmen und durch ausländerfeindliche oder nationalistische Positionen womöglich gar den Schulfrieden gefährden könnte.

Andere Eltern und Pädagogen hätten laut “Berliner Zeitung” hingegen davor gewarnt, das Kind gewissermaßen in Sippenhaft zu nehmen. Sie hätten zugleich auf die Meinungsfreiheit hingewiesen. 

Was ihr noch über den Fall wissen müsst: 

Kritiker sehen die Entscheidung der Waldorfschule auch in Verbindung mit einer AfD-Kampagne in mehreren Bundesländern: Wie andere Landesverbände zuvor hatte die Berliner AfD am 22. Oktober die Internetseite “Neutrale Schule” online gestellt. Dort könnten Schüler und Eltern mitteilen, wenn sich Lehrer im Unterricht kritisch zur AfD äußern.

Bereits im Mai hatte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, in der HuffPost vor einer “politischen Instrumentalisierung von Lehrkräften, Eltern und Schülern” gewarnt. Er sprach damals zum Start der ersten AfD-Meldeseite von “einem massiven Versuch einer präventiven Einschüchterung”, der die Gefahr eines “Aufrufs zur Denunziation” von Lehrern birgt.