POLITIK
12/08/2018 20:10 CEST | Aktualisiert 13/08/2018 10:31 CEST

ZDF-Reporter zu AfD-Chef Gauland: “Bei wichtigen Themen haben Sie nichts drauf"

Auf den Punkt.

ZDF
Alexander Gauland (l.) und Thomas Walde

Wer sich am Sonntagabend das “Sommerinterview” im ZDF mit AfD-Chef Alexander Gauland ansah, war vermutlich platt.

Platt, wie leicht der 77-Jährige eingangs mit hanebüchenem Fakten-Leugnen durchkam.

Platt, wie desinteressiert und planlos ein Spitzenpolitiker sich geben kann.

Und platt, wie ihn Moderator Thomas Walde dann endlich verbal abwatschte.

Und platt, dass das Interview vorbei war, ohne dass das eigentliche Thema der AfD auch nur erwähnt wurde.

Das ZDF-Interview – auf den Punkt gebracht.

1. Klimawandel: Gauland leugnet die Fakten

Walde fragt zum Einstieg, was die AfD denn in Sachen Klimawandel zu tun gedenke. 

Und Gauland sagt, er glaube nicht, dass die Erderwärmung mit Industrie und menschengemachtem CO2-Ausstoß zu tun habe. Die AfD, so hat sie es selbst aufgeschrieben, will Klimaschutz nicht länger unterstützen. “Ich glaube nicht, dass es gegen den Klimawandel irgendetwas gibt, was wir Menschen machen können”, sagt Gauland. 

Das ist die Essenz eines mehrminütigen, trägen Hin und Hers, in dessen Verlauf Walde es versäumt, Gaulands “Glaub ich alles nicht”-Haltung mit harten Fakten statt halbherzigen Nachfragen zu entlarven. Walde schließt das Thema schlicht mit: “Okay, das habe ich verstanden.”

Der Einstieg ins Interview, anders kann man es nicht sagen, ist verdammt schwach. Da kann Gauland Fakten leugnen, und der Moderator nimmt ihn nicht in die Zange.

2. Rente: Gauland hat kein Konzept

Dann aber demontiert sich Gauland selbst. Die AfD hat derzeit kein Rentenkonzept. Gauland sagt, das wolle die Partei auf einem Parteitag im kommenden Jahr festziehen.

Das ZDF konfrontiert Gauland mit dem Zitat des AfD-Vorsitzenden in Brandenburg, Andreas Kalbitz, der kürzlich gesagt hatte: “Wir können uns keine Konzept- und Programmlücken in wesentlichen Themen mehr leisten.”

Das ZDF fragt, was mit der Idee von Jörg Meuthen sei, neben Gauland Vorsitzender der Partei. Der will ein Rentenkonzept, in dem sich jeder selbst um die Altersvorsorge kümmert, ohne staatlichen Zwang.

Details? Hat Gauland keine. “Das müssen Sie Herrn Meuthen fragen.” Er selbst glaube nicht, dass man vom jetzigen Umlagesystem wegkomme. Die Parteispitze hat also grundsätzlich andere Vorstellungen von einer Lösung, aber keinerlei Details.

3. Digitalisierung: Gauland hat kein Konzept

Das ZDF spielt eine Aufnahme des AfD-Abgeordneten Uwe Kamann ein, der ein Konzept für den digitalen Wandel fordert.

Details? Hat Gauland wieder keine. “Nein, das kann ich nicht erklären, das müsste man auch den Abgeordneten fragen.”

► Und weiter: “Von einer Strategie zur Digitalisierung kann nicht die Rede sein und ich wüsste auch keine.”

4. Wohnungsbau: Gauland hat eine vage Idee

In Sachen sozialem Wohnungsbau fordert Gauland, dass es mehr Geld geben müsse. Wie er mit Anbietern wie Airbnb umgehen wolle?

► “Da kann ich Ihnen im Moment keine Antwort darauf geben.”

Juso-Chef Kevin Kühnert schrieb angesichts der Aussagen Gaulands, bei der AfD sei es inhaltlich “stockdunkel”.

5. Gauland, der Mann mit dem Desinteresse

Gauland zeigt im Interview keine Emotion und kaum Engagement.

Nicht in den Antworten auf die Sachfragen.

Nicht, als drei Demonstranten das Interview mit Buh-Rufen stören. Walde fragt: 
“Ich nehme an, Sie kommen damit klar?” Gauland schaut nur verächtlich zu Boden.

Angesichts der medialen Aufmerksamkeit, die die “Sommerinterviews” der Parteichefs erfahren, mag das erst einmal befremdlich wirken. Aber es gehört zum Konzept der AfD, die etablierten Medien abzuwerten. Auf Twitter bezeichneten AfD-Bundestagsabgeordnete das ZDF am Sonntagabend dann auch als “Staatsfunk” und den Moderator als intoleranten “Aktivisten”.

► Gauland demonstratives Desinteresse ist letztlich nur eine leise Form der Aggressivität.

6. Walde zerlegt Gauland

“Kann das sein, Herr Gauland, dass Sie mit diesen Zukunftsthemen überfordert sind?”, fragt Walde schließlich. “Und dass Sie gern Ihr Heil suchen in der deutschen Vergangenheit und da drauf zurückkommen?”

Auch da lässt sich Gauland nicht aus der Reserve locken. Er betont, die AfD sei nicht überfordert, wolle sich aber nicht zu Kurzschlussreaktionen hinreißen lassen. 

Und aus der Zeit der Nationalsozialisten, betont Gauland, gebe es “nicht einmal irgendetwas Bewahrenswertes”. 

► Nach weiterem kurzen Hin und Her konstatiert Walde: “Ich stelle fest, dass Sie bei all den wichtigen Themen nichts drauf haben.”

7. Das klassische AfD-Thema bleibt außen vor

Nach 18 Minuten ist das Interview vorbei. Kein Wort zu dem Thema Migration und Flüchtlinge, dem dominierenden Thema in der AfD.

Ob es Absicht war? Die Antwort darauf wäre spannend.

Das “Sommerinterview” mit Gauland auf den Punkt:

Der AfD-Chef hat auf mehrere große Zukunftsfragen keine Antwort. Und es scheint ihn auch nicht zu stören.

(ll)