POLITIK
16/12/2017 18:34 CET | Aktualisiert 17/12/2017 10:12 CET

So leben Menschen in einem Flüchtlingslager im Geburtsort von Jesus

Während viele Deutsche an Weihnachten die Geburt Christi feiern, geht es in der Geburtsstadt Jesus' nicht besonders festlich zu.

  • Julia Schönstädt ist Fotografin aus Berlin
  • Sie reiste nach Bethlehem und unterhielt sich dort mit jungen Menschen in einem Flüchtlingscamp
  • Im Video oben erzählen sie von ihren Schicksalen

Bereits 2015 zeigte die Berliner Fotografin Julia Schönstädt, welche Gegenstände Flüchtlinge auf ihrer beschwerlichen Reise nach Deutschland bei sich tragen.  

Für ein neuerliches Projekt reiste sie nach Bethlehem. Während viele Deutsche an Weihnachten die Geburt Christi feiern, geht es in der Stadt nicht besonders festlich zu, in der nach der Überlieferung Jesus geboren worden sein soll.

Menschenunwürdige Bedingungen

Durch den Konflikt mit Israel mussten viele Palästinenser ihre ursprüngliche Heimat verlassen. Einige von ihnen kamen im palästinensischen Flüchtlingscamp Aida in Bethlehem unter, das 1950 gegründet wurde. 

Bethlehem gehört zu Palästinensischen Autonomiegebieten und grenzt im Norden an Jerusalem. 

Die Fotografin Schönstädt reiste in das Flüchtlingslager. Sie sprach vor allem mit jungen Menschen und fragte sie nach ihren Geschichten.

Ihre Aussagen zeigen, unter welchen schweren Bedingungen die Menschen in dem Camp leben müssen.

Mit 15 zum ersten Mal inhaftiert

Einige der Jugendlichen sind noch voller Hoffnung, wie etwa Araz (18): “Ich würde gerne Informatik in Deutschland studieren. Der Vater eines Freundes sagt, das Bildungssystem dort sei gut. Bisher bin ich jedoch nur einmal gereist - nach Jordanien.”

Je älter die Bewohner allerdings sind, desto weniger Positives hatten sie zu berichten, wie Mahmoud (30): “Als ich 15 Jahre alt war, wurde ich zum ersten Mal für zwei Jahre inhaftiert. Als ich 20 war noch einmal für ein Jahr.”

Das sei leider keine Ausnahme, sagt er. Vielen Palästinensern passiere das. ”Die Israelis versuchen, unser Denken und unsere Ideologie zu ändern. Aber es stärkt unseren Drang nach Freiheit nur noch mehr”, sagt Mahmoud.

Zwei Mal auf friedlichen Demos angeschossen

Sadam ist 24 Jahre alt und erzählt: “Ich arbeite Vollzeit und verdiene den Mindestlohn von umgerechnet 450$. Ich lebe bei meinen Eltern - ich bin der Letzte, von 13 Kindern, der noch zu Haus wohnt.”

Er berichtet: “Ich wurde zwei mal angeschossen. Beim ersten Mal war ich 13 Jahre alt. Es war beide Male auf friedlichen Demonstrationen.”

Sadam wurde vor ein paar Wochen wieder verhaftet und ist derzeit in Gefangenschaft.

Im Video oben seht ihr weitere Schicksale und die dazugehörigen Bilder.

 

(ll)